Pflegenot im Schmidatal und keine Lösung

Erstellt am 03. August 2022 | 04:06
Lesezeit: 3 Min
Pflege Symbolbild
Foto: shutterstock.com/Africa Studio
Übergangsplatz für Vater zu finden, stellte sich für Tochter als unmöglich heraus.
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Man fühlt sich hilflos. Und auch verhöhnt. Eine Schmidatalerin (59) wandte sich an die NÖN, nachdem sie trotz intensiver Bemühungen keinen Übergangspflegeplatz für ihren Covid-kranken Vater (89) finden konnte. So ist sie gezwungen, den Vater selbst zu pflegen, ist aber mit den Kräften am Limit.

„Mein Vater wird – vielleicht – Ende September 90 Jahre alt. Wie viele in seinem Alter hat er eine Herzschwäche, Schrittmacher und zudem eine Lungenerkrankung. Seit März 2020 hat er wegen der Pandemie seine Wohnung nicht mehr verlassen. Betreut wurde er zwei bis drei Mal täglich von mir, der einzigen Angehörigen“, berichtet die Frau. Am 18. Juli fand sie den Vater morgens am Boden liegend im Badezimmer. Im Horner Spital wurde eine Corona-Infektion festgestellt.

„Offensichtlich fällt man ab einem gewissen Alter aus der Kategorie Mensch heraus.“ NAme Beruf

„Nach etwa eineinhalb Stunden teilte mir ein Arzt mit, man könne ihn unmöglich aufnehmen, man habe nur noch zwei Betten für Corona-Notfälle frei“, schildert die 59-Jährige. Nach einigem Flehen – sie sei körperlich gar nicht in der Lage, den geschwächten Vater zu stützen oder, im Falle eines Sturzes, gar aufzuhelfen – wurde der alte Mann aufgenommen und bis 27. Juli im Spital behandelt.

Der Frau wurde mitgeteilt, dass der Vater eine Überbrückungspflege brauche. Nachsatz: „Die bekommt er mit Corona eh nicht.“ Die Tochter habe seither mit elf verschiedenen Institutionen telefoniert. „Eine einzige Dame bei der BH Hollabrunn versuchte tatsächlich zu helfen. Alle anderen konnten weder helfen noch wusste jemand, wo man Hilfe bekommt.“

Vor der angekündigten Entlassung bat sie um eine Erhebung des Ct-Wertes des Vaters. „Das Ergebnis wurde mir am Entlassungstag, als er bereits zu Hause war, mitgeteilt: Der Wert betrug 16,5. Somit kam er kränker nach Hause.“

Ansteckung wäre fatal: Tag und Nacht mit Maske

Die Betreuung zuhause sei sehr belastend. Der 89-Jährige sei bei jeder Bewegung sehr kurzatmig. Die Tochter trägt Tag und Nacht Maske, da sie sich im selben Raum befindet. Mehr als eine Stunde traut sie sich nicht, ihn alleine zu lassen. Und: „Sollte ich krankheitshalber ausfallen, kann sich jeder ausrechnen, was dann passiert.“ Bei ihren Telefonaten hing die Frau in diversen Warteschleifen: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Ihr Anliegen ist uns wichtig“, hörte sie da. Ihr Resümee: „Offensichtlich fällt man ab einem gewissen Alter aus der Kategorie Mensch heraus.“ Sie könne sich nicht vorstellen, die einzige Betroffene zu sein.

Sowohl im Büro von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig als auch im Büro der für die Pflege zuständigen Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister wurde der NÖN bestätigt, dass eine Covid-Erkrankung kein Ausschließungsgrund für eine Übergangspflege sei. Es gebe lange Wartelisten und mit Corona habe sich die Lage verschärft, bestätigte ein Sprecher der Gesundheitslandesrätin.

Im Teschl-Hofmeister-Büro wurde eingeräumt, dass es bei der Entlassung eine unglückliche Kommunikation gab. Man bemühe sich intensiv um einen temporären Pflegeplatz für den Mann, auch wenn es natürlich sein könne, dass dieser Platz nicht gleich in den nächstgelegenen Einrichtungen sei.

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