Kinderbetreuung in Wullersdorf: „Wir stehen an“. Der Bedarf ist da, doch der Standort war umstritten. „Immendorf Süd“ ist nun beschlossen.

Von Sandra Frank. Erstellt am 22. März 2019 (05:49)
VP, SP
Bürgermeister Richard Hogl (links, VP) plädierte für Standort in „Immendorf Süd“, Gemeinderat Gerhard Sklenar (rechts, SP) favorisierte Neubau in Wullersdorf. Fotos: VP, SP

Die Marktgemeinde Wullersdorf braucht einen neuen Kindergarten inklusive einer Tagesbetreuung für Kleinkinder. Darin sind sich die Mandatare einig, einzig der Standort ist umstritten.

„Immendorf Süd“ oder „Wullersdorfer Melkerwald“?

Zur Wahl stehen „Immendorf Süd“ oder „Wullersdorfer Melkerwald“. Der Gemeindevorstand empfahl den Gemeinderäten, sich für den Standort „Immendorf Süd“ auszusprechen. „Der Standort in Wullersdorf ist problematisch“, berichtet VP-Bürgermeister Richard Hogl, dass sich dort noch Wald befinde. Eine Umwidmung wäre laut Hogl nicht genehmigt worden. Auch die Förderung von 100 Prozent hätte anderswo kaum lukriert werden können.

NOEN
Hält das Halten der Absoluten für durchausrealistisch:Richard Hogl, VP.

Die bestehenden Kindergärten in Immendorf und Wullersdorf können um je eine Gruppe erweitert werden. „Aber dann stehen wir an“, erklärt der Gemeindechef, weshalb ein Neubau notwendig ist. Froh ist er darüber, dass der Bedarf einer Tagesbetreuung für Kleinkinder vom Land anerkannt wurde. Das war nicht selbstverständlich, weil in der Nachbargemeinde Grabern ebenfalls eine solche Einrichtung entsteht (die NÖN berichtete). „Ich bin ihnen in den Ohren gelegen, dass das auch für Wullersdorf wichtig ist.“

Hier wurden neue Bauplätze erschlossen, die guten Absatz finden. Durch den Zuzug steige der Bedarf. Auch eine Umfrage unter den Jungfamilien ergab, dass diese eine Tagesbetreuung für Kleinkinder in der Marktgemeinde nutzen würden.

SPÖ hält an Standort in Wullersdorf fest

Das ist auch ein Punkt, weshalb SPÖ-Mandatar Gerhard Sklenar den Standort in Wullersdorf favorisiert. „Wir haben unzählige neue Bauplätze in Wullersdorf. Die Familien bringen dann ihre Kindergartenkinder nach Wullersdorf und die Kleinkinder nach Immendorf.“ Das hält der Sozialdemokrat für wenig sinnvoll. Auch, weil Wullersdorf Standort der Volks- und Mittelschule ist. Ein Dorn im Auge ist ihm zudem, dass bei einer Präsentation im Februar „der Standort Immendorf schöngeredet worden ist“.

NOEN

Sklenar erinnert sich noch an die Diskussionen, als der Immendorfer Kindergarten 1993 neu gebaut wurde. Damals schlug ein Gemeinderat vor, diesen außerhalb der Ortschaft zu errichten. Ebendort, wo er auch jetzt geplant ist. „Da hieß es, dass es aufgrund der Straße nicht möglich ist, der Kindergarten muss im Ort sein.“

Gegen den Standort in der Katastralgemeinde spreche außerdem, dass der bestehende Kindergarten „im Herzen von Immendorf“, wie SP-Mandatar Richard Pregler nach der Sitzung meinte, geschlossen werden müsste und der neue „fußläufig nur noch über die gefährlichste Kreuzung von Immendorf“ erreichbar wäre.

Sklenar brachte weiters aufs Tapet, dass viele Bäume im Melkerwald ohnehin gerodet werden müssen, da sie laut Bezirksförster eine Gefährdung darstellen. „Das ist ein sensibles Gebiet. Wir haben nicht sehr viel Wald; das ist die grüne Lunge im Ort“, entgegnete Hogl. Das Areal sei als Wald gewidmet, außerdem müssen nach einer Rodung entsprechende Flächen aufgeforstet werden. Langfristig gedacht habe der Standort in Immendorf einen weiteren Vorteil: Das alte Gebäude kann als Musikerheim verwendet werden.

Für die Errichtung des Kindergartens samt Tagesbetreuung für Kleinkinder – geplanter Baubeginn ist im Frühjahr 2020 – sprachen sich bei der Abstimmung Teile der ÖVP, die Mandatare der FPÖ und der parteilose Adolf Zahlbrecht aus. Die SPÖ sowie Franz Dunkl, Thomas Grünwidl und Herbert Fellinger von der ÖVP enthielten sich.