Nach Vandalismus: Waldspielplatz am Prüfstand. Bürgermeister Martin Reiter sperrte Spielplatz, den Ferdinand Mayer mit allem Herzblut geschaffen hat, aus Sicherheitsgründen. TÜV-Prüfung soll Klarheit bringen.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 29. Oktober 2020 (04:26)
Der Patergraben war für Bürgermeister Martin Reiter bereits als Kind ein Erlebnis. Jetzt müssen die Geräte am Waldspielplatz vom TÜV überprüft werden.
Franz Enzmann

Robinson Crusoe und Pippi Langstrumpf hätten dort sicherlich auch ihren Spaß gehabt: Der Waldspielplatz in Sitzendorf an der Schmida ist eine abenteuerliche Abwechslung zu herkömmlichen Spielplätzen: Mitten im Patergraben können Kinder auf naturbelassenen Spielgeräten klettern, rutschen, schaukeln und noch vieles mehr.

Gestaltet wurde der Spielplatz von Ferdinand Mayer, „er hat sein ganzes Herzblut ins Erlebnisparadies hineingesteckt und mit viel Liebe und Engagement viel für unsere Gemeinde gemacht“, erzählt Bürgermeister Martin Reiter. Wäre da nicht ein Problem: Der Spielplatz wurde nie vom Technischen Überwachungsverein (TÜV) geprüft.

„Die Leute haben sich bei mir beschwert und gemeint, dass ich den Spielplatz wieder herrichten muss.“Martin Reiter, Bürgermeister in Sitzendorf

Ein Blick zurück: Der Dorferneuerungsverein Sitzendorf hat vor etwa acht Jahren den Patergraben favorisiert, um einerseits einen Erholungsraum für Senioren und andererseits einen Spielplatz für Kinder zu schaffen. „Der Patergraben war für mich schon als Kind ein Erlebnis“, berichtet der Bürgermeister. Ferdinand Mayer, ehemaliger Reitstallbesitzer, hat sich des Projekts angenommen und den Waldspielplatz gebaut: „Er hat alles selbst gemacht, von den Schaukeln bis hin zu einer Hängebrücke. Er hat alles auf eine natürliche Art und Weise gestaltet“, erzählt Reiter über den unlängst verstorbenen Mitbürger.

Anfang Oktober berichtete der ORF Niederösterreich über den Waldspielplatz im Patergraben. „Das hat Wellen geschlagen. Ab dem Zeitpunkt war der Spielplatz kein Geheimtipp mehr“, weiß der Bürgermeister.

Ein paar Tage später wurde das Kinderparadies von unbekannten Tätern demoliert. Kaputte Spielgeräte, umgefallene Bäume und herumliegende Äste waren die Folgen des Vandalismus. „Da der Waldspielplatz nicht der TÜV-Norm entsprochen hat, habe ich Angst bekommen; schließlich bin ich am Ende des Tages dafür verantwortlich, wenn irgendetwas passiert“, schildert der Bürgermeister, warum er das Gelände am 16. Oktober sperrte.

Der beliebte Waldspielplatz entspricht nicht der TÜV-Norm, bis auf Weiteres ist er deswegen gesperrt.
Franz Enzmann

Normalerweise werden herkömmliche Spielplätze regelmäßig vom TÜV auf mögliche Schäden und Verschleiß kontrolliert.

Auf die Sperre folgten Beschwerden: „Die Leute sind ins Gemeindeamt gekommen, haben sich bei mir beschwert und gemeint, dass die Gemeinde den Spielplatz nach dem Vandalismus wieder herrichten muss“, erläutert Reiter. Er wünschte sich aber, dass auch die Eltern der Kinder Initiative ergreifen, um den Spielplatz zu erhalten.

Über Facebook organisierte sich eine Gruppe von freiwilligen Helfern, die den Patergraben am 18. Oktober auf Vordermann brachte.

„Ich bedanke mich für die Aktivitäten und hoffe, dass der Patergraben für die Bevölkerung weiterhin einen hohen Stellenwert hat und uns auch in Zukunft erhalten bleibt“, wendet sich der Bürgermeister an die Bewohner Sitzendorfs.

Jetzt möchte er gemeinsam mit dem TÜV den Spielplatz überprüfen und entscheiden, welche Geräte bleiben dürfen, um die Sicherheit der Kinder zu wahren.