Hollabrunn-Macher Gedinger: „Wachsen wir, wird‘s eng“. Vom Schuldirektor über den Schulwart bis zum Bürgermeister und oft wieder retour – der Weg zu einem geöffneten Turnsaal ist für Sportvereine oft ein langer und beschwerlicher. Dabei zeigt eine Studie der Sportunion, dass Bedarf an zusätzlichen Hallenzeiten besteht. Die NÖN hörte sich in der Region um.

Von Peter Sonnenberg und Hans Radl. Erstellt am 11. September 2019 (05:48)
NÖN
In Hollabrunn gibt es einen positiven Tenor, was die notwendigeZusammenarbeit zwischen den Schulen und Vereinen in SachenSportstätten betrifft. „Natürlich gibt es hin und wieder Kleinigkeiten, grobe schlechte Erfahrungen haben wir bisher nicht gemacht“, sagt BG/BRG-Direktorin Jutta Kadletz.

Der Ruf nach mehr Kapazitäten ist gerade in der Bezirkshauptstadt schon lange Zeit laut. Für Johannes Tribelnig, den Obmann der Sportunion Hollabrunn, klappt die Zusammenarbeit mit den Schulen – in seinem Fall mit dem Bundesgymnasium und der Hauptschule – zwar gut, dennoch ortet er zwei große Probleme.

Erstens wird es ab dem Nachmittag eng: „Es ist paradox, wir haben in Hollabrunn zwar genug Turnsäle, aber zu den Stoßzeiten ist zu wenig Platz.“ Zwischen 17 und 19 Uhr „wollen alle rein“. So werde eine vernünftige Nachwuchsarbeit erschwert, „denn du kannst mit Kindern unter der Woche nicht vormittags trainieren.“

Gedinger wünscht sich zweite Normhalle

Nicht nur Tribelnig setzt daher auf den geplanten Schulcampus, für den mittlerweile der Architektenwettbewerb läuft und der eine Dreifachturnhalle beherbergen soll. „Damit sind nicht alle Probleme gelöst, aber ein Großteil der Wünsche der Vereine kann damit erfüllt werden“, ist Sportstadtrat Kornelius Schneider überzeugt. Aktuell gibt er zu: „Wir sind sicher nicht ausreichend bestückt.“ Bis zur Campus-Umsetzung müssen sich die Vereine weiter in Geduld, Kooperation und Improvisationskunst üben.

Beim UHC Hollabrunn trainieren derzeit nur die Bambinis und die U9 im Turnsaal des BG, alle anderen Teams in der Weinviertel-Arena. Der Grund ist einfach: Ab der U10 wird auf dem großen Feld gespielt.

Die Zusammenarbeit mit der Schule funktioniert. „Aber sollte unser Verein weiter wachsen, insbesondere im Kinder- und Jugendbereich, werden wir mehr Trainingszeiten brauchen“, weiß Manager Gerhard Gedinger, der sich ebenfalls eine zweite Normhalle für Ballsportarten in Hollabrunn wünscht. Für einen professionellen Trainingsbetrieb sei diese unerlässlich.

„Ich bin selber Sportlehrerin und begrüße es, wenn die Menschen sportliches Interesse zeigen“, bestätigt BG/BRG-Direktorin Jutta Kadletz die funktionierende Zusammenarbeit mit den Vereinen. Nur in den Ferien bleibt die Schule geschlossen, da in dieser Zeit die Kontrollen sowie die Reinigung nicht gewährleistet werden können. Ansonsten seien Vereine nach dem Regelunterricht oft bis 22 Uhr durchgehend auf der Gym-Anlage, auch am Wochenende.

„Der Bedarf ist auf alle Fälle gegeben“

Direktorin Ingrid Lehner-Pfenningbauer vom Erzbischöflichen Gymnasium in Hollabrun reagiert ebenfalls aufgeschlossen. Mehrere Sportvereine nutzen die Schulsportanlagen regelmäßig und zahlen dafür einen Mietpreis, bei dem allfällige Reinigungskosten inkludiert sind. „Grundsätzlich haben wir bisher nur positive Erfahrungen damit gemacht. Wir möchten uns als Schule nicht verschließen, im Gegenteil, da wir ein Interesse an funktionierender Kooperation sowie der sportlichen Aktivität und dem Engagement des Nachwuchses haben.“

Ähnliche Töne gibt es aus Retz: „Der SC Retz, die Musikschule und einige Anbieter privater Sportkurse nutzen die Turnsäle sehr intensiv mit“, weiß Alois Binder, der als Schulobfrau-Stellvertreter die Mittelschulgemeinde vertritt.Noch diese Woche soll übrigens entschieden werden, den Stundensatz von 13 Euro nach vielen Jahren zu erhöhen.

„Der Turnsaal ist sehr begehrt und schon größtenteils ausgebucht. Jeder, der Interesse hat, kann sich aber bei uns melden und diesen anmieten“, ist man in Retz flexibel. Möglich sei das allerdings nur während der Schulzeit. „In den Ferien war bisher kaum Bedarf und wäre es natürlich bezüglich der Reinigung und dem Heizen schwieriger“, erklärt Binder. Ein eigener Sachbearbeiter, kümmere sich um die Koordination und Abrechnung für die Schulgemeinde.

Die Turnhalle der NMS Ravelsbach wird vor allem im Winter durch den Sportverein fürs Fußballtraining genutzt. Diverse andere Veranstaltungen hält hier der Verein Sport.Leben gegen Entgel ab. „Der Bedarf ist auf alle Fälle gegeben“, weiß Vizebürgermeister Josef Kaltenböck. „Sport.Leben würde auch während des Tages Platz brauchen, aber der schulisch Bedarf geht natürlich vor.“

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