Mann (38) meldete Mord an sich selbst. „Mir ging es wirklich dreckig“, erklärte Angeklagter, warum er Jufa-Zeche prellte.

Von Sandra Frank. Erstellt am 23. Juli 2020 (03:36)
Bezirksgericht Hollabrunn
NÖN-Archiv

Ein 38-Jähriger aus dem Bezirk Krems hat Ende Oktober 2019 in zwei Hotels Zimmer bezogen und bei seinem Auszug die Zeche geprellt. Dem Jufa-Hotel in Seefeld-Kadolz entstand so ein Schaden von 466 Euro. Dem Hotel-Gasthof Stich in Manhartsbrunn (Bezirk Mistelbach) schuldet der Angeklagte 364 Euro. Er will die Beträge zurückzahlen.

„Sie mieten sich ein, konsumieren fleißig und zahlen nix“, fasste Richter Erhard Neubauer zusammen. Wie es dazu kam? „Es tut mir leid. Mir ging es damals wirklich dreckig. Ich war obdachlos“, wusste der 38-Jährige keinen anderen Ausweg.

Ihm wurde außerdem ein weiteres Vergehen angelastet: das Vortäuschen einer mit Strafe bedrohten Handlung. „Sie haben so getan, als wäre jemand ermordet worden, nämlich Sie selbst“, schüttelte Neubauer den Kopf darüber, dass der Angeklagte ein E-Mail mit entsprechendem Inhalt an die Polizei geschickt hatte. „Ich war damals verwirrt und habe keine Zukunft für mich gesehen“, erklärte der Angeklagte.

Jetzt sei er aber auf einem guten Weg. Er habe eine neue Lebensgefährtin, einen neuen Job und sei in Therapie. Die Schulden an die beiden Hotels will er zurückzahlen, „aber in Raten“.

„Ich tauch’ nicht mehr unter und zahl’ sicher“

„Die Voraussetzungen für eine Verurteilung liegen vor“, betonte der Richter: Eine Diversion – Bußgeld ohne Verurteilung – sei ebenfalls möglich, da der Angeklagte bisher unbescholten war. Was Neubauer aber missfiel: Der 38-Jährige war monatelang untergetaucht und für die Justiz nicht greifbar erst als er in Krems gemeldet war, konnte die Ladung für die Gerichtsverhandlung durch die Polizei zugestellt werden. „Ich tauch’ nicht mehr unter, ich zahl’ das sicher“, versprach der Angeklagte, der jetzt sein Leben neu beginnen will.

„Ich glaube an das Gute in Ihnen“, räumte Richter Neubauer schließlich ein. Der 38-Jährige muss lediglich Pauschalkosten in Höhe von 70 Euro zugunsten der Republik bezahlen, bekommt während der einjährigen Probezeit einen Bewährungshelfer beigestellt und hat bis Ende März 2021 Zeit, seine Schulden bei den Hotels zu begleichen. „Wenn Sie nicht zahlen, sehen wir uns hier wieder – und dann gibt’s eine Verurteilung“, machte Neubauer klar, dass der Angeklagte nicht noch einmal so glimpflich davonkommen werde.