Letzte Chance für Glasfaser im Retzer Land. Die Strabag baut doch kein Glasfasernetz im Retzer Land. Die Gemeinden versuchen es jetzt selbst.

Von Sandra Donnerbauer. Erstellt am 22. September 2019 (06:24)
Donnerbauer
Nach wie vor sind diese kleinen Glasfasern ein großes Thema im Retzer Land. Man glaubt an die Notwendigkeit der Infrastruktur.

Seit Jahresbeginn bemühen sich die Gemeinden im Retzer Land intensiv darum, ihre Bürger vom Ausbau des Glasfasernetzes zu überzeugen. Die Glasfaserinfrastrukturentwicklungs- und Baugesellschaft (GIBAG), eine Tochterfirma der Strabag, wollte den Vollausbau umsetzen, wenn sich 65 Prozent aller Haushalte zum Anschluss an das Netz verpflichten.

Nachdem dieses Ziel bis Ende April mit nur 23 Prozent weit verfehlt wurde, hatte man seitens der GIBAG zuletzt den Aktionszeitraum verlängert und einen Teilausbau geprüft.

Nun steht es fest: „Die Strabag hat sich aus dem Projekt verabschiedet“, informierte Stadtrat Roman Langer bei der Retzer Gemeinderatssitzung. Auch in einen Teilausbau wird das Unternehmen nicht investieren. Das Projekt „Glasfaserland“ wäre damit gestorben.

Einen allerletzten Strohhalm gibt es jedoch noch. Die Niederösterreichische Grenzlandförderungsgesellschaft (NÖG) wird mit Jahresende aufgelöst. Diese hat 5 Millionen Euro für den Ausbau des Glasfasernetzes im Retzer Land reserviert, die man nach wie vor bekommt, wenn man das Projekt bis Mitte November auf Schiene bringt.

Zellerndorf hat entschieden, sich nicht zu beteiligen, wodurch Retz, Retzbach, Pulkau und Schrattenthal jeweils 1,2 Millionen Euro verbauen könnten. Allerdings nur, wenn die folgenden Punkte in den nächsten acht Wochen gelingen:

Kauf der GIBAG:

Die Verträge, die Hausbesitzer mit der GIBAG abgeschlossen haben, sind rechtsgültig, solange die GIBAG besteht. Da es sich dabei um eine Gesellschaft handelt, die die Strabag einzig für die Abwicklung des Projekts „Glasfaserausbau im Retzer Land“ gegründet hat, sei sie künftig für diese wertlos. Die Bereitschaft, sie zu verkaufen, sei deshalb da, wie Stadtrat Langer informierte.

Die Gemeinden würden einen gemeinsamen Verein gründen, welcher die GIBAG kauft und damit die bereits unterzeichneten Verträge übernimmt. Ein Geschäftsführer soll eingesetzt werden und sich um die weitere Abwicklung kümmern.

Ausbaugebiete bestimmen:

Wo das Gebiet innerhalb der Gemeinden sein wird und wie viele Haushalte es umfassen wird, muss nun jede Gemeinde schnell entscheiden. Fest steht allerdings, dass es sich um einen zusammenhängenden Bereich handeln muss, in welchem sich 40 Prozent aller Haushalte zum Anschluss verpflichten.

Höhere Chancen haben also jene Gemeindeteile, wo bereits jetzt mehr Verträge unterzeichnet wurden und man gleichzeitig mit den vorhandenen Fördermitteln möglichst viele Haushalte erreicht. In Bereichen, die aufgrund des Kanalbaus ohnehin aufgegraben werden, könnten beispielsweise ohne zusätzliche Kosten leicht die Glasfaserkabel mitverlegt werden. Auch sind die Grabungen nicht überall gleich schwierig durchzuführen und daher unterschiedlich teuer. All das wird jede Gemeinde nun durchrechnen müssen.

Stehen die Gebiete fest, „müssen wir bis Mitte November noch rennen, um die Quote zu erreichen“, appellierte Langer an seine Gemeinderatskollegen. Denn gerade in Retz sei man selbst von 40 Prozent aktuell noch weit entfernt. Die anderen drei Gemeinden hätten hier schon einen Vorsprung.

Parallel könnten über eine zweite Förderschiene dann weitere Gebiete ausgebaut werden.