Marihart packt ein letztes Großprojekt an. Pulkaus Bürgermeister denkt an Rückzug, ohne die Hände in den Schoß zu legen. Er spricht über die Zukunft der Stadt und der Region.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 04. August 2017 (05:32)
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2016 feierte Manfred Marihart mit seiner Frau Annemarie seinen 60er im Pöltingerhof – mit einer „NÖN-Weinrebe“.
Franz Enzmann

Er befindet sich in seiner letzten Bürgermeister-Periode: Manfred Marihart will das Zepter jüngeren Händen reichen. Bis dahin verfolgt der 61-Jährige ein für ihn wichtiges Anliegen weiter.

NÖN: Der Brückenplatz mit Nahversorger und Wohnungen in der vorherigen Periode, jetzt der Pulkautalerhof mit Proberaum und Gasthaus: Ist die Belebung des Stadtkerns ein Schwerpunkt?

Manfred Marihart: Auf alle Fälle! Das Projekt „Pulkautalerhof“ ist eine große Geschichte. Wir haben am 1. September ein Finanzierungsgespräch mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und sind guter Dinge. Geplant sind ein Proberaum für die Musik, die Chorvereinigung und den Männerchor sowie ein Lagerraum für den Kameradschaftsbund. Zwei Architekten – der Gemeinderat hat sich für Maurer aus Hollabrunn entschieden – haben ihre Kostenberechnung abgegeben: Wir sind bei drei Millionen Euro. Da sind wir im sicheren Bereich, teurer wird’s nicht. Ich gehe davon aus, dass wir die üblichen Förderschienen anzapfen können. Die Schwierigkeit wird eher sein, einen geeigneten Wirt zu finden.

Aber es gibt Interessenten?

Es gibt einige Interessenten und darunter welche, die man durchaus ernst nehmen kann. Das finde ich sehr positiv. Wir reden mit jedem, der kommt. Schön wäre es, wenn der künftige Wirt auch bei der Planung mitgestalten könnte und nicht alles vorgegeben ist.

Warum ist eine Belebung des Stadtkerns so wichtig?

Wir müssen unsere Zukunft mehr auf den Tourismus legen: Der Erholungsraum wird bedeutender werden. Dass Burnout-Erkrankungen mehr werden, ist ein Zeichen dafür. Der viele Druck belastet. Da braucht’s Rückzugsgebiete und dafür braucht’s wiederum eine Infrastruktur. Dass wir diese erhalten können, dafür brauchen wir eine gewisse Anzahl von Hauptwohnsitzern. Die Zahl hält sich stabil, aber weniger dürfen’s bei uns nicht werden.

„Was wir dringend brauchen, ist der Ausbau des Breitbandinternets“

Was sollte touristisch passieren?

Die Infrastruktur am Wochenende ist in Ordnung, aber von Montag bis Donnerstag haben wir ein Problem in der ganzen Region. Die Landesausstellung (Anm.: Retz will sich mit Znaim für 2021 bewerben) würde einen Riesenimpuls geben. Ich glaube, dass viel Potenzial in Tschechien liegt. Brünn ist nicht weit weg, Prag liegt näher als Salzburg. Und die Tschechen zeigen schon jetzt Interesse an unserem Gebiet.

Wo fehlt’s im ländlichen Raum?

Was wir dringend brauchen, ist der Ausbau des Breitbandinternets. Die Jugend könnte ein oder zwei Tage zu Hause arbeiten. Das Pendeln ist schon eine Herausforderung, zum Beispiel jetzt beim Schienenersatzverkehr. Ich hoffe auf die Auslagerung von Behörden weg vom Speckgürtel. Mitarbeiter könnten sich beim Arbeitsplatz ansiedeln. Das würde einen Impuls geben und das sieht auch der Masterplan für den ländlichen Raum so vor, der groß angekündigt wurde. Ich hoffe, dass da viel übrig bleibt. Die Straßenverbindung in Richtung Wagram sollte ausgebaut werden: Ich brauche 35 Minuten bis nach Grafenegg und dann 20 Minuten nach St. Pölten. Das sagt alles.

Stichwort Finanzausgleich. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Ein hohes Lob an den Gemeindebund. Das Team mit Mödlhammer, Riedl und Dvorak hat gute Arbeit geleistet. Wir merken es jetzt: Die Strukturhilfe bringt uns ein schönes Geld, mit dem man wirklich die Infrastruktur ausbauen kann.

Können Synergien mit Nachbargemeinden genutzt werden?

Wir arbeiten schon jetzt in Bauhofangelegenheiten mit Schrattenthal zusammen. Aber was das betrifft: Da muss man über den Schatten springen. Natürlich könnten in den Retzer-Land-Gemeinden – auch Hardegg – die Aufgaben aufgeteilt werden, aber ohne dass in einer Gemeinde allein die Zentrale steht. Da sind wir aber, das muss ich selbst zugeben, im Denken noch nicht so weit. Wir sind aber auf einem guten Weg.

Sie hielten sich mit Kritik an der ÖVP auf Bundesebene nicht zurück: Wie zufrieden sind Sie mit der jetzigen Entwicklung, die Sebastian Kurz eingeleitet hat?

Ich glaube, dass Sebastian Kurz den Nerv des Bürgers trifft und die Kandidatenfindung zeigt, dass er das, was er sagt, auch umsetzt. Dass sich das alles so positiv entwickelt, hätte ich mich vor drei Monaten nicht zu sagen getraut.

Sie werden bei der nächsten Wahl nicht wieder kandidieren?

Spätestens ein Jahr vor der nächsten Gemeinderatswahl werde ich alles ordnungsgemäß übergeben. Ich werde keine Namen nennen, aber wir haben ein paar gute Leute, denen ich den Job zutraue. Für die Übergangszeit wäre Vizebürgermeister Leo Ramharter eine Ideallösung. Ich bin zu dem Zeitpunkt 63 Jahre alt und, das muss man sagen, die Leistungsfähigkeit nimmt schon ab. Das fängt nicht nur beim Heimgehen an (lacht).

Wie schön ist der Job des Bürgermeisters?

Gut und wichtig ist, dass man nicht weiß, was auf einen zukommt. Da kann man sich noch so sehr darauf vorbereiten. Man muss den Leuten bereitwillig zuhören und dann Entscheidungen treffen. Die Perspektive sollte möglichst breit sein. Und die Kommunalpolitik sollte nicht parteipolitisch gesehen werden. Ich kann mich in Pulkau auf jeden Gemeinderat verlassen. Es geht alleine um den Bürger – und letztlich um uns und unsere Familien.