Fotografie: Der Wald zeigte sich zögerlich. Stipendiatin Claudia Ebner fotografiert sonst „nur“ Berge – und musste im Thayatal erst ihren Blick ausrichten.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 14. August 2018 (12:51)

Wenn sich eine auf Berge spezialisierte Landschaftsfotografin plötzlich in einem Wald wiederfindet, könnte man das fast als „Natur-Schock“ bezeichnen. Claudia Ebner erhielt das Stipendium der Nationalparks Austria und hatte die Traumvorstellung, in den Hohen Tauern Bilder aufzunehmen. Doch dann wurde sie gefragt, ob sie nicht doch das Thayatal aufsuchen möchte.

„Da ist ja nur Wald“, dachte sie, als sie die Website durchstöberte. „Ich habe es dann als Herausforderung angesehen, die sicher nicht wieder kommt.“ Die Südtirolerin hat tatsächlich ein paar Tage gebraucht, um den Blick für die Gegend zu bekommen. „Am Anfang habe ich nur Bäume gesehen.“

Fotografin legt Fokus auf Pilze, Farne und Muster

Doch dann fokussierte die 25-Jährige auf Anderes, Kleineres: Pilze, Farne, Muster. Sie wollte bewusst keine Standardbilder vorlegen, die sowieso zuhauf vorhanden sind. „Die letzten Tage bin ich sehr zufrieden mit meinen Fotografien gewesen: Ich kann mit einem guten Gefühl nach Hause fahren“, so die Wanderführerin, Grafikerin und Fotografin am Donnerstag.

Bernadette Lehner, Mitarbeiterin im Nationalpark, hält das Stipendium für sehr wertvoll: Die Jugend erhält die Chance, ihre Talente auszuleben. Und: „Wir bekommen Material, das wir so in dieser Art nie kriegen würden.“ Jeder von den bisherigen Stipendiaten ging ganz individuell an seine Aufgabe heran.

Auf Rückschlag folgte der persönliche Erfolg

Einen Rückschlag musste Ebner einstecken: Sie fieberte zwei Tage lang im Wildkatzen-Camp, weil sie im Gras lag und die Kriebelmücken attackierten. Aber sie verbuchte auch einen persönlichen Erfolg: „Ich habe es geschafft, die erste Schlange zu fotografieren“, hat die eigentliche Naturfreundin panische Angst vor dem Tier. Zweiter Stipendiat war übrigens Antal Brugger, der Anfang Juli mit seiner Jungfamilie einen Film im Nationalpark produziert hat.