Hollabrunns Parteien im Wahlkampf-Finish. Am Sonntag geht es um 11.640 Mandate in Niederösterreich. 37 davon werden in Hollabrunn vergeben.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 22. Januar 2020 (05:13)
„Das sind unsere Jahre!“: Bürgermeister AlfredBabinsky wurde von seinem ÖVP-Team abgefeiert.
Gschwindl

Exakt 7.000 Hollabrunner gaben 2015 ihre Stimmen ab. Das bedeutete eine Wahlbeteiligung von nur 62,86 Prozent. Am Sonntag gibt es die Gelegenheit, diese Zahl wieder nach oben zu schrauben. Die Hollabrunner NÖN schaute sich an, was den Parteien in den letzten Tagen noch wichtig war.

ÖVP, aktuell 23 Mandate

Nach dem Besuch von Bundeskanzler Kurz ließ die Volkspartei eine weitere Veranstaltung folgen: Im Stadtsaal wurden alle Kandidaten sowie das Personenkomitee „Wir für Fred Babinsky“ vorgestellt. In Kurzinterviews sprach Gemeindeparteiobmann Alexander Rausch über die Begeisterung im gesamten Team, Vizebürgermeister Kornelius Schneider über die bevorstehende Umsetzung des Schulcampus-Projekts sowie Patric Scheuer und Marlis Schmidt über die gestiegene Motivation bei jungen Menschen, sich politisch zu engagieren.

Seitens des Komitees erzählten Erwin Bernreiter, Franz Hofmann, Wolfgang Traindl und Susanne Davies über ihre Beweggründe, den Bürgermeister zu unterstützen. „Er hat einen gesunden Menschenverstand und das Herz am rechten Fleck“, lautete etwa das ärztliche Kommuniqué der Primaria des Landesklinikums. Babinsky dankte für den breiten Rückhalt, skizzierte die wichtigsten Zukunftsprojekte für Hollabrunn (insbesondere die „Living City“ in der Fußgängerzone) und spornte seine Anhänger für die letzten Tage bis zur Wahl an: „Das Wichtigste ist eine hohe Wahlbeteiligung. Daran müssen wir arbeiten und die Menschen persönlich ansprechen, sich an dieser Zukunftsentscheidung für Hollabrunn zu beteiligen.“

Umrahmt wurde der von Clemens Reinsperger moderierte Abend durch ein Video über den Kanzler-Besuch, von Markus Hackl und Georg Ihm stimmungsvoll interpretierte Austropop-Songs sowie das auf Fred Babinsky umgetextete Lied „Was für eine geile Zeit“ von Ben Zucker, das zum Abschluss von allen Kandidaten sowie den 300 Gästen begeistert mitgesungen wurde: „Das sind unsere Jahre!“

SPÖ, 6 Mandate

SPÖ-Spitzenkandidat FriedrichDechant: „Gute Ideen sollen umgesetzt werden, egal, von wem sie kommen.“
Enzmann

„Wir haben sechs Mandate, die wollen wir wieder erobern; wenn wir eines dazu bekommen, würde es mich freuen“, formulierte Spitzenkandidat Friedrich Dechant das Ziel. Die Roten präsentierten im Wahlkampf ihre Visionen, zu denen ein Hallenbad und ein lebenswerter Hauptplatz zählen. Es gelte, dafür die Ärmel hochzukrempeln „statt bestehende Missstände zu verwalten“. Klubsprecher Alexander Eckhardt unterstrich unter anderem, dass das Zentrum von Breitenwaida eine Freizeit- und Veranstaltungsfläche bleiben müsse.

Am Donnerstag, 23.1., gibt es einen großen Wahlkampfabschluss der SPÖ-Kandidaten mit dem Nationalratsabgeordneten Max Lercher – bei Bier, Spritzer und Würstel im Feuerwehrhaus Raschala (18 Uhr).

FPÖ, 6 Mandate (wobei 4 von der abgespalteten Liste Scharinger und eines von Neo-ÖVP-Kandidat Johann Mareiner besetzt sind):

Die Freiheitlichen waren zuletzt in wohltätiger Mission unterwegs. Spitzenkandidat Christian Lausch, Stadtparteiobmann Michael Sommer sowie Alvin C. Jones, Veronika Sterba und Gabriele Miklos übergaben dem Verein „die möwe“ im Kinderschutzzentrum in Mistelbach einen Scheck über 1.000 Euro. Dieses Geld wurde in der Adventzeit mit dem FPÖ-Ausschankwagen gesammelt.

FPÖ sozial: Christian Lausch übergab mit seinem Team 1.000 Euroan die Kinderschutzorganisation „die möwe“.
FPÖ

Lausch will die Wähler bis zum letzten Tag in persönlichen Gesprächen überzeugen, wie wichtig die FPÖ für Hollabrunn ist. Man habe „die ÖVP in den letzten Jahren ein bissel demokratischer gemacht“. „Ich habe in den letzten fünf Jahren 23 Anträge eingebracht, da bin ich allein besser als andere Oppositionsparteien, die sehr viel Showpolitik betreiben“, meint der FPÖ-Chef. Man könne nur mit Anträgen etwas verändern und zum Guten wenden.

Liste Scharinger, 4 Mandate

Nachdem die Grünen ihren Wunsch formuliert hatten, dass der Hollabrunner Wald unter der neuen Bundesregierung als Natura-2000-Gebiet deklariert wird, meldete sich dazu der von der SPÖ zur Liste Scharinger gewechselte Peter Tauschitz zu Wort. Er will sich für die Schaffung eines gemeindeübergreifenden Naturparks „Hollabrunner Wald“ einsetzen.

Der Vorschlag, den Hollabrunner Wald als Natura-2000-Gebiet unter Schutz zu stellen, sei gut gemeint. Zweckmäßiger wäre jedoch die Schaffung eines 24. Niederösterreichischen Naturparks zum Schutz des größten zusammenhängenden Eichenwaldes in Österreich unter Einbeziehung der Freizeitangebote wie Koliskowarte und Themenwege. „Es gibt zahlreiche und gut funktionierende Modelle, die sowohl Natur- und Landschaftsschutz als auch die regionale Wertschöpfung fördern“, sagt Tauschitz.

Am Gelände des aktuell brachliegenden Waldsportplatzes sollten Attraktionen wie ein Naturparkzentrum oder ein Generationenspielplatz errichtet werden, meint der Bürgerliste-Kandidat. Ziel müsse es sein, über das Naturpark-Projekt auch touristische Impulse in der Gemeinde zu setzen, die Wertschöpfung in der Region zu heben und die Lebensqualität zu sichern. Eine Idee, die Tauschitz bereits 2017 in der Diskussion um die Weiternutzung des ehemaligen ATSV-Platzes im Gemeinderat eingebracht hatte – und die er weiterverfolgen will.

Die Grünen, 2 Mandate

Spitzenkandidat Georg Ecker forderte mit seinem Team in den letzten Tagen unter anderem ein umfassendes Spielplatz-Konzept, Innovationen für die Ansiedlung junger Unternehmer sowie effektive Mietzuschüsse für Unternehmen im Zentrum. Hier müsse es seitens der Gemeinde eine enge Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den Unternehmern und Vermietern geben. „Wir müssen dieser Negativspirale etwas Positives und Schönes entgegensetzen“, fordert der Grünen-Frontmann zudem eine Begrünung der Fußgängerzone mit Bäumen und Blumen. „Die Innenstadt soll als Aufenthaltsraum erlebbar sein“, vermisst Kandidatin Gabriele Bodei ausreichend Gelegenheiten zum Verweilen.

Die Grünen betonen, mit Radbörse, Kinoveranstaltungen und Bastelständen am Wochenmarkt immer wieder Zeichen für die Belebung der Innenstadt gesetzt zu haben und wollen das in Zukunft verstärkt tun. Es sei ein Hauptanliegen, der wachsenden Stadt ein Zentrum der Kommunikation, einen Wohlfühlort zur kommunikativen Begegnung, zu bieten.