63-Jährige wegen Attacken auf Autospiegel vor Gericht. Angeklagte beharrt darauf, dass durch Schläge kein Schaden entstand.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 19. September 2020 (04:41)
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Ein kurioser Fall von Sachbeschädigung landete zuletzt am Tisch von Bezirksrichter Erhard Neubauer. Eine Schmidatalerin (63) musste sich verantworten, weil sie bis zu 20 Mal die Seitenspiegel der Autos ihrer Nachbarn „attackiert“ haben soll.

Die Opfer sprachen von Schäden in Höhe von über 600 Euro je Auto, die in ihrer Werkstatt festgestellt worden seien. Rechtsanwalt Herwig Ernst, der die Pensionistin verteidigt, plädierte jedoch auf „nicht schuldig“, denn: „Sie hat die Spiegel aufgeklappt, aber dadurch können die genannten Schäden nicht entstanden sein.“ Richter Neubauer war verwundert: „Sie sind gefilmt worden, ich sag’s nur dazu …“

„Ich bin sprachlos. Normal verhandle ich so etwas mit Jugendlichen.“Richter Erhard Neubauer, der sich wunderte, dass die angebotene Diversion abgelehnt wurde.

Die Angeklagte erklärt jedenfalls, sich massiv verbal verletzt gefühlt zu haben. Sie hätte nur bei einem Wagen den elektronisch eingeklappten Spiegel aufgeklappt, damit sich ihre Nachbarin darin sehen könne. Warum sie das gemacht habe? „Ich war dumm.“ Der Nachbar erzählte indes von einem vorangegangenen Gerichtsverfahren wegen einer Dienstbarkeit, die zu Missstimmung geführt hatte. Im Dezember habe es dann die ersten „Spiegel-Attacken“ gegeben. „Nach unserem Urlaub war’s im Februar dann fast tagtäglich.“

Video zeigte Schläge gegen Seitenspiegel

Deshalb legte sich der Nachbar mit einer Kamera auf die Lauer – und ertappte die Pensionistin schließlich in flagranti. Nachdem die Polizei der Frau erklärt hatte, dass sie damit aufhören soll, sei endlich Ruhe gewesen – bis zum 12. August, als der Spiegel der Beifahrerseite seines Pkws wieder nach vorne geklappt war. Am Video, das im Gerichtssaal vorgespielt wurde, war zu erkennen, wie die Angeklagte gezielte Schläge gegen einen Seitenspiegel setzt. Der Richter bot daraufhin eine Diversion an: Gegen eine Geldbuße von 60 Euro wäre die 63-Jährige ohne Verurteilung davongekommen. Doch sie blieb dabei, dass durch ihre Aktionen kein Schaden entstanden sein könne. Der Spiegel sei nach wie vor in Ordnung. Ihr Verteidiger beantragte daher ein Sachverständigengutachten.

„Ich würde mir das genau überlegen, eine Diversion gibt‘s nur heute“, mahnte Neubauer vergebens. Und: „Ich bin sprachlos. Normal verhandle ich so etwas mit Jugendlichen.“

Fortsetzung folgt.