Im Juli verspätete sich Zug häufiger. Bahnpendlern steht schon jetzt mehr Entschädigung zu als im Vorjahr. Was sind die konkreten Ursachen für die Unpünktlichkeit?

Von Karin Widhalm. Erstellt am 17. August 2018 (05:54)
Der Bahnhof Guntersdorf dient für das Land um Hollabrunn und auch für das Pulkautal als Einstiegsmöglichkeit in die Nordwestbahn.
Frank

19. Juli: Die Lokomotive ist defekt, 45 Minuten Verspätung. 9. August: Die Lok ist überhitzt und steht in Sierndorf, 50 Minuten Verspätung. Solche und ähnliche Berichte erreichen die Redaktion, wobei gerade in der vorigen Woche das Triebfahrzeug oft auf der Nordwestbahn stehenblieb. Die ÖBB führen die Hitze als Grund für die Verspätungen an.

Vorfälle dieser Art könne man nicht ausschließen: „Kein technisches Gerät ist trotz bester Wartung vor einem Defekt gefeit“, erklärt Sprecher Karl Leitner. Einer Retzer Pendlerin steht schon jetzt, im Juli, mehr Entschädigung zu als im ganzen vorigen Jahr. Das lässt sich aus der Pünktlichkeitsabfrage auf der Website ablesen.

Baustelle in Stockerau als großes Hemmnis

„Seit Ferienbeginn häufen sich die Verspätungen“, meint auch ein 57-jähriger Schöngraberner. Die ÖBB wischen das nicht vom Tisch und liefern Daten zum Streckenabschnitt Floridsdorf-Retz: Von Jänner bis Juni variiert die Pünktlichkeit um 0,3 Prozent im Vergleich zu 2017. Der Juli 2018 ist ein Ausreißer: 2017 kam der Zug zu 96,4 Prozent zeitgerecht an, 2018 nur mehr zu 92,8 Prozent. Das führt das Bahnunternehmen direkt auf die 22-tägige Sperre während des Unterführungsbaus in Stockerau zurück.

„Im Juli haben sich die Bauarbeiten negativer ausgewirkt“, vergleicht Leitner. „Im Jahr 2017 gab es Ende Mai und Anfang Juni eine Baustelle über neun Tage.“ Aber was sind die konkreten Ursachen? „Die Zugdichte, kombiniert mit Bauarbeiten und eingleisigen Streckenabschnitten von Stockerau bis Šatov, wirkt sich bei geringsten Abweichungen negativ aus“, erklärt der ÖBB-Sprecher.

„Um jedoch den hohen Fahrgastzahlen gerecht zu werden, müssen auch bei Bauarbeiten die Züge im Verkehr gehalten werden. Eine Ausdünnung des Fahrplans, also weniger Züge, im Zusammenhang mit Bauarbeiten, würde zwar die Stabilität erhöhen, wäre aber nicht im Sinne unserer Fahrgäste.“ Hinzu komme, dass man während der Bauphase auch mit externen Einflüssen (ein Ast geriet am 26. Juli in die Oberleitung), Anlagen- und Fahrzeugstörungen zu kämpfen hatte.