Nazi-Parolen und Stalking: 32-Jähriger in Haft. Teilbedingte Strafe für Mann aus dem Schmidatal mit Hang zu Nazi-Devotionalien, der Ex verletzte.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 14. Februar 2021 (04:59)
Der beschuldigte Marchfelder befindet sich nach wie vor in Untersuchungshaft in Korneuburg und wartet auf seinen Prozess.
Löwenstein

Ein 32-Jähriger aus dem Schmidatal, bereits seit 18. Dezember in U-Haft, wurde vor einem Schwurgericht in Korneuburg mit „zwei Gruppen von Vorwürfen“ konfrontiert, wie es der Erste Staatsanwalt Friedrich Köhl ausdrückte. Angeklagt war der Mann zum einen, sich im nationalsozialistischen Sinn betätigt zu haben, zum anderen, seine Ex-Freundin bedroht, verletzt und beharrlich verfolgt zu haben.

Schon bei seinem Eröffnungsplädoyer erklärte Verteidiger Franz Stacher den Geschworenen den Hang seines Mandanten zu Nazi-Devotionalien damit, die Erinnerung an den Großvater lebendig halten zu wollen. Das hinterfragte der Richtersenat unter Vorsitz von Dietmar Nußbaumer und wollte unter anderem wissen, was ein vom Angeklagten 2018 gemaltes Bild mit Hakenkreuz, Reichsadler und SS-Runen mit dem Opa zu tun hätte.

„Nichts“, so der Angeklagte; ebenso wenig wie ein Feuerzeug und Dolche mit entsprechenden Emblemen, die er in seinem Wohnzimmer in einer Vitrine prominent zur Schau stellte, wie Nußbaumer zusammenfassend feststellte.

Neben den Angriffen gegen ihre Person ging es bei der Befragung der 33-jährigen Ex-Freundin auch um die nationalsozialistischen Einstellungen des Angeklagten. Unmissverständlich klar sagte sie: „Er ist ein Naziverehrer; er verehrt den Hitler. Er hasst Ausländer.“ Auch mit „Heil, Kamerad“ oder gar „Sieg Heil“ zu grüßen, war für den 32-Jährigen selbstverständlich.

Acht Anrufversuche in 25 Minuten

Danach schilderte die Frau den Verlauf ihrer Beziehung von Mai bis Dezember 2020, die schließlich mit der Festnahme des Mannes durch Beamte der Polizeiinspektion Ravelsbach beendet wurde.

Erst bei seiner Verhaftung habe er verstanden, dass es aus sei, so der Angeklagte. Bis zu diesem Punkt holte er die 33-Jährige – seine „absolute Traumfrau“, wie er sagte – auch nach Ende der offiziellen Beziehung immer wieder von der Arbeit ab, stand mit Blumen vor der Tür und wurde von der Frau als Kontrollfreak und „extrem eifersüchtig“ beschrieben. Als sie am 17. Dezember am Posten in Ravelsbach 25 Minuten lang aussagte, versuchte sie der Mann achtmal anzurufen.

Während die Beziehung noch aufrecht war, kam es in der Nacht zum 6. Juni zu einem Vorfall in der Wohnung der Frau, ebenfalls im Schmidatal. Seiner Schilderung nach war es ein eigentlich normaler Abend, bei dem eine Diskussion zu Handgreiflichkeiten führte. Ihre Beschreibung war insofern detaillierter, als dass der 32-Jährige um ein Uhr nachts bereits betrunken zu ihr gekommen sei, die Stereoanlage voll aufdrehte, die Situation dann eskalierte und mit Schürfwunden für die Frau endete.

Alk und Medikamente: „Ein anderer Mensch“

Mit überraschend viel Verständnis schilderte sie, was Alkoholkonsum, in Kombination mit ihm verschriebenen Medikamenten, beim 32-Jährigen bewirkt: „Als wäre er ein komplett anderer Mensch. Er wird laut und schreit in seiner Wut immer wieder: Du sollst sterben!“

Der Mann wurde von den Geschworenen schließlich in allen Anklagepunkten für schuldig befunden und zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, davon 18 Monate auf Bewährung. Um die „Orientierungsschwierigkeiten des Angeklagten“, so Richter Nußbaumer, möglichst zu beheben, erging vom Gericht eine klare Weisung an den Schmidataler, jeglichen Kontakt zu der 33-Jährigen zu unterlassen; überdies ordnete es Bewährungshilfe für den nunmehr rechtskräftig Verurteilten an.