Konzept: Vier Säulen für die Landwirte. Maximilian Hardegg will Artenvielfalt mit bestimmten Taten fördern und eine Bewegung forcieren.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 15. Juli 2018 (03:43)
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Maximilian Hardegg mit seinem Konzept.
Karin Widhalm

Die Ähre trägt weniger Körner, weil ihr Wasser fehlte. Rauchschwaden hängen in Tälern, denn die Winzer wollen den Spätfrost mit Räuchern vertreiben. Der Hagel lässt eine Spur der Verwüstung zurück. Kaum ein Jahr vergeht ohne Meldungen dieser Art, manchmal treten sie gehäuft auf.

„Das sind keine Ausreißer mehr“, ist Maximilian Hardegg überzeugt. Jetzt gerade trete der Umstand auf, dass die Fauna der Flora hinterher hinkt. Nachkommen der Vögel kamen wegen der Kälte verspätet, dann ließ die aufploppende Wärme die Pflanzen regelrecht in die Höhe schießen. Das führt dazu, dass der Mensch der Tierwelt gerade in die Quere kommt.

Die Vögel brüten noch in den erntereifen Feldern, zugleich fährt der Mähdrescher durch. Der Landwirt könne nicht warten, dass würde herbe Verluste für ihn bedeuten. Er kann aber an anderen Stellen aktiv werden, sagt Hardegg.

Hardegg rief „Bunte Landwirtschaft“ ins Leben

Der Chef der Gutsverwaltung in Seefeld-Kadolz rief die Initiative „Bunte Landwirtschaft“ ins Leben und will damit einen Impuls geben. Er will Branche und Politik zum Umdenken bewegen. Sein Rezept: Der Vielfalt in der landwirtschaftlichen Struktur einen Schubs geben. Die Landnutzung hat sich im letzten Jahrhundert so sehr intensiviert, dass der Natur kaum Platz zwischen Bewirtschaftung und Verbauung bleibt. Das zeige im Besonderen der Vogelbestand.

Vier Säulen gelten: Bewirtschaftungsmaßnahmen, Fütterung, Verbesserung und (viertens) Betreuung des Lebensraumes. Die Fruchtfolge müsse vielfältig, eben „bunt“, sein; davon profitieren Wildtiere und Singvögel. „Raps und Körnererbse sind interessant für die Bienen“, führt Hardegg ein Beispiel an. Sorghum (die Hirseart mag Trockenlagen) bietet Futter und Schutz für Wildtiere, während Vögel in Feldern mit Gerste und Weizen brüten.

Mehr „Struktur“ in einem Großbetrieb

25 Hektar hat ein Feld in der Gutsverwaltung durchschnittlich, durchaus üblich für solch große landwirtschaftliche Betriebe. Die Zahl ist dennoch ein

Ausreißer nach oben im Bezirk Hollabrunn, der grundsätzlich kleinstrukturierter auftritt. Die Bauernkammer schätzt die durchschnittliche Feldgröße in kommassierten Gemeinden (ungefähr die Hälfte) auf drei Hektar, in nicht-kommassierten sogar auf unter einem Hektar.

Hardegg kann dennoch ein wenig „Struktur“ in die Kulturlandschaft bringen: Die Sämaschine wird während ihrer Fahrt auf dem Acker ab und zu aufgehoben. Hintergedanke ist, dass auf der quadratischen Fläche der Kiebitz Platz zum Brüten findet. „Das kostet im Ertrag überhaupt nichts“, so Hardegg.

Er legt Brutflächen mit der violetten Luzerne oder Blumenwiesen für Insekten und Wildtiere an. Stoppeln der Ähren werden nach dem Dreschen nicht gleich eingeackert.

Wildtiere werden gefüttert, ganzjährig ein bis drei Prozent der Erntemenge. Die Vögel stürzten sich auf Kornmischungen, Rüben werden zur Abfederung des „Ernteschocks“ ausgestreut. Und es geht Hardegg um wiederkehrende Fragen: Erhalte ich die Böschung oder nicht? Lege ich ein Biotop an oder nicht?

Der Betrieb umfasst eine fast zusammenhängende Fläche von Seefeld bis Zwingendorf. Hardegg sieht das als Vorteil: Bäume und Streuobstwiesen werden bewusst angelegt, um die Winderosion zu hemmen. Fluss-Böschungen werden nicht abgemäht. Biotope fangen das Wasser nach hohen Niederschlägen auf und speichern es. „Plötzlich wird die Größe nicht mehr negativ gesehen“, lächelt Hardegg.

Ein Konzept für die EU-Ratspräsidentschaft

„Das ist eine Vielzahl von kleinen Maßnahmen. Die Idee wäre, dass da eine Bewegung losgeht.“ Er habe sein Konzept an Generalsekretär Josef Plank aus dem Nachhaltigkeitsministerium in Hinblick der beginnenden EU-Ratspräsidentschaft Österreichs übergeben. Denn, wie eine Studie ergab: Die Landwirte sehen sich mit bürokratischen Hürden konfrontiert. Man müsse ihnen das freiwillige, eigenverantwortliche und selbstevaluierende Arbeiten ermöglichen.