Coronajahr zum 20er: Selbst sind die Frauen. Hollabrunner Sozialprojekt „Luna“ stellt sich auf veränderte Bedingungen ein und produziert jetzt Mund-Nasen-Masken.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 16. April 2020 (05:34)
Ausreichend Abstand und mit Mundschutz, so haben (v.l.) Daniela Goldinger mit bald zu erwartendem Nachwuchs, Susanne Weber, Claudia Arany,Dilyara Kulagina und Silvia Wagner die Arbeit an den Mund-Nasen-Masken aufgenommen.
Luna Frauenbeschäftigungsprojekt

Eigentlich wäre 2020 ein Grund zur Freude für das „Luna“-Frauenprojekt, das seinen Sitz auf dem Brandstätter-Gelände hat. Denn vor 20 Jahren wurde diese Initiative von der Landesregierung und dem AMS ins Leben gerufen. Sie engagiert sich für die Wiedereingliederung von erwerbslosen Frauen in den Arbeitsmarkt.

Die Angebote reichten bisher von Änderungsschneiderei, Anbau von Produkten im eigenen Garten, Produktion von Senf und anderen Lebensmitteln sowie einem Vintage-Shop bis hin zu Bügelservice und Reinigung von Privathaushalten. Aber die Auswirkungen der Pandemie haben natürlich auch für dieses soziale Projekt Folgen. Mit der Umstellung der Produktionstätigkeit auf Mund-Nasen-Masken beweisen die Verantwortlichen nun Flexibilität. Der stellvertretende Leiter des Frauenbeschäftigungsprojekts, Manfred Weigel, ist für die Zukunft vorsichtig optimistisch.

NÖN: Welche unmittelbaren Maßnahmen haben Sie bei Ausbruch der Krise ergriffen?

Manfred Weigel: Da wir den normalen Regeln für Betriebe unterliegen, haben wir umgehend am 16.3. das Geschäft geschlossen. Zum Schutz unserer Mitarbeiterinnen wurden sämtliche Aktivitäten im Projekt auf Heimarbeit umgestellt.

Wie haben Sie die Zeit des „Shutdowns“ erlebt?

Weigel: Diese Zeit haben wir genutzt, um uns möglichst gut vorbereiten zu können. Desinfektionsmittel sowie Material für Mund-Nasen-Masken sind momentan sehr schwierig zu bekommen. Das Internet ist voll von unseriösen und überteuerten Angeboten– aber fündig wurden wir bei regionalen Betrieben wie der Schneiderei Maurer in Horn. Die Desinfektionsmittel stammen aus Guntramsdorf von der Firma Bluemind, die trotz der Krise ihr gesamtes Personal behalten hat. Die Betreuungsangebote an unsere Mitarbeiterinnen wurden über E-Mail und Telefon intensiv genutzt, und so ist es uns sogar gelungen, eine Transitmitarbeiterin erfolgreich in einen systemrelevanten langfristigen Job zu vermitteln.

Wie wird es für das Frauenprojekt – mit der vorsichtigen Öffnung – weitergehen?

Weigel: Wie viele andere kleine Geschäfte haben wir ab 14.4. wieder geöffnet und bieten selbstgemachte Mund-Nasen-Masken aus unserem Vintage-Stofflager an. Wir arbeiten seit einer Woche in der Schneiderei, um den Menschen im Bezirk diese Masken rechtzeitig zur Einführung der Tragepflicht in allen Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln anbieten zu können. Solange wir Masken nähen, sind allerdings noch die Änderungsschneiderei sowie das Bügel- und Reinigungsservice geschlossen. Auch das Schulbuffet in der HAK/HAS muss noch geschlossen bleiben.

Wird es in nächster Zukunft schwerer, die betreuten Frauen am Arbeitsmarkt zu vermitteln?

Weigel: Der Arbeitsmarkt nach der Krise wird nicht mehr viel mit jenem vor der Krise zu tun haben. Langzeitarbeitslosigkeit kann aus sehr vielen verschiedenen Gründen entstehen. Viele Frauen in unserer Hauptzielgruppe 50+ bringen sehr viel Berufs- und Lebenserfahrung mit und werden von dem Arbeitsmarkt nach der Krise profitieren können. Es wird verstärkt zuverlässige und erfahrene Mitarbeiterinnen brauchen. So traurig es momentan um die Wirtschaft steht, so werden nach den Beschränkungen auch wieder neue Betriebe an den Start gehen und vorhandene Betriebe den Vollbetrieb aufnehmen. Die Auswirkungen der fehlenden Berufspendler aus Tschechien müssen auch die Weinviertler Betriebe kompensieren.