Hardegg untermauert Warnung vor Kürzung der Fördergelder

Erstellt am 02. Februar 2022 | 05:48
Lesezeit: 3 Min
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„Kappung sollte ganz abgeschafft werden.“ Maximilian Hardegg in einem seiner Biotope.
Foto: Philipp Horak
Unmut über das GAP-Programm für 2023 im Gut Hardegg. Kappung von Fördergeldern gefährde die biologische Vielfalt.
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Am 30. Dezember 2021, nach rund zweieinhalb Jahre dauernden Verhandlungen, wurde der EU-Kommission das neue GAP-Programm – GAP steht für „Gemeinsame Agrarpolitik“ – für Österreich ab 2023 vorgelegt. Vielen landwirtschaftlichen Betrieben sichern die Förderungen das Überleben. Doch Maximilian Hardegg, Gutverwalter in Großkadolz, ist gar nicht erbaut über das neue Programm.

„Es stehen rund 1,6 Milliarden Euro pro Jahr direkt für unsere bäuerlichen Familienbetriebe zur Verfügung. Das sind um 365 Millionen Euro in der gesamten Periode mehr als in der Vorperiode – also so viel wie noch nie zuvor“, verkündete ÖVP-Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger.

Acht Prozent der landwirtschaftlichen Flächen für Renaturierung

Dennoch sind viele über die Entscheidungen der neuen Agrarpolitik ab 2023 nicht erfreut, sondern sogar besorgt. Vor allem Betriebe mit großer Wirtschaftsfläche sehen sich deutlich benachteiligt. Dazu zählt das Gut Hardegg in Seefeld-Kadolz, das in den letzten Jahren viele Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität verwirklicht hat, darunter die Renaturierung der Pulkau, Imkerei, die Schaffung von Blühstreifen und Beetle Banks für Insekten, Feldvögel und Niederwild oder die Einrichtung von Ruhezonen und Wildbrücken, Biotopen und Brutplätzen.

Insgesamt sind hier rund acht Prozent der landwirtschaftlichen Flächen der Renaturierung gewidmet. Dafür hat das Gut Hardegg jährlich rund 250.000 Euro – ohne die Lohnkosten der 40 Mitarbeiter – aufgewendet. An Zuwendungen aus der GAP-Förderung wurden laut Transparenzdatenbank letztes Jahr 878.288 Euro lukriert.

„Ohne Basisprämie sind Aktivitäten nicht möglich“

„Mehr Fläche nachhaltig zu bewirtschaften ist um ein Vielfaches mehr Arbeit, zahlt sich aber für Artenvielfalt, Biodiversität und Tierwohl aus. Als großer Betrieb habe ich vergleichsweise mehr positive Umweltwirkung und kann mit meinen Biodiversitätsflächen für mehr Klimaschutz sorgen, als es viele kleine verstreute Landwirte zu tun vermögen“, sagt Maximilian Hardegg und betont: „Mit unserem Betrieb geben wir unsere Umwelt-Expertise im Sinne der Gesellschaft weiter, wie etwa bei der jährlichen Singvogelschulung und -zählung, an der 2021 österreichweit über 200 Vogelfreunde teilnahmen.“

Weiters unterhält das Gut Hardegg einen Lehrbetrieb für Betriebsnachfolger. „Ohne die Basisprämie, die ja alle bekommen sollten, kann ich diese Aktivitäten nicht aufrechterhalten“, klagt Hardegg. Hier gehe es um eine Kappung von 100.000 Euro, die das eingereichte GAP-Programm für 2023 mit sich bringt.

So blickt das Gut Hardegg – und mit ihm noch 44 andere Großbetriebe in Österreich – besorgt in die Zukunft und bangt um den weiteren Ausbau von umfassenden Biodiversitätsmaßnahmen, die gerade für die EU-Klimaziele so wichtig wären. Daher fordert Maximilian Hardegg im Rahmen des parlamentarischen Begutachtungsprozesses eine Korrektur der nationalen GAP-Strategie und zumindest die Anrechenbarkeit von Lohnkosten. „Mittelfristig sollte die Kappung ganz abgeschafft werden, sie bringt nur unwürdiges Neiddenken.“

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