Gerichtspräsidenten zu Gast in HLW Hollabrunn. Dank der ehemaligen Volksanwältin wird das Rechtsbewusstsein der Schüler gesteigert.

Von Sandra Frank. Erstellt am 12. Februar 2020 (05:10)
Begeisterung auf allen Seiten: Friedrich Forsthuber (2.v.l.) , Garbiele Fink-Hopf (3.v.l.)und Gertrude Brinek (2.v.l.) genossen den Austausch mit den Schülern der HLW. Direktor Leopold Mayer (3.v.r.) genoss die Diskussionsrunde ebenso wie seine Lehrer.
Sandra Frank

„Ich hab‘ einfach gefragt: Du Gerti, kannst du dir vorstellen, etwas für die Schule zu machen“, sprach HLW-Direktor Leopold Mayer eine Absolventin der Schule an. Die Gerti ist Gertrude Brinek, die bis zum Vorjahr als Volksanwältin tätig war.

Unterrichten wollte die Pädagogin nicht, aber „auf einmal taucht sie mit zwei Gerichtspräsidenten auf, das ist unglaublich“. Durch die Kontakte der gebürtigen Weyerburgerin werden der Schule Türen geöffnet, „wo du sonst nicht hinkommst“, ist dem Direktor die Begeisterung ins Gesicht geschrieben.

Auch beim ORF-Bürgeranwalt aufgetreten

Brinek begleitet die HLW durchs Schuljahr, ein Highlight: „Wir waren zu Gast bei der Sendung von Bürgeranwalt Peter Resetarits“, erzählt Mayer.

Die beiden Gerichtspräsidenten, die die ehemalige Volksanwältin im Schlepptau hatte, waren Friedrich Forsthuber, Präsident des Landesgerichts für Strafsachen Wien, und Gabriele Fink-Hopf, Vizepräsidentin des Oberlandesgerichts Wien. Das Trio mischte sich zunächst beim Karrierefrühstück unter die Maturanten, danach sprachen sie über ihr Arbeitsfeld und stellen Berufe innerhalb der Justiz vor.

Den beiden ist es wichtig, vor Schülern zu sprechen. In seinem Alltag erlebe es Forsthuber – der übrigens meint, dass Politker einen Demokratieführerschein machen sollten – oft, dass die Menschen nicht wissen, wo sie sich hinwenden können, wenn eine Scheidung ansteht, oder sie gekündigt werden

Fink-Hopf klärte die Maturanten über Berufe innerhalb der Justiz auf, für die man nicht Jus studieren muss. Sie selbst sei in der Verwaltung tätig, bilde Praktikanten und Lehrlinge aus.

Gerichtspräsidenten „brennen“ für Beruf

Die Vizepräsidentin machte den HLW-Schülern etwa den Diplomrechtspfleger schmackhaft, der richterähnliche Aufgaben innehat. „Das sind leider Berufe, über die man ganz wenig weiß“, meint Fink-Hopf.

„Es ist schön zu sehen, wie die beiden für ihre Berufe brennen“, war Direktor Mayer ebenfalls mitgerissen von den beiden Vortragenden. Forsthuber ging sehr in seiner Rolle auf. Dass er gern mit Schülern und Lehrern über die Gerichtsbarkeit diskutierte, zeigte sich, als die ehemalige Volksanwältin darauf hinwies, dass er bereits zu seinem nächsten Termin müsse. Der Gerichtspräsident wollte gar nicht gehen. Was war so spannend? Zunächst wollten die Schüler wissen, wann ein Urteil gerecht sei. „Der Richter versucht, anhand rechtlicher Vorgaben das richtige Urteil zu finden“, meint Forsthuber.

Nachdem er darüber gesprochen hatte, dass ein Richter frei und unabhängig entscheiden müsse und „weltanschauliche Symbole“ in einem Gerichtssaal nichts verloren hätten, weil sie der Neutralität im Wege stehen, erklärte er den Unterschied zwischen Schöffen und Geschworenen. Schöffen sind Zivilisten, die gemeinsam mit Berufsrichtern zu Urteilen kommen. Nur in einem Prozent der Verfahren – etwa 200 Fälle pro Jahr – werden Geschworene eingesetzt. Unter anderen bei Mordprozessen. Hier entscheiden acht Menschen, ohne Berufsrichter, ob der Angeklagte schuldig ist. Eine Begründung für das Urteil gibt es nicht, da die Richter fehlen.

Ob der Präsident des Landegerichts für Strafsachen diese Variante für gut befindet? Nicht wirklich. „Man könnte die Geschworenen auch zu Schöffen machen, das wäre eine vernünftige Lösung.“