Felsenbühne-Intendant Auer: "Visuelle Aha-Momente". Zum 20. Jubiläum als Intendant der Felsenbühne Staatz gönnte sich Werner Auer vergangenen Freitag die österreichische Erstaufführung von „Der Graf von Monte Christo“.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 01. August 2019 (07:01)
Felsenbühne Staatz/Rolf Bock
Als Intendant, Regisseur und in der Rolle des Bösewichts ist Werner Auer umringt von seinem Ensemble.

Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom „Graf von Monte Christo“ von Alexandre Dumas, in der Edmond Dantès einer Intrige zum Opfer fällt, eingekerkert wird, fliehen kann und schließlich seinen Racheplan in die Tat umsetzt? 2009 wurde in St. Gallen mit Thomas Borchert in der Titelrolle das Musical dazu uraufgeführt. Seit vergangenem Freitag wird „Der Graf von Monte Christo“ auch auf der Staatzer Felsenbühne gespielt. Zum 20. Jubiläum als Intendant der Felsenbühne hat sich Werner Auer die österreichische Erstaufführung des Musicals gegönnt.

NÖN: Wie groß ist das Risiko, eine Erstaufführung, also ein unbekanntes Stück, auf den Spielplan zu setzen?

Werner Auer: Natürlich ist das Risiko einer Erstaufführung höher, als wenn man einen Klassiker auf den Spielplan setzt. Wir haben jedoch die positive Erfahrung gemacht, dass unsere Besucher auch immer wieder gerne neue Werke sehen, abseits der ausgetretenen Musicalpfade. Dank unseres treuen Stammpublikums können wir daher das Risiko etwas minimieren. „Der Graf von Monte Christo“ ist unsere bereits fünfte österreichische Erstaufführung und wird sehr gut angenommen. Aus diesem Grund freuen wir uns auch, am 15. August eine Zusatzvorstellung ansetzen zu dürfen.

Hat man bei einem Stück wie diesem mehr Freiheiten als Regisseur, verglichen zu „Les Misérables“ im vorigen Jahr?

Auer: Ja, schon. Ich mag es ehrlicherweise auch weit mehr, ein Stück nach meinen Vorstellungen auf die Bühne zu bringen, als nur eine Vorlage umzusetzen. Die Vorgaben der Verlage für manche Musicalproduktionen, vor allem bei bekannten Werken wie „Les Misérables“ oder „West Side Story“, werden immer strenger und sind in einigen Belangen für Sommerbühnen, die ein Stück nur vier Wochen spielen und nicht die technischen Möglichkeiten eines festen Hauses haben, oft unerfüllbar. Ein gewisser Schutz eines Werkes seitens der Verlage gegen leider manchmal etwas seltsame Neuinterpretationen und Regietheaterauswüchse ist zu einem gewissen Maß verständlich und wäre auch teilweise angebracht. Auch die Vorlage von Regiekonzepten, Kostüm- und Bühnenbildentwürfen sind noch teilweise nachvollziehbar; wenn aber Verlage bei der Besetzung der Rollen und Genehmigung von Darstellern und neuerdings auch Orchestermusikern mitbestimmen wollen, dann greift das schon zu sehr in die Produktionen ein. Als Regisseur weiß ich, mit welchen Darstellern ich arbeiten möchte und wen ich in welcher Rolle sehe.

Wie viel Event und Effekte brauchen beziehungsweise vertragen Musicals in der Größenordnung?

Auer: Das Publikum hat durch internationale Produktionen und auch jene der Vereinigten Bühnen Wien produzierten Musicals eine sehr hohe Erwartungshaltung an Bühnenbild, Kostüme, Licht und Special Effects. Wenn aufwendige Effekte dem Stück dienlich sind, so liebe ich es auch, ein wenig Spektakel einfließen zu lassen und visuelle „Aha-Momente“ zu schaffen. Wenn es aber nur mehr um Effekthascherei und Volksbelustigung geht, die mit dem Stück gar nichts zu tun hat, dann ist weniger oft mehr. Wenn Leute sich drei Stunden in eine Operette oder Oper setzen, nur um auf das Schlussfeuerwerk zu warten, und das dann das Hauptgesprächsthema ist, dann hat das Werk meiner Meinung nach seinen Sinn und seine Wirkung verfehlt. Und wenn die Leute zwar wissen, wie das Bühnenbild ausgesehen hat, aber nicht, in welchem Stück sie gesessen sind, dann läuft auch etwas schief.

Haben Sie die Romane von Alexandre Dumas auch als jungen Menschen schon gefesselt?

Auer: Ehrlicherweise nicht als Lesender, aber die Verfilmungen habe ich geliebt. Ich war nie der große „Winnetou“-Fan, mich haben Werke wie „Drei Musketiere“, „Graf von Monte Christo“, aber auch „20.000 Meilen unter dem Meer“ und „Robin Hood“ immer mehr fasziniert.

Wie ist es für Sie, mittlerweile auf die Rollen der Bösewichte abonniert zu sein?

Auer: Ich habe ja das Glück, mich selbst auf diese Rollen abonnieren zu können, und genieße diese bösen Figuren sehr. Ich mag es einfach lieber, einen Bösen zu spielen als den lyrischen Helden. Wobei es ja meist nur oberflächlich böse Charaktere sind. Meistens haben sie eine Entwicklung durchgemacht, die sie erst böse werden ließ, oder sie verstecken hinter ihrer oberflächlich bösen Fassade ihre Schwächen und ihre Geschichte. Meist sind es also zerrissene Persönlichkeiten mit sehr interessanten Geschichten. Aber 2020 bei „Sister Act“ werde ich mich einmal in einer eher lustigen Rolle versuchen.