SPÖ-Bauern: "Erntehelfer brauchen Perspektiven"

Erstellt am 07. Juni 2021 | 10:21
Lesezeit: 5 Min
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Die SPÖ stimmte dem neuen Landarbeitergesetz zwar zu, findet aber dennoch einige Kritikpunkte. Welche das sind, wie mehr Arbeitsplätze in der Landwirtschaft geschaffen werden können und wie die Sozialdemokraten das Fördermodell gern verändern würden, erzählten Ernst Wagendristel, der Vorsitzende der SPÖ-Bauern, und Franz Schnabl, Vorsitzender der SPÖ Niederösterreich, im idyllischen Heufurth (Gemeinde Hardegg). Dort gingen die beiden mit den Mangalitzaschweinen von Familie Eber auch auf Tuchfühlung.
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Ein eher ungewöhnliches Bild bot sich vergangenen Freitag in Heufurth: Franz Schnabl, Chef der SPÖ Niederösterreich und Landeshauptfrau-Stellvertreter, kletterte in einen Stall, um sich junge Mangalitzaschweine aus der Nähe anzusehen. Der Betrieb, der von Landesgeschäftsführer der SPÖ-Bauern, Patrick Eber, seiner Frau Bernadett und seinen Schwiegereltern bewirtschaftet wird, war Kulisse einer Pressekonferenz, bei der Schnabl und Ernst Wagendristel, Vorsitzender der SPÖ-Bauern, über die Situation der Landwirte und das neue Landarbeitergesetz sprachen.

Es gebe immer mehr Arbeitsplätze innerhalb der Landwirtschaft - österreichweit sind es etwa 35.000 – und der Lebensmittelindustrie. Dem neuen Landarbeitergesetz stimmte die SPÖ zu, „weil es grundsätzlich positiv ist“, wie Schnabl betonte. Dennoch beinhaltet es noch einige Punkte, die die Sozialdemokraten kritisieren: So gibt es in manchen Bereichen ein gesetzliches Verbot des Kollektivvertrags; der Zwölf-Stunden-Tag bleibt aufrecht und „Erntehelfer bekommen durch das neue Landarbeitergesetz kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld“, weiß Schnabl und meint: „Das ist nicht gerecht und nicht vertretbar.“

Erntehelfer sollen Perspektiven bekommen

Wagendristel würde gerne mehr Menschen in der Landwirtschaft ausbilden. Menschen, die als Erntehelfer einsteigen, sollen Perspektiven bekommen, später einmal Landarbeiter zu werden. Dann wären sie nicht nur für wenige Monate in einem Betrieb beschäftigt, sondern könnten mehreren Bauern unter einem Leitbetrieb fast das ganze Jahr über zur Hand gehen. Hier denken die Sozialdemokraten an die „Aktion 80.000“. Damit können viele Projekte umgesetzt und Langzeitarbeitslose wieder zurück in die Arbeitswelt geholt werden.

Als Beispiel nennt der LH-Stellverteter die Kinderbetreuung: In Niederösterreich gebe es in Kindergärten immer noch um die 30 Schließtage, in Wien sind es etwa sechs. Werden diese verringert und die Öffnungszeiten bis 18.30 Uhr ausgeweitet, könnten in Niederösterreich 1.200 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.

Auch in der Landwirtschaft könnten mehr Arbeitsplätze entstehen. Hier kommt Wagendristel auf den Erntehelfer zurück: „Man muss ihm eine Perspektive geben, etwas zu lernen.“ So könnte ihm etwa der Führerschein finanziert werden, schwebt dem Vorsitzenden der SPÖ-Bauern vor. Später könnte er den Facharbeiter machen und sich um Erntehelfer kümmern: „Er ist der Sprache mächtig und kann sich besser mit ihnen beschäftigen“, skizziert Wagendristel.

„Wir müssen die Arbeitsbedingungen unseren Standards anpassen“, pocht Schnabl darauf, dass das Arbeitsrecht für alle passen müsse.

"Die Landwirtschaft braucht Planbarkeit"

Ein großes Ziel sei es außerdem, dass die Förderung arbeitsintensiver Betriebe vor reiner Flächenförderung steht. Derzeit seien arbeitsintensive Betriebe, wie Obst- und Gemüsebetriebe sowie Tierhaltung, benachteiligt. Um das zu ändern, sollen die ersten 20 Hektar eines Betriebs anders gefördert werden, wenn es nach den SPÖ-Bauern geht. „Die Landwirtschaft braucht Planbarkeit, um wirtschaften zu können“, sagt Wagendristel, der selbst in einer Landwirtschaft aufgewachsen ist. Dass das System seit Jahren unter dem Motto „wachsen und weichen“ stehe, ist ihm ein Dorn im Auge. Er bemerkt aber auch: „Die Agrarindustrie geht bei uns langsam wieder zurück. Wir haben die Regionalität erkannt“, gehe es nun zumindest in die richtige Richtung.

Bei Förderungen müsse künftig genauer hingesehen werden, appelliert Schnabl: Wer ökologisch und nachhaltig arbeitet, soll besser gefördert werden. „Unsere Bauern sind auch Landschaftspfleger und -erhalter.“

Und für neue, junge Betriebe, von denen es ohnehin wenige gibt, müssen entsprechende Bedingungen geschaffen werden, fordert die SPÖ, „sonst haben sie gegen die großen Betriebe keine Chance“, sagt Wagendristel.

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