Tat beauftragt: Haft für ehemaligen Disko-Betreiber. Am 22. Mai 2022 wäre das Verbrechen der Brandstiftung in der Brucker Diskothek „Nova“ vom Pfingstmontag 2012 verjährt. Aber wie der Zufall so will, wurde der heute 59-jährige Brandstifter aus dem Bezirk Mistelbach, der damals an einem Benzinkanister seine DNA-Spur hinterlassen hatte, wegen einer Alko-Fahrt in Tschechien 2020 von den dortigen Behörden erkennungsdienstlich behandelt.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 07. April 2021 (16:41)
Die Diskothek Nova wurde bereits vor mehreren Jahren abgerissen. Heute befindet sich an der Stelle in Bruck eine Wohnhausanlage.
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Die Spur führte die Polizei letztlich auch zu zwei weiteren Angeklagten, dem heute 47-jährigen Disko-Betreiber aus dem Land um Hollabrunn und seinem 50-jährigen Geschäftspartner.

Die beiden sollen den 59-Jährigen, der gelegentlich als DJ arbeitete, zur Tat angestiftet haben. Aus einer persönlichen finanziellen Notlage heraus habe er das Angebot angenommen, schilderte er dem Schöffensenat unter Vorsitz von Richter Manfred Hohenecker am Landesgericht Korneuburg sein Motiv. Er sollte dafür 3.000 Euro erhalten. Der Geschäftspartner erzählte in seiner Einvernahme, dass es seit dem Brand der Disko „Schatzi“ in Hagenbrunn 2010 eine Art Redewendung unter den Lokalbetreibern gab: „Wenn’s nicht läuft, fackeln wir‘s ab.“

Ein Rätsel blieb dem Richter, was für den 50-Jährigen dabei hätte rausspringen sollen, da die Disko einzig dem 47-Jährigen gehörte und damit eine allfällig zu erwartende Versicherungszahlung nur diesem zugutegekommen wäre. Eine „vage Hoffnung“, doch etwas von dem Kuchen abzubekommen, bekam er dann zu hören. Was Hohenecker ebenfalls an dem Angeklagten irritierte, war, dass er zum Zeitpunkt der Tat bereits sechs Mal vorbestraft war: „Drei Mal bedingt hat sie nicht abgehalten ..."

Versuchte oder vollendete Feuersbrunst?

Juristisch stellte sich dem Richter allerdings eine andere Frage: „Handelte es sich bei der angeklagten Feuersbrunst um Versuch oder Vollendung?“ Sechs Brände habe er, verteilt auf die ganze Lokalität, mittels der mitgebrachten Benzinkanister gelegt, gestand der 59-Jährige. Dazu habe er jeweils brennbare Materialien, darunter Klopapierrollen, zu einem Haufen getürmt. Die Fenster waren zum Zeitpunkt des Brandes geschlossen. Wie Hohenecker aus dem betreffenden Gutachten zitierte, ist das Feuer „durch Sauerstoffmangel“ von selbst ausgegangen, sodass die Anklage auf „Versuch, eine Feuersbrunst zu entfachen“ revidiert wurde.

Die außergewöhnlich hohe Schadensumme von 1,4 Millionen Euro durch den Brand und 400.000 Euro an Versicherungsleistungen führte Staatsanwalt Peter Zimmermann bei seinem Schlussplädoyer als besonders erschwerend ins Treffen. Dem gegenüber stand die lange Zeit seit Tatbegehung, in der sich das schlechte Gewissen der drei Männer aber wohl auch sehr in Grenzen hielt, und das „Wohlverhalten“ der Angeklagten seit der Tat.

Urteile sind rechtskräftig

Nach kurzer Beratung verkündete der Schöffensenat sein Urteil. Der ehemalige Disko-Betreiber und der 50-Jährige wurden zu jeweils drei Jahren Freiheitsstrafe, davon zwei Jahre bedingt, verurteilt. Der 59-jährige Brandstifter fasste zwei Jahre Freiheitsstrafe, davon 16 Monate bedingt, aus. Alle Urteile sind rechtskräftig. In seiner knappen Urteilsbegründung konnte sich Hohenecker ein kleines Bonmot nicht verkneifen: „Gott sei Dank sind Sie in Tschechien betrunken Auto gefahren.“