Trotz Zusage: Zweifel an Asfinag sind groß. Neuer S3-Zeitplan / Die Asfinag will 2016 die S 3 ausbauen. Dass dieser Zeitplan eingehalten wird, daran will niemand so recht glauben.

Von Sandra Frank. Erstellt am 08. Juli 2014 (08:43)
NOEN, Sandra Frank
Die VP-Bürgermeister Richard Hogl (Wullersdorf), Herbert Leeb (Grabern), Roland Weber (Guntersdorf) und Erwin Bernreiter (Hollabrunn) unterstützen die Bürger bei den Protesten. Ob diese mit dem neuen Asfinag-Zeitplan jetzt ein Ende haben, bleibt fraglich. Foto: Sandra Frank

Die Asfinag präsentierte vergangenen Montag den neuen Bauplan für den Ausbau der Weinviertler Schnellstraße S 3 ( die NÖN berichtete ).

Nationalrätin lobte Engagement der Bürger

„Nicht zuletzt waren es die Bürger der betroffenen Gemeinden Guntersdorf, Grund, Grabern und Hollabrunn, welche sich mit Initiativen und Protestaktionen für den Ausbau stark machten und die öffentliche Auflage einforderten“, lobt Nationalrätin Eva-Maria Himmelbauer (ÖVP) den Einsatz der Bürger.

„Ob die Proteste hier wirklich etwas gebracht haben, kann ich nicht sagen. Ich bin Politiker und kein Prophet“, ist FPÖ-Parlamentarier Christian Lausch nicht ganz so überzeugt. Eines weiß er aber bestimmt: „Es ist traurig, dass in einem schwarz dominierten Land die Bürger erst auf die Straße gehen müssen, weil ihre Politiker ihnen scheinbar nicht mehr zuhören.“

SP-Gössl: „VP will das jetzt als Erfolg verkaufen“

„Es ist eine Frechheit, so etwas zu behaupten“, ist Werner Gössl, Chef der Sozialdemokraten im Bezirk, verärgert über Himmelbauers Aussage. „Ich habe schon vor den ganzen Protesten gesagt, dass die Straße gebaut und die Umweltverträglichkeitsprüfung im Sommer abgeschlossen werden wird.“

Die Aussendung der Asfinag bestätigt den Sozialdemokraten. „Aber genau das habe ich befürchtet, dass die ÖVP das jetzt als Erfolg verkaufen will.“ Doch Gössl weiß: „Auch ohne Proteste wäre es so abgelaufen. Innerhalb von zwei oder drei Wochen kann man kein solches Projekt aufstellen.“ Für die öffentliche Auflage der UVP hätten die Bürger nicht auf die Straße gehen müssen.

Hammer ist skeptisch – und nicht nur er

„Wir werden weiter machen“, sagt Wilfried Hammer, Sprecher der Bürgerinitiative Guntersdorf. Denn er will der Asfinag nicht so recht glauben. „Wir wurden schon so oft enttäuscht ...“ Er kontaktierte nun selbst die Asfinag, da er die Guntersdorfer über den weiteren Zeitplan informieren möchte. „Ich will die Informationen aus erster Hand.“

Dass erst im zweiten Halbjahr 2016 mit dem Bau begonnen werden soll, mache die Guntersdorfer nicht glücklich. Hammer ist aber nicht nur aufgrund der vielen gebrochenen Versprechen, was den Baubeginn betrifft, skeptisch. „Ich kenne Grundstücke, auf denen archäologische Grabungen stattfinden sollen, die aber immer noch nicht begonnen haben.“ Und laut Asfinag sollen die Grabungen bis August dieses Jahres abgeschlossen sein.

Mit seiner Skepsis steht Hammer nicht alleine da. „Ich hör‘ es wohl, doch allein mir fehlt der Glaube“, kann ebenfalls Lausch nur hoffen, dass die Straße endlich gebaut wird. „Seit 1969 wurde schon so viel versprochen und gebrochen ...“, erinnert sich der Nationalrat ebenfalls an viele geplante Baubeginne. „Zwei Jahre zu spät ist besser als gar nicht.“

„Wir sind nicht Mistelbach und haben keinen Landesrat“

„Jetzt kommt es darauf an, ob sie die Straße auch bauen wollen, vorher konnten sie gar nicht“, weiß Gössl, warum der Baubeginn bisher immer verschoben werden musste. Bereits vor den letzten Gemeinderatswahlen 2010 wurde versichert, dass die S 3 demnächst erweitert werde, kurz nach der Wahl war dieser Plan wieder dahin. „Damals gab es noch keine gesetzlichen Genehmigungen“, erklärt Gössl. „Das ist, wie wenn ich ein Haus bauen will, aber keine Baugenehmigung habe“, vergleicht der Sozialdemokrat.

Um weitere Verzögerungen zu verhindern, fordert Landtagsabgeordneter Richard Hogl (VP) eines: „Laufende und lückenlose Informationen über den Planungs- bzw. Baufortschritt von den verantwortlichen Stellen.“ Dass die UVP nun endlich öffentlich aufgelegt werde, dem kann der Wullersdorfer Bürgermeister viel Positives abgewinnen.

Trotz neuem Zeitplan kann sich Lausch einen Seitenhieb auf die ÖVP nicht verkneifen: „Wir haben im Bezirk gelernt, kleinere Brötchen zu backen. Wir sind eben nicht Mistelbach und haben keinen Landesrat Wilfing.“ Im Nachbarbezirk wird die Nordautobahn, die A 5, Richtung Tschechische Republik ausgebaut.

„Die A 5 wird deswegen gebaut, weil Prag-Brünn ausgebaut wird“, erklärt Hogl dazu. Richtung Znaim sei auf tschechischer Seite kein Ausbau vorgesehen. „Wichtig ist, dass wir keine frontalen Unfälle mehr haben und der Verkehr aus den Orten draußen ist“, betont der Wullersdorfer Bürgermeister.


Der Zeitplan

  • Die öffentliche Auflage der UVP soll im Sommer erfolgen.

  • Parallel laufen bis August archäologische Grabungen.

  • Baubeginn der Spange Hollabrunn-Guntersdorf ist für das zweite Halbjahr 2016 geplant.

  • Die Verkehrsfreigabe soll 2019 erfolgen.