Obermarkersdorf: Bürgermeister-Sessel wird 2019 frei. Alfred Schuster spricht über Schwerpunkte, die Anhebung einer Gebühr und seinen Rückzug aus dem Rathaus.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 02. September 2017 (06:04)
Karin Widhalm
Bürgermeister Alfred Schuster mit Elena Wingelhofer sowie Amely und Sofia Neuwirth am Spielplatz, dahinter blinzeln die eben eröffneten Reihenhäuser in Schrattenthal hervor.

2008 übernahm Alfred Schuster das Amt des ÖVP-Bürgermeisters von Werner Grolly und wirkte fast zwei Perioden in der Stadtgemeinde Schrattenthal. Das Sommergespräch im Rathaus Obermarkersdorf drehte sich nicht nur um die Pläne der nächsten 2,5 Jahre, sondern auch über seinen geplanten Rückzug aus der Lokalpolitik.

NÖN: Welche Pläne verfolgen Sie für die Zukunft?

Alfred Schuster (zeigt einen Plan): Schau mal ... Wir planen einen Wohnblock mit sechs Wohnungen und drei Doppelhäuser in Schrattenthal und es schaut gut aus, dass das umgesetzt wird. Fünf Bauplätze sind zwischen diesem Projekt und den erst eröffneten Doppelhäusern vorgesehen.

Wichtig ist mir, dass wir doch einige Wohnungen haben – für die Jungen. Sie sind noch nicht bereit, in ein Haus oder Reihenhaus zu ziehen. Wir möchten sehr flexibel sein, sodass wir jedem etwas anbieten können.

Wichtig ist uns die Erweiterung des Wohnungsangebotes und der Siedlung. In Waitzendorf sind wir kurz vor der Erschließung; mittelfristig ist Obermarkersdorf in Richtung Obernalb oder Pillersdorf im Gespräch. Die Gemeinde besitzt dort Grundstücke, allerdings ist die Fläche noch zu klein.

Wir wollen mehr auf E-Mobilität setzen

Kämpft Schrattenthal mit einer Abwanderung?

Dadurch, dass wir regelmäßig Wohnungen anbieten, ist die Zahl sogar positiv. Zwei Drittel bestehen aus Zuzug, ungefähr ein Drittel stammt aus der eigenen Gemeinde, wenn man sich zum Beispiel die zwölf zuletzt gebauten Reihenhäuser ansieht. Das ist sehr wichtig, um die Infrastruktur erhalten zu können – etwa den Kindergarten. Obermarkersdorf und Schrattenthal sind gut ausgebucht.

Warum kommen die Menschen hierher?

Die Frage stelle ich selbst gern, zuletzt bei der Eröffnung der Reihenhäuser: Wegen der Ruhe und der Schönheit, die viele Grünfläche. Das zieht die Leute an. Sie wissen das zu schätzen. Und mit dem Namen sind sie auch zufrieden: „Am Fasangarten“ (lacht). Ist einmal etwas anderes.

Welche Schwerpunkte werden noch gesetzt?

Nachhaltigkeit war schon immer ein Thema. Wir wollen mehr auf E-Mobilität mit einer Elektrotankstelle in Obermarkersdorf setzen, eventuell beim Gemeindeamt oder am Kaiserplatz. Der Bauhof könnte dann ein Elektrofahrzeug bekommen. Alle Straßenlaternen sollen auf LED umgestellt werden: Wir errechnen gerade, wie groß die Ersparnis ist und ab welchen Zeitpunkt sich das Projekt rechnen wird.

Wir wollen den Rathaussaal sanieren, auch akustisch, und eine behindertengerechte WC-Anlage, die auch öffentlich zugänglich sein soll, bauen. Das war ein großer Wunsch, weil Touristen und Radfahrer zu uns kommen. Die Winzer betreuen ja auch die Radlerraststation in Obermarkersdorf.

Wie läuft die Radlerrast? Gibt’s Probleme?

Ich habe von den Winzer bisher gehört, dass es ganz nett angenommen wird und dass es keine Probleme gibt. Wir hören auch keine Beschwerden, dass es zu laut wäre oder Jugendliche alles plündern. Die Radlerrast ist auf jeden Fall eine Bereicherung.

Gibt‘s weitere Pläne?

Der Straßenbau wird weiterverfolgt. In Schrattenthal wird ein Waschplatz errichtet. Da müsste gerade die Platte betoniert werden. Beiträge werden landwirtschaftliche Betriebe und Haushalte leisten. Die Bürger können das Wasser zum Autowaschen oder Gartengießen verwenden. Der Maschinenring beteiligt sich wegen der Lesemaschinen auch.

Das größte Projekt ist die Kläranlage, wo Pumpwerke gebaut werden und ein Kanalstrang ausgewechselt werden muss. Wir sind gerade bei der wasserrechtlichen Prüfung. Das wird sehr viel diskutiert, wir werden demnächst mit einem Informationsschreiben rausgehen.

Müssen Gebühren erhöht werden?

Wir werden sie nicht erhöhen, sondern anpassen (lacht): Es wird nicht ohne gehen. Wir werden uns aber genau ansehen, was besser und umsetzbar ist. Wir wollen die Bevölkerung nicht überfordern.

Wie sieht die Finanzlage aus?

Wir haben wieder einen kleinen Überschuss, sodass wir uns einige Projekte leisten können.

Stehen kleinere Gemeinden wirtschaftlich besser da?

In kleineren Gemeinden kann sich die Bevölkerung besser mit der Gemeinde identifizieren. Sie setzen mehr Eigeninitiativen. Der Erhalt ist leichter. Und wir bauen keine unnötigen Prestigebauten. Wenn wir investieren, dann investieren wir für die Zukunft.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der SPÖ?

Sehr gut. Das meiste wird im Vorfeld ausgesprochen. Jeder will das Beste für die Gemeinde, da wird kein politisches Kleingeld produziert.

Werden Sie Bürgermeister bleiben?

Nein. 2019 ist für mich die Deadline. Das habe ich schon 2015 verkündet, dass ich nur zwei Perioden vorhabe.

An wen wird das Amt übergeben?

An den, den wir bis dorthin ausgewählt haben (lacht).

Gibt’s keinen Kandidaten?

Es gibt mehrere Kandidaten. Die offiziellen Gespräche werden aber erst geführt.