Autonomie löst auch Skepsis aus. Schulleiter sehen die Ansätze im von der Ministerin präsentierten Zukunftsmodell nicht ganz friktionsfrei.

Von Christoph Reiterer, Barbara Witzany und Franz Enzmann. Erstellt am 26. Oktober 2016 (05:45)
NOEN, AP
Wird in den Schulen in Zukunft autonomer agiert? Die Meinungen über Personalauswahl und Schulbeginnzeiten gehen im Bezirk doch nochauseinander.

Nach dem Schulrechtspaket hat Bildungsministerin Sonja Hammerschmid mit dem Autonomiepaket einen weiteren Teil – das Herzstück – der Bildungsreform präsentiert. Es soll den Handlungsspielraum an den einzelnen Schulstandorten durch mehr autonome Befugnisse stärken und die pädagogischen, organisatorischen und personellen Möglichkeiten erweitern.

„Die Personalauswahl ist eine gute Sache“

Die Umsetzung soll bereits 2017/18 mit „Leuchtturmschulen“ beginnen. Ein flächendeckender Ausbau soll innerhalb von rund zehn Jahren erfolgen. Die NÖN wollte wissen, was Pädagogen im Bezirk dazu meinen.

„Die Personalauswahl ist eine gute Sache, weil man die Lehrkräfte auswählen kann, die ins Team passen“, meint Franz Städtner, Leiter der Mittelschulen Hadres und Haugsdorf. Bei den Änderungen der Schulzeiten ist er skeptischer: Bei Projektarbeiten könne man schon jetzt den Stundenplan und die Länge der Unterrichtsstunde verändern.

Die derzeit geltende Höchstgrenze von 25 Schülern pro Klasse findet Städtner gut. Mehr sollte es nicht sein. Der Schulbeginn sollte gleich bleiben, meint er: „Bei uns im Pulkautal beginnt der Unterricht schon um 7.30 Uhr. Die Busfahrpläne sind auf diese Schulzeiten abgestimmt.“

„In Schweden habe ich beobachtet, wie dieses System zu einem gnadenlosen Konkurrenzkampf geführt hat.“

Karin Haderer, Direktorin der NSM Sitzendorf & Ravelsbach

Leopold Mayer, Direktor der HLW Hollabrunn, ist noch auf der Suche nach seinem Optimismus: „Es wird wieder so verwässert werden, dass wieder nix rauskommt“, fürchtet er. Die Idee mit den Clusterdirektoren halte er nicht für gut. Und: „Komisch, dass sich schon wieder alle formieren und ihren Senf dazu geben, warum‘s nicht geht.“

Insgesamt sei das Autonomiepaket jedoch ein Schritt in die richtige Richtung, meint Mayer. Manches, was nun aufkomme, werde in der BHS schon seit zehn Jahren gelebt. Das sieht auch HTL-Direktor Wolfgang Bodei so: „Einen Großteil dieser Autonomie haben wir schon. Ich glaube allerdings nicht, dass es möglich ist, acht Schulen zusammenzufassen.“

„Ich sehe das nicht so rosig, wenn man sich das Personal selber aussuchen kann, weil eine Drehscheibe für das Personal fehlt. Ohne Koordination und mit dem Beamtenstatus ist das schwierig“, meint Karin Haderer, Direktorin in Sitzendorf und Ravelsbach. In Schweden habe sie beobachtet, wie dieses System zu einem gnadenlosen Konkurrenzkampf geführt hat.

„Die Direktoren haben bei den Gehältern Spielraum. Sowie einer von einem guten Lehrer hört, wird dieser gleich abgeworben.“ Ein erhöhtes Mitspracherecht würde Haderer aber begrüßen – „vor allem, wenn man deponieren kann, welche Art von Fachkraft das Team optimal ergänzt“.

„Es gibt Klassen, da ist eine höhere Schülerzahl ohne Qualitätsverlust vertretbar“

Michaela Zellhofer, Direktorin der Ziersdorfer Mittelschule

„Eine gute Kommunikation zwischen Direktoren und den übergeordneten Stellen reicht bei Personalangelegenheiten“, meint Michaela Zellhofer, Direktorin der Ziersdorfer Mittelschule. „In der Steiermark gibt es im Internet eine Datenbörse für Lehrer, ich ziehe aber trotzdem ein persönliches Gespräch vor.“

Bei einem Eingriff in die Schulzeiten werde man sich mit den Schulen der Umgebung und den Busunternehmen einigen müssen. „Ich kann mir aber gut vorstellen, zum Beispiel in der Früh eine Ankunftsphase für Schüler einzurichten und mit dem Unterricht etwas später zu beginnen“, so Zellhofer.

Bei der Schülerzahl einer Klasse eingreifen zu können, wäre optimal. „Es gibt Klassen, da ist eine höhere Schülerzahl ohne Qualitätsverlust vertretbar, in anderen Klassen ist mitunter eine geringere Zahl besser. Das betrifft auch die zugeteilten Stunden und die Entscheidung für Stützpersonal“, sagt die Direktorin. Sehr viel Zeit gehe in ihrer Funktion mit Bürokratie verloren.

Die Schulzeiten sollten im Sinne der individuellen Freizeitgestaltung bleiben, meint Elternvereinsobfrau Sonja Buchberger. Das eigenständige Bestimmen der Schülerzahl findet sie gut – „weil Lehrer die Situation in der Klasse besser einschätzen können“.