Initiative macht gegen St.-Pölten-Route mobil. Projektgegner klagen über fehlenden Informationsfluss seitens des Landes NÖ zu Straßenbauplänen im Weinviertel.

Von Sylvia Stark. Erstellt am 17. Juni 2020 (05:12)
Besprechung der Bürgerinitiative gegen Schnellstraße und Autobahn im Weinviertel und Waldviertel: Thomas Karamat und Josef Guggenberger sowie (vorne) Andreas Mayer, Josef Kronawetter und Dagmar Marousek.
Sylvia Stark

Zwar ist noch nichts fixiert, doch dass eine neue Straßenverbindung von Hollabrunn nach St. Pölten kommen soll, sorgt weiterhin für Unruhe unter Anrainern. So traf sich nun die Bürgerinitiative „Lebenswertes Weinviertel“ in Gettsdorf, um sichtbar dagegen aufzutreten.

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Geplant sei eine Straße in einem 30 km breiten Korridor im Bezirk Hollabrunn und teilweise im Bezirk Korneuburg. Aus Sicht von Thomas Karamat aus Oberfellabrunn stehen drei Möglichkeiten zur Auswahl. „Das ist die Abfahrt Hollabrunn Mitte über Oberfellabrunn, Rohrbach und Dippersdorf im Schmidatal. Der Straßenverlauf könnte aber auch über Wullersdorf oder Stranzendorf gehen“, meint er nach Analyse des Korridors.

Auch Landwirt Josef Kronawetter aus Dippersdorf meint: „Wenn die Straße von Hollabrunn Mitte weggeht, führt sie sicher durch Rohrbach und Dippersdorf.“

"Politik will uns zermürben"

Josef Guggenberger aus Gettsdorf zeigt sich besorgt. „Wir im Weinviertel haben nicht das Verkehrsaufkommen für eine höherwertige Straße“, sagt er und merkt an, dass in Österreich jährlich 5.000 ha Wiesen und Äcker zubetoniert werden. „Auf 5.000 ha wird Getreide für 350.000 Österreicher pro Jahr erzeugt. Das ist mit der Einwohnerzahl von Graz zu vergleichen.“

„Wir können jetzt nur mehr 86 Prozent des jährlichen Brotbedarfs in Österreich produzieren“, fährt Guggenberger fort. „50 Prozent des benötigten Obsts und Gemüses müssen schon aus dem Ausland importiert werden.“ Das Asphaltieren von Böden führe zudem zu vermehrten Überschwemmungen und zu einer Verstärkung des Klimawandels.

Die Bürgerinitiative fordert nun klare Informationen über die Straßenbaupläne des Landes. Guggenberger fürchtet: „Die Politik will uns zermürben. Die Bevölkerung soll bis zur konkreten Planung nichts erfahren.“

„Von einer neuen Straße war nie die Rede“

ÖVP-Landtagsabgeordneter Richard Hogl schüttelt darüber den Kopf. „Von einer neuen Straße von Hollabrunn nach St. Pölten war nie die Rede“, betont er auf NÖN-Nachfrage. Es bestehe jedoch seit längerer Zeit der Plan, die Ortschaften entlang der aktuellen Strecke nach St. Pölten durch Umfahrungen zu entlasten. Damit sei eine kreuzungsfreie Umfahrung in Richtung der S 5 der Stockerauer Schnellstraße und weiter zur Kremser Schnellstraße S 33 gemeint.

Doch auch der Hollabrunner Grünen-Landtagsabgeordnete Georg Ecker spricht von intransparenter Politik. Auch er habe von einer geplanten Schnellstraße gehört. Hinter den Umfahrungsplänen der einzelnen Ortschaften stehe die Lkw-Lobby. Die Lastwägen seien das Hauptproblem, so Ecker: „Es würde schon ein Lkw-Verbot für die stark beanspruchten Orte genügen.“

Umfrage beendet

  • Soll die Verbindung von Hollabrunn nach St. Pölten ausgebaut werden?


Ecker selbst fährt mehrmals wöchentlich mit seinem E-Auto über Thern, Baumgarten am Wagram, Ruppersthal, Oberstockstall und Kirchberg nach St. Pölten. Lkws kämen auch über die B 4 und die Stockerauer Schnellstraße nach St. Pölten.

Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Weinviertel“ bereitet sich indes auf einen Besuch bei Grünen-Verkehrsministerin Leonore Gewessler vor und hofft, dort Gehör zu finden.