Max Lercher: „Wir brauchen mehr Idealisten“. Die Hollabrunner Stadtpartei lud den ehemaligen Bundesgeschäftsführer Max Lercher zur SPÖ-Abschlussveranstaltung im Wahlkampf. Dieser erzählte, dass er am eigenen Leib erfahren habe, wie es ist, die Verwalter innerhalb der Partei zu kritisieren und warum er dennoch nicht aufhören wird, es weiter zu tun.

Von Sandra Frank. Erstellt am 24. Januar 2020 (13:15)
Die Hollabrunner Stadtpartei mit Nationalratsabgeordnetem Max Lercher.
Sandra Frank

Die Sozialdemokraten können sich bei den Gemeinderatswahlen am kommenden Sonntag auf keinen Rückenwind der Bundespartei verlassen. Aus dieser Tatsache machten weder Stadtparteichef Friedrich Dechant noch der ehemalige Bundesgeschäftsführer der SPÖ ein Hehl. Letzterer war zum Hollabrunner Wahlkampfabschluss ins Raschalaer Zeughaus gekommen. Der 33-Jährige gilt innerhalb seiner Partei als Rebell. Warum das so ist, zeigte die Ansprache des Steirers: Er nennt die Dinge beim Namen.

„Wenn man zu einer Minderheitsfraktion kommt, weiß man, wer die echten Roten sind“, begrüßte der Nationalratsabgeordnete die Genossen. Für ihn ist klar: Die Sozialdemokratie müsse sich verändern, damit „wir in Zukunft wieder gewählt werden“. Warum das jetzt nicht passiert? „Wir müssen wieder in die Herzen der Menschen kommen.“ Die Politik des erhobenen Zeigefingers sei ein Grund, weshalb die Menschen die Sozialdemokraten nicht mehr wählen.

SPÖ-Basis soll jene kritisieren, die sich nicht mehr bewegen

„Wir brauchen mehr Idealisten und weniger Mitläufer.“ Denn die Mitläufer seien Verwalter, die nicht in die Zukunft denken, sondern an ihren Funktionen kleben. Sie hätten den Bezug zur Lebensrealität verloren. Für Lercher ist wichtig, dass die Basis jene kritisieren darf, die „sich schon so lange nicht mehr bewegen“. 

Was dann passiere, habe er am eigenen Leib erfahren. Er wurde nach nicht einmal einem Jahr – von Dezember 2017 bis September 2018 - als Bundesgeschäftsführer geschasst. Dennoch, es brauche die schonungslose Debatte innerhalb der Partei: „Durch Reibung entsteht Bewegung.“

Max Lercher übt Kritik am Wirtschaftssystem

Aber nicht nur die Verwalter in den eigenen Reihen müssen laut Lercher wieder kritisiert werden, sondern auch das Wirtschaftssystem. „Wir nehmen’s hin, als wäre es von Gott gegeben.“ In der Bibel stehe davon aber nichts, wie ihn ein Geistlicher auf Nachfrage bestätigt habe.

Bezirksvorsitzender Richard Pregler, Fraktionssprecher Alex Eckhardt und Stadtparteiobmann Friedrich Dechant (v.l.) bedankten sich bei Nationalratsabgeordnetem Max Lercher (2.v.l.) für seine Rede beim Wahlkampfabschluss im Raschalaer Zeughaus.
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Der Arbeiter verstehe nicht, dass er seinen Job verliert, obwohl sein Betrieb 200.000 Euro Gewinn macht. „Wir gehören an die Seite der Erwerbstätigen!“ Es brauche einen Politikwandel für all jene, die in der Früh aufstehen und sich bemühen. „Wir müssen die ganz normalen Leut‘ in den Fokus stellen, das sind die wirklichen Leistungsträger“, ist der 33-Jährige überzeugt, dass die Sozialdemokratie so wieder einen Aufschwung erleben werde. Lercher sprach seinen Genossen Mut zu: „Man kann auch mit Gegenwind gewinnen.“ Das würden Skispringer immer wieder eindrucksvoll beweisen, wenn sie mit guter Taktik siegen.

„Raschala hat eine große rote Vergangenheit“

Warum die Hollabrunner Roten ausgerechnet die kleine Katastralgemeinde Raschala für ihren Wahlkampfabschluss gewählt haben, erklärte Stadtparteiobmann Dechant: „Der Ort hat eine große rote Vergangenheit und Funktionäre, die rund um die Uhr laufen.“

Er stellte die Themen vor, die die Sozialdemokraten in ihrem „sehr aktiven Wahlkampf“ angesprochen haben: Der Hauptplatz soll belebt werden, ein Hallenbad sei – wie das Beispiel in Gänserndorf zeige – realisierbar; die Infrastruktur –vom fehlenden Hochwasserschutz bis zu fehlenden Gehsteigen – müsse ausgebaut werden. Kernthema der Roten sei die fehlende Kinderbetreuung, großes Vorbild sei ihr das sozialdemokratisch regierte Wien.

„Die SPÖ war immer dann stark, wenn sie eine Partei der Mitte war“, sprach auch der Hollabrunner Spitzenkandidat davon, dass die SPÖ das Soziale wieder in den Vordergrund stellen müsse. „Dann werden wir wieder Stimmen dazugewinnen!“

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