Retzer „Unterhosen-Urteil“ ist da. Elisabeth Germann (SPÖ) darf nicht mehr behaupten, dass Stadtchef Helmut Koch (ÖVP, Bild oben) seine Hose vor ihr geöffnet habe. So lautet das Urteil von Richter Maleczky.

Von Sandra Frank. Erstellt am 02. Oktober 2019 (04:53)
NOEN
Helmut Koch atmet auf; er gewann die Klage gegen Elisabeth Germann.

Das Urteil in der sogenannten „Unterhosen-Affäre“ ist da: Nicht einmal zwei Wochen nach der Verhandlung am Korneuburger Landesgericht hat Richter Oskar Maleczky entschieden, dass Elisabeth Germann nicht mehr behaupten darf, dass der Retzer Stadtchef Helmut Koch seine Hose geöffnet habe, bis die Unterhose sichtbar war (siehe Faksimile etwas weiter unten).

Außerdem muss sie binnen eines Monats in einer OTS-Aussendung sowie in diversen Medien auf ihre Kosten einen Widerruf veröffentlichen. Am Montag war das Urteil allerdings noch nicht rechtskräftig, wie Kochs Anwalt Heribert Donnerbauer im NÖN-Gespräch bestätigte.

NÖN

Zur Erinnerung: Die Retzer SPÖ-Stadträtin Germann behauptete, Stadtchef Koch (ÖVP) habe während einer Besprechung im Juni gesagt, dass er seinen Kaffee schwarz trinke, weil er schwarz bis auf die Unterhose sei, und dass er seinen Hosenknopf geöffnet habe, um nachzusehen. Den Sager bestritt der ÖVP-Bürgermeister nie, die Handlung schon.

Nach diesem Vorfall habe sie sich einer ihr bekannten SPÖ-Politikerin anvertraut, die ihr geraten habe, die Gleichbehandlungskommission anzurufen, erläuterte Germann. Außerdem folgte ein offener Brief an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sowie an Medien.

„Germann musste beweisen, dass sich der Vorfall so zugetragen hat, und das konnte sie nicht“, fasst Donnerbauer die Begründung des Urteils kurz zusammen. „Auch wenn man davon ausgeht, dass er diese Äußerung machte, rechtfertigt das nicht, dass dem Kläger ein Verhalten vorgeworfen wird, das tatsächlich so nicht passierte“, heißt es in der Erklärung von Richter Maleczky.

Germanns Vorwurf sei als rufschädigende Ehrenbeleidigung zu werten. Auch kreditschädigend. Weil sie ihre Behauptung nicht beweisen konnte, stehe Koch sowohl der Anspruch auf Unterlassung als auch auf Widerruf und Veröffentlichung zu. Die NÖN erreichte Elisabeth Germann am Montagnachmittag. Von der Frage nach einem Statement zum Urteil war die Stadträtin überrascht: „Dass ihr immer vor mir Bescheid wisst! Ich hab’ noch nix!“