Der Mann mit den goldenen Händen aus Haugsdorf. Walter Bures ist Handwerker aus Leidenschaft und bereiste mit seiner Puch die Welt.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 19. November 2020 (04:56)
Auch Modellautos haben es Walter Bures angetan. Seine Werkstatt ist ein Sammelsurium besonderer Stücke und Erinnerungen.
Franz

Walter Bures Werkstätte ist eine Reise in die Vergangenheit: Schwarz-Weiß-Fotos hängen an den Kästen, eine Kuckucksuhr schmückt die Wand, Regale und Setzkästen sind mit Modellautos bestückt, Souvenirs von Reisen reihen sich an der Wandleiste, im Hintergrund spielt die Jukebox „I have a Dream“ von ABBA. Dieser Ort ist mehr als eine Werkstätte, es ist ein Sammelsurium an Erinnerungen und Kostbarkeiten aus dem vergangenen Jahrhundert.

Die Puch des ehemaligen Bürgermeisters Josef Öller war „praktisch eine Leiche“, ehe sie Walter Bures in die Finger bekam.
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Aus dieser Zeit stammt auch das Motorrad, an dem Walter Bures drei Monate lang geschraubt hat. Jetzt strahlt nicht nur die Maschine, sondern auch Bures: „Es handelt sich um eine Puch, Type MV 50, die dem ehemaligen Bürgermeister Josef Öller gehört hat. Es war ein Geschenk, weil’s praktisch eine Leiche war“, erzählt er.

„Die Puch-Motorräder springen immer an und sind einfach zuverlässig.“ Walter Bures lässt nichts über seine Lieblingsmarke kommen

Am Schrauben ist der 82-jährige Haugsdorfer schon seit seiner Jugend: „Ich habe das schon immer gemacht“, schmunzelt er, „ich bin technisch begabt und habe zwei goldene Hände.“ Bures ist gelernter Maschinenschlosser und hat jahrelang als technischer Beamter in der Gemeinde Wien gearbeitet. Sein erstes Motorrad, eine Puch MS, hat er sich 1956 gekauft – naja, so ganz stimmt das nicht: „Die Mama hat’s teils gezahlt“, lacht er. Seine allererste Motorradtour ging in die Steiermark, nach Mariazell: „Dort hat’s ein gutes Jagasaftl gegeben“, erzählt Bures nostalgisch.

Wenn Walter Bures über seine Lieblingsmarke „Puch“ spricht, strahlen seine Augen: „Die Puch-Motorräder springen immer an und sind einfach zuverlässig“, so sein Urteil. Was das Schöne am Motorradfahren ist? „Es gibt mir eine absolute Freiheit und man sieht viel mehr von der Welt“, schwärmt Bures. Gesehen hat er wirklich schon sehr viel. 23 Jahre lang ist er mit dem Motorrad nach Griechenland gefahren und hat dabei 24 Inseln abgefahren.

Fotos von vor 60 Jahren. Walter Bures erinnert sich gerne an seine Touren. Enzmann
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Bei der Frage nach der schönsten Tour muss Bures lange überlegen. Eigentlich seien alle schön gewesen, aber das Highlight war die Tour im Jahr 2003 nach Portugal. Es war aber nicht sein erstes Mal in Portugal. Als Kind war er dort elf Monate lang in einem Kloster, um sich von den Folgen des Krieges zu erholen.

Auch die Frage nach der schönsten Motorradstrecke sei nicht leicht zu beantworten. Dann aber legt er sich fest: Griechenland! „Dort schaut jede Kurve anders aus. Oft sind auch Schafe und Kühe auf der Straße und die Leute sind sehr freundlich“, erzählt Bures.

Auch wenn Auslandsreisen in diesen Coronazeiten nicht möglich sind: Die Erinnerungen und Geschichten bleiben, und die hat Walter Bures definitiv.