Experte zur "Osterruhe": „Kollaps wird verhindert“. Experte Stefan Fehringer aus dem Bezirk Hollabrunn über seine Einschätzung zur aktuellen Situation.

Von Elisabeth Hess. Erstellt am 03. April 2021 (04:00)
Stefan Fehringer hält die Osterruhe für sinnvoll.
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Niederösterreich, Wien und das Burgenland hielten vergangene Woche einen vorösterlichen Ostgipfel ab. Das Ergebnis der Verhandlungen ist die ab 1. April geltende Osterruhe. Die NÖN sprach mit dem Retzer Gemeinderatsmitglied Stefan Fehringer, Bereichsleiter der Covid-Station im Landesklinikum Horn, über seine Einschätzungen zur Notwendigkeit, im Osten Österreichs die Notbremse zu ziehen.

Schon als Anfang März ganz Österreich wieder schrittweise geöffnet wurde, stand Fehringer nicht hinter dieser Entscheidung. Es sei vorhersehbar gewesen, dass die Zahlen steigen werden. Jedoch würde ein hoher Druck auf der Regierung lasten: „Wir erleben immer mehr Menschen, die frustriert und wirtschaftlich am Ende sind“, räumt Fehringer ein. Zusätzlich hätten sich viele, die an Corona-Demonstrationen teilgenommen und keine Schutzmaßnahmen eingehalten haben, infiziert: „Das, was diese Leute erreichen wollten, nämlich Lockerungen, ist sichtlich schiefgegangen und hat zu höheren Infektionszahlen geführt“, kritisiert er.

„Was die Demonstranten erreichen wollten, ist schiefgegangen und hat zu höheren Infektionszahlen geführt.“ Stefan Fehringer

Der 49-Jährige erwartet sich vom anstehenden kurzen Lockdown eine Erleichterung. Das mit dem schöneren Wetter einhergehende Ausweichen auf Außenräume werde seinen Teil dazu beitragen. Eine Verlängerung der Osterruhe, wie sie SPÖ-Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner befürwortet, sei schwierig: „Natürlich zeigt der Lockdown mehr Wirkung, wenn er länger ist“, so Fehringer, „aber man muss die Leute noch erreichen und mitnehmen können.“

Als Bereichsleiter der Corona-Station im Klinikum Horn ist sein Augenmerk besonders auf den Intensivbereich gerichtet: „Momentan haben wir im Spital noch Luft nach oben und zusätzliche Intensivbetten“, berichtet er, „wir können auch Wien und Wiener Neustadt aushelfen.“ Aber: Die Situation im November hätte gezeigt, wie schnell sie in die umgekehrte Richtung gehen kann. Damals musste man binnen zwei Tagen hochfahren und war dementsprechend überrascht. Wäre die Entscheidung zur Osterruhe nicht gefallen, hätte es bestimmt einen Kollaps im Gesundheitssystem gegeben, ist Fehringer überzeugt.

Die Stimmung auf der Covid-Station sei nach einem Jahr routiniert: „Vor einem Jahr war die große Herausforderung, wie man damit umgeht. Mittlerweile wissen wir, welche Maßnahmen wann zu treffen sind, das Personal wurde verstärkt und wir haben genügend Material auf Lager.“ Eine große Erleichterung sei zudem, dass das Krankenhauspersonal nun geimpft ist: „Jetzt haben wir keine Personalausfälle mehr. Das war vor einem halben Jahr noch unsere größte Angst.“

Apropos Impfung: Die Impfgeschwindigkeit könnte auch für Fehringer schneller sein. „Da haben England und Israel ein Tempo vorgelegt, aber auch nur, weil sie keiner Gemeinschaft angehören“, sagt er mit einem leichten Schmunzeln. Die Impfstraßen würden aber die momentan noch schleppende Impfgeschwindigkeit erhöhen, ist sich der Gesundheitsmanager sicher.

Der vierte Lockdown steht also vor der Tür, glaubt Fehringer noch an einen normalen Sommer? „Nein. Bis wir die Herdenimmunität haben, wird es noch dauern“, so sein Urteil.