Singspiel als Premiere: Hübsch bescheiden sein. Die Oberfellabrunner Theatergruppe machte sich heuer erstmals daran, ein Singspiel auf die Kulturstadl-Bretter zu bringen.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 11. November 2018 (07:09)
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Der versöhnliche Schluss „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“, der gleich für drei Paare – unter anderem für die Rösslwirtin und ihren Zahlkellner Leopold (M.) – im Happy End mündet.

Sich an ein Musical oder ein Singspiel zu wagen, ist für jede Laientheatertruppe eine gewaltige Herausforderung. Der Probenaufwand steigt dabei im Verhältnis zu einer „normalen“ Sprechtheateraufführung überproportional.

Dessen war sich die Theatergruppe in Oberfellabrunn offenbar bewusst, denn die Regisseurin Sigrid Brandstetter zitiert im Programmheft einen der Komponisten des „Weißen Rössls“, Ralph Benatzky: „Je weniger man die Bemühung einer Sache ansieht, je selbstverständlicher und leichter sie aussieht, desto mehr Anklang findet sie. Ich glaube, man ringt sich nur über die große Anstrengung zur Leichtigkeit durch.“

Wie schwer aber dieses Selbstverständliche ist, zeigte die Premiere am vergangenen Samstag. Die Vorstellung wirkte unfertig, ließ die Leichtigkeit vermissen. Was sich auch daran zeigte, dass der Einsatz von Sprechgesang mit Verlauf des Abends zunahm.

Schein- und hörbar haben sich die Oberfellabrunner mit dem „Weißen Rössl“ übernommen. Durch die Anspannung der Protagonisten, die der Herausforderung geschuldet ist, leidet der Charme dieses Klassikers österreichischer Operettenkunst.

Das schmälert nicht die Verdienste der vielen Freiwilligen, die sich beim Bühnenbau, bei der Maske, der Organisation, vieler unbedankter Kleinigkeiten und nicht zu letzt beim – wie immer hausgemachten – Büffet engagieren.

Sorgen um den Besuch muss sich das Oberfellabrunner „Rössl“ jedenfalls nicht machen. Laut Obmann Roman Satzinger waren 90 Prozent der Karten bereits vor dem Premierenabend an den Mann oder die Frau gebracht.

Am Ende des Stückes dient der Besuch des Kaisers im „Weißen Rössl“ als „Deus ex machina“, um alle Liebespaare zu einem Happy Ende zu führen. Apropos Kaiser, das kaiserlich weise Wort hat Bestand: „Doch man sieht allmählich ein / man muss hübsch bescheiden sein.“