Sonnberg

Erstellt am 09. November 2018, 07:03

von Sandra Frank

Markus Dungl: Vom Kfz-Techniker zum Pferdetrainer. Markus Dungl hat seine Leidenschaft und sein Talent im Umgang mit Pferden entdeckt. Ohne Gewalt und Bestrafung arbeitet er erfolgreich mit den Huftieren.

Vertrauen und Respekt: Darauf setzt Markus Dungl im Umgang mit Pferden. „Wenn du es auf deiner Seite hast, will es dir gefallen und macht gerne, was du möchtest.“ Das zeigt er bei seinen Kursen vor.  |  Janet Thierschädl

Wer sieht, wie Markus Dungl mit Pferden arbeitet, der merkt schnell, dass der gebürtige Sonnberger es versteht, mit den Tieren zu kommunizieren. Ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass der 33-Jährige zuerst Kfz-Techniker lernte, dann Fahrzeugtechnik an der FH-Joanneum in Graz – wo er nun lebt – studierte und heute als Softwareentwickler sein Geld verdient.

Noch ungewöhnlicher, wenn man weiß, wie seine ersten Begegnungen mit Pferden verlaufen sind: „Ich hab‘ mich oft gewundert, was meine Schwester am Reiten findet“, erinnert er sich im NÖN-Gespräch daran, dass er als Kind seine große Schwester zum Reitunterricht begleitet hatte.

Aufgeben war keine Option

Erst viele Jahre später konnte seine Freundin, eine Pferdebesitzerin, in ihm die Faszination im Umgang mit den Tieren wecken. „Sie hat mit ihrem Pferd am Boden gearbeitet und ist dann einfach ohne Sattel und Zügel geritten.“ Da war es um den Sonnberger geschehen, er wollte mehr über „Natural Horsemanship“ wissen. „Mich hat brennend interessiert, was sie macht und warum das Pferd ohne Hilfsmittel bei ihr bleibt. Da wurde eine Leidenschaft in mir erweckt.“ Die Pferde begleiteten ihn durchs Studium, bei ihnen konnte er Kraft tanken.

Ein Pferdebesitzer wurde auf das Pferde-Mensch-Gespann aufmerksam – und bat um Hilfe im Umgang mit seinem eigenen Tier. „Und so ist es gewachsen“, sagt Dungl über sein zweites Standbein „Dungl Natural Horsemanship“. Heute gibt er selbst Kurse und trainiert Pferde – und deren Reiter. Den nächsten sogar im Weinviertel: Am 17. November in Groß Kadolz.

Der beste Lehrmeister des 33-Jährigen war allerdings kein menschlicher Trainer, sondern ein Stierkampfpferd, das er vor dem Schlachter rettete: „Dieses Pferd ging zuvor durch zahlreiche Hände.“ Dem Tier wurde sogar ein Gehirnschaden attestiert. Doch Dungl hatte Geduld und stellte fest: „Das Pferd ist ganz normal.“

Durch den Umgang mit seinem neuen Pferd habe er ganz feine Methoden entwickelt, um mit ihm zu arbeiten. „Dabei habe ich mir oft gedacht, dass die Herausforderung eine Nummer zu groß für mich ist“, erinnert sich der Pferdetrainer lachend. Aber aufgeben war keine Option.

„Pferde stehen am liebsten in der Herde und dösen vor sich hin.“Markus Dungl

Oft wird Dungls Tätigkeit belächelt, er wird erst dann um Rat gefragt, wenn das Tier für seinen Besitzer zum Problempferd geworden ist. Er weiß aus Erfahrung: Die sogenannten Problempferde sind meist die klügeren ihrer Art, die schnell lernen, wie sie ihren Kopf durchsetzen können oder welche grobe Herangehensweisen sie sich nicht gefallen lassen.

Bei seiner Arbeit verzichtet Dungl auf Gewalt und Bestrafungen. Er setzt auf positive Verstärkung. Die Belohnung für die Huftiere ist Ruhe und Frieden nach einer erfolgreichen Übung. „Pferde stehen am liebsten in der Herde und dösen vor sich hin.“ Dieses Wissen macht sich der Trainer zunutze.

Wichtig beim Umgang mit den Pferden sei neben beiderseitigem Vertrauen und Respekt, wie gut der Besitzer sein Pferd lesen kann. „Die Pferde versuchen auch, uns Menschen zu lesen. Nur leider passt unsere Körpersprache meist nicht zu dem, was wir von den Tieren wollen.“

Als gutes Beispiel nennt Dungl Landwirte, die früher ihre Pferde zur Arbeit am Feld einsetzten: „Sie konnten ihre Tiere sehr gut lesen, weil sie viel Zeit mit ihnen verbracht haben.“ Genau das, viel Zeit und Gefühl, seien der Schlüssel für eine harmonische Beziehung zwischen Pferd und Mensch. „Wenn du das Pferd auf deiner Seite hast, dann will es dir gefallen und macht gerne, was du möchtest.“