Startschuss: Neue Reize für Stadt Hollabrunn gesucht. Die Bezirkshauptstadt nimmt bereits zum dritten Mal an der Aktion der NÖ Stadterneuerung teil. Ideenpool wird gesammelt, ab Sommer sollen Projekte umgesetzt werden.

Von Sandra Frank. Erstellt am 28. Februar 2019 (14:12)

„Hollabrunn ist gerade in einer Phase, in der Elan drin ist“, attestierte Doris Fried, Büroleiterin der Stadterneuerung, der Bezirkshauptstadt. Diese nimmt erneut an der Aktion der NÖ Stadterneuerung teil. Die Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung fand im „Einser-Haus“ in der Fußgängerzone statt. „Der volle Festsaal zeigt, dass das Interesse da ist“, stellte Bürgermeister Erwin Bernreiter während seiner Begrüßungsworte fest.

Um die Stadt voranzubringen, sei es wichtig, dass Politik, Verwaltung und Bevölkerung eng zusammenarbeiten. „Das ist wichtig für die Akzeptanz“, meint Fried. Einen Stadterneuerungskonzept brauche es, um gemeinsam auf die Stärken der Stadt zu schauen, aber auch darauf, wo es hapert. „Das Konzept soll bis zum Sommer fertig sein, dann geht es in die aktive Projektumsetzung“, erklärt die Büroleiterin den Zeitplan. 

Innenstadt als Ort zum Wohlfühlen

Veronika Wipp wird Hollabrunn in den nächsten vier Jahren, so lange dauert die Bürgerbeteiligungshase, betreuen. Im ersten Schritt wurden Anregungen aus dem Publikum gesammelt, „Sie sind die Experten dieser Stadt“, lud Wipp zur Diskussion an den sogenannten Marktständen ein.

Mit Stadtmanagerin Julia Katschnig konnten die Wohlfühlorte und das Potenzial dieser Stadt besprochen werden. Die Naherholungsgebiete in der Stadt, aber auch die Katastralgemeinden wurden von allen als positiv bewertet. Auch in der Innenstadt mit Bio-Greißlerei, Fitnessstudio und Lerntafel wurden Pluspunkte aufgelistet. „Die Leerflächen, die verfallenen Fassaden und die Sauberkeit sind Minuspunkte“, zählte Katschnig auf.

Belebung: Es müssen nicht immer Geschäfte sein

Mit dem Thema Innenstadt beschäftigte sich der Marktstand ihres Mannes, Baudirektor Stephan Smutny-Katschnig. „Bei mir gab es viele Wortmeldungen“, war der Andrang groß. Der Tenor: Es müssen nicht immer neue Geschäfte sein, um etwa die Fußgängerzone wiederzubeleben. Wenn Wohnungen entstehen oder sich öffentliche Einrichtungen ansiedeln würden, wäre die Sparkassegasse automatisch mehr frequentiert und das wiederum mache die Gegend für Geschäftsleute attraktiv.

Eine weitere Idee, die den Baudirektor überraschte: Weniger Parkplätze am Hauptplatz, um mehr Freiraum für die Gastronomie zu schaffen. Dass es wieder Stadtführungen geben soll – wie berichtet, zog sich Stadtführer Adi Müller mit Ende 2018 zurück –, steht ebenfalls auf der Wunschliste der Hollabrunner. 

„Kreuz und quer“ Ideen sammeln

Mit Stadtamtsdirektor Franz Stockinger konnte man über die Weiterentwicklung von Kultur, Bildung und Tourismus sprechen. „Wir haben kreuz und quer Ideen gesammelt“, spricht er von einem Literaturhaus und einer Waldschule im Bereich der Bildung. Das alte Schützenhaus zu sanieren ist ebenso ein Wunsch der Hollabrunner, wie ein Kulturgutschein oder eine Promenade entlang des Göllersbachs. Das Radfahren soll nicht nur durch Infrastruktur, sondern beispielsweise Plätze zum Verweilen attraktiver gemacht werden. 

Umweltgemeinderat Josef Keck notierte Ideen rund um Mobilität. „Es gab keine großen Anliegen“, fasste er zusammen. Einige Kreuzungen sollen übersichtlicher gestaltet werden, mehr E-Ladestationen entstehen. „Wir schauen uns das an, und wenn‘s geht, setzten wir‘s um.“

Großes Anliegen: Der Eislaufplatz soll vergrößert werden

„Die Erweiterung des Eislaufplatzes war ein heißes Thema“, sagt Stadtrat Kornelius Schneider über seinen Marktstand, der die Themen Freizeit, Generationen und Soziales umfasste. Eine Pumptrack-Strecke (eine spezielle Mountainbike-Strecke) sei bereits angedacht. Ein Waldkindergarten unter dem Motto „Zurück zur Natur“ sowie ein Indoorspielplatz sind auf der Liste der möglichen Projekte zu finden. 

„Die Leute müssen es aber auch annehmen“, hat eine Pensionistin schon des Öfteren die Erfahrung gemacht, dass etwa der Seniorentanz zwar angeboten wird, die Termine dann aber kaum jemand wahrnimmt.

Kinder sind ebenfalls in die Stadterneuerung eingebunden 

An zwei weiteren Terminen (2. April, 17.30 Uhr und 9. Mai, 18.30 Uhr) werden Ideen konkretisiert, weitere Anregungen gesammelt und Ziele definiert. Aus diesem Ideenpool werden Inhalte zu einem Stadterneuerungskonzept zusammengefügt und in den nächsten Jahren umgesetzt.

Wer die nächsten Termine nicht wahrnehmen kann, aber Vorschläge hat, kann diese an die neu eingerichtete E-Mail-Adresse stadterneuerung@hollabrunn.gv.at übermitteln. In der Bürgerservicestelle im Rathaus wird es vor Ostern noch eine Box für Ideenzettel geben. „Diese verteilen wir auch an Schulen und Kindergärten“, erklärt Wipp, dass die Jüngsten mit ins Boot geholt werden. „Auch wenn sie noch nicht schreiben können, sie können malen, was sie sich wünschen“, sagt der Baudirektor über die Beteiligung der Kindergartenkinder. 

Smutny-Katschnig nutzte den Rahmen, um das Gemeindeentwicklungskonzept 2040 vorzustellen. „Hollabrunn besteht ja nicht nur aus der Stadt, sondern auch aus 21 Katastralgemeinden.“ Für diese soll es ebenfalls eine Leitvision geben, die Wege zu den Zielen sollen definiert werden.


Die bisherigen Projekte:  

  • In der ersten Stadterneuerungsperiode (1998 bis 2002) wurden folgende Projekte umgesetzt: die Hollabrunner Sprachschule, das GymRadio (heute radioYpsilon), der Alte Schlachthof; das Museum Alte Hofmühle und der Wasserpark wurden saniert, das Rathaus barrierefrei gemacht.
  • Die zweite Runde der Stadterneuerung ging von 2010 bis 2014 über die Bühne: Der Bahnhofsvorplatz wurde als größtes Projekt umgestaltet; eine Sozialraumanalyse wurde erstellt; Sabine Fasching startete auf radioYpsilon eine Interviewreihe mit Zeitzeugen; Wege in der Stadt wurden barrierefrei gemacht; Hollabrunn beteiligte sich am EU-Projekt InnoCité zur Ortskernbelebung.