Neuer Vize-Ortschef Schmid: „Die Erwartungen sind groß“. Der neue Vizebürgermeister über seine Vision und das Hineinwachsen in die Gemeindearbeit.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 11. April 2018 (03:58)
Stefan Schmid ist Vizebürgermeister von Schrattenthal.
Karin Widhalm

Stefan Schmid ist seit knapp einem Jahr Gemeinderat in der Stadtgemeinde – und neuerdings Vizebürgermeister. Zum NÖN-Interview hat er in sein eben gebautes Wohnhaus in Obermarkersdorf geladen.

NÖN: Was motiviert Sie dazu, politisch aktiv zu sein?

Stefan Schmid: Wenn du politisch denkend bist, gerne in der Gemeinde lebst und mitgestaltest, dann liegt das auf der Hand. Das hat sich auch schön ergeben, weil Ernst Wally zurücktreten wollte.

Was ändert sich für Sie?

Du bist öffentlich sichtbarer, das ist eine gewisse Herausforderung. Die Erwartungen sind groß: Man möchte einen frischen Wind in der Stadtgemeinde. Aber ich brauche eine gewisse Zeit, um die Strukturen zu verstehen, um ein Gemeindebudget zu verstehen. Das alleine ist schon relativ schwer.

Worauf man langfristig schauen muss, sind die Bauplätze

Wie würden Sie die Gemeindepolitik beschreiben?

Du bist dafür gewählt, dass du Entscheidungen triffst, und du musst dich im Vorfeld intensiv damit auseinandersetzen. Es darf kein Thema geben, dass unwichtig ist. Du bist draußen, redest mit den Menschen. Das hat eine gewisse Wechselwirkung. Das Engagement ist bei uns relativ groß: Du kannst schnell Kleinigkeiten umsetzen.

Der Weinlehrpfad entstand, weil wir überlegten: Wie wird die Bachböschung absturzsicher? Beim Projekt sind Gemeinde, Dorferneuerungsverein und Winzer beteiligt. Man kann schnell viele aktivieren.

Was ist sonst noch geplant?

Die Belebung des Rathaussaales: Wir haben da eine Vision, wenn die Renovierung fertig ist. Das Konzept steht bereits. Es soll ein Zentrum für Events und die Bildung werden, dazu ist eine adäquate Einrichtung nötig. Wir haben die Idee als Leader-Projekt eingereicht, wobei eine Bildungsregion in Abstimmung mit anderen Gemeinden (wie Zellerndorf) entstehen soll. Unsere Themen sind Wein, Kultur, digital.

Worauf man langfristig schauen muss, sind die Bauplätze. Wir haben ein Entwicklungskonzept erarbeitet, wie sich die Ortschaften weiterentwickeln sollen. Ich bin stark dafür, dass für jeden Häuslbauer bei einem Grundkauf Strom, Wasser und Kanal bereitsteht. Das ist teuer, aber die Leute sind es gewöhnt, dass sie serviciert werden.

Wie wichtig ist die Infrastruktur für die zukünftigen Bürger?

Neben den Straßen steht die Digitalisierung mitten im Zentrum. In zehn Jahren wird unsere Arbeitswelt ganz anders aussehen. Alle Branchen werden sich ändern. Ich arbeite dort, wo mein Computer ist – und davon wird das Land profitieren. Der Arbeitsplatz heraußen wird dabei eine Möglichkeit sein. Ich sage immer: Die Digitalisierung sind die Straßen der Zukunft. Da ist viel geplant und da wird kein Stein auf den anderen bleiben.

Viele haben Angst, dass mit der Digitalisierung zu viele Jobs verloren gehen ...

Dazu erzähle ich meinen Schülern immer das Beispiel des Türstehers: Du siehst vor jedem Sternehotel in Wien einen Türsteher. Früher war er dazu da, den Gästen die Tür aufzuhalten, aber heute funktioniert das automatisch. Wozu braucht man also einen Türsteher? Er begrüßt die Gäste, schaut, dass es ihnen gut geht. Die Rollen werden sich ändern: In Zukunft wird der Experte draufschauen, ob der Computer die Buchhaltung richtig gemacht hat. Jobs werden verschwinden, aber es werden neue kommen.

Andreas Salcher sagt: Die Welt teilt sich in Zukunft in die Lernenden und die Nicht-Lernenden ein. Wir können auch in unserer Gemeinde eine Möglichkeit für die Lernenden schaffen. Und damit meine ich nicht unbedingt das Büffeln.

Nicht?

Es ist mehr als das: Die Menschen kommen zusammen, erlernen soziale Kompetenzen, helfen sich gegenseitig. Der eine kann dem anderen zeigen, wie ein Smartphone funktioniert, oder ihm erklären, welche Besonderheit die jeweiligen Rebsorten hat. Oder es kommt jemand und erklärt, was die Europäische Union macht. Das kann nur im Kleinen passieren. Und durch solche Sachen erreichen wir vielleicht Menschen, die nicht in Vereinen sind.

Ist die Landesausstellung dabei eine Chance?

Für die ganze Region. Ich hoffe, dass sie kommt. Ich finde es spannend, der grenzüberschreitende Aspekt, die Kunst und die Kultur, die Zusammenarbeit mit der Musikschule, die ein Paradebeispiel in Österreich ist ...

Sehen Sie den Bildungsschwerpunkt, der auch in Retz umgesetzt wird, als Konkurrenz?

Nein. Die Sache ist, dass das Gemeinsame im Vordergrund steht, eine gemeinsame Entwicklung. Mir war vorher nicht bewusst, wie viel sich in den Gemeinden eigentlich tut.

Wie haben Sie die Arbeit im Gemeinderat erlebt?

Ich war verwundert, wie konstruktiv die Stimmung ist ... sehr konsensgeprägt, mit einem gemeinschaftlichen Blick und mit sehr viel Vertrauen miteinander. Das ist in einer kleinen Gemeinde enorm wichtig; wenn sich das negativ aufschaukelt, dann hat das keinen Sinn. Man ist gemeinsam in einem Verein, hat vielleicht Kinder ... Das Streiten wie in anderen Gemeinden kenne ich nicht. Wir arbeiten sehr gut zusammen und ich bin dankbar, wie sehr ich unterstützt werde.