Mit täglicher Bewegung fit durch die Coronakrise. Gemeinsam mit der NÖN zeigt der Hollabrunner Allgemein- und Sportmediziner Gunther Leeb, wie es funktioniert, sich in dieser schwierigen Zeit fit zu halten. Vierter und letzter Teil: Kinder und Bewegung.

Von Red. Hollabrunn. Erstellt am 25. April 2020 (09:47)
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Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist regelmäßige Bewegung einer der wichtigsten Faktoren, der eine optimale körperliche Entwicklung gewährleistet. Auch die vollen geistigen Fähigkeiten kommen im Kindesalter nur dann zur Ausprägung, wenn regelmäßige Bewegung angeboten und gefördert wird.

Gunther Leeb
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"Die schulischen Leistungen, natürlich auch jetzt in der Coronakrise beim Heimunterricht, können nur dann gebracht werden, wenn wir unseren Kindern ausreichende Bewegungsmöglichkeiten bieten", betont Gunther Leeb.

Der große Vorteil bei Kindern sei, dass die Freude an Bewegung und Sport angeboren ist und so eigentlich von ganz alleine ausgelebt wird. "Aufgabe der Eltern und Schulen ist es dann eigentlich nur, diesen Bewegungsdrang zuzulassen und eventuell etwas zu lenken", sagt der Sportarzt.

Wie sollen sich Kinder bewegen?

Grundsätzlich wissen Kinder von ganz alleine, welche Art von Bewegung ihnen gut tut. "Wir sollten uns auch davor hüten, Kindern ganz bestimmte Sportarten oder Bewegungsmöglichkeiten vorzuschreiben", rät Leeb. Wichtig ist lediglich, dass sich Kinder bewegen, und das täglich! 

In der Sportmedizin wird eine sogenannte „polysportive“ Bewegung im Kindesalter angestrebt. Das bedeutet, dass möglichst viele verschieden Sport- und Bewegungsarten durchgeführt und erlernt werden sollten. Es gibt auch kein Alter, in dem der Körper in Bezug auf die koordinative Ausführung und das Aneignen von bestimmten Bewegungsmustern lernfähiger ist als im Kindesalter.

"Sollten dann spezielle sportliche Interessen beim Kind in den Vordergrund treten, können natürlich auch leistungssportliche Entwicklungen am besten in einem Verein unter Anleitung eines ausgebildeten Trainers weiter gefördert werden", erklärt der Betreiber des SportMedCenter Hollabrunn.

Wie viel Bewegung ist ideal für Kinder?

Optimal ist die für Kinder vielzitierte tägliche Sportstunde. Das bedeutet, dass man täglich wirklich eine Stunde für Bewegung und Sport einplanen sollte. In der aktuellen Situation mit dem Unterricht zu Hause ist es am besten, täglich einen fixen Zeitpunkt einzuplanen, an dem die Bewegungseinheit stattfindet. "Empfehlenswert dafür ist beispielsweise der Nachmittag, wenn alle Arbeiten für die Schule und eventuell auch  das Homeoffice der Eltern erledigt sind", meint Leeb. 

Welche Bewegung dann durchgeführt wird, überlässt man einfach den Wünschen der Kinder.

Gibt es praktische Übungen für zu Hause?

Bei Schlechtwetter oder fehlender Ausgangsmöglichkeit kann zu Hause geübt werden. Die Anleitungen für Ausdauer- und Krafttraining - nachzulesen in den letzten Ausgaben dieser Serie - gelten definitiv nicht für Kinder. "Da fehlt einfach der Spaßfaktor", weiß der Hollabrunner Sportarzt.

Eine klassische Trainingsmöglichkeit für zu Hause sei zum Beispiel das altbewährte Schnurspringen in den verschiedensten Ausführungsmöglichkeiten. Um diese Heimübungen zu variieren, sind unzählige Anleitungen im Internet zu finden. Wichtiger Punkt: Musik dazu nach Wahl des Kindes, dann macht's noch mehr Spaß!

Ein besondere Punkt: Vitamin-D-Haushalt

Vitamin D hat in unserem Körper unter anderem die wichtige Funktion, den Kalziumgehalt zu regulieren und somit für die Gesundheit und Entwicklung unserer Knochen verantwortlich zu sein. Vitamin D kann einerseits durch die Nahrung zugeführt werden, andererseits wird es auch in der Haut durch ausreichende Sonnenbestrahlung im Körper bereitgestellt. 

Da durch die aktuellen Ausgangsbeschränkungen Kinder und vor allem auch ältere Menschen wenig außer Haus gehen können, ist es wichtig, eine ausreichende Sonnenbestrahlung zu gewährleisten. "Eine gewisse Grundregel ist, dass wir versuchen sollten, 20 Minuten täglich unter freiem Himmel zu verbringen: am besten daher Bewegung in der Natur, und dabei nur kurze Hose und kurzes T-Shirt tragen", erläutert Leeb.

Zusätzlich unterstützen kann man den Vitamin-D-Haushalt mit Vitamin-D-reicher Nahrung. Vor allem verschiedene Fische wie Lachs oder Hering sind sehr gute Vitamin-D-Lieferanten. 

Für Vegetarier ist es deutlich schwieriger, ausreichend Vitamin D zuzuführen, da es nur in Avocados und verschiedenen Pilzarten in nennenswerter Konzentration enthalten ist.

Zusammenfassung:

Trotz aller organisatorischer Schwierigkeiten in der Kinderbetreuung in dieser schwierigen Zeit ist regelmäßige Bewegung für Kinder gerade jetzt von immenser gesundheitlicher Bedeutung. Planen Sie eine fixe tägliche Trainingseinheit in den Tagesablauf ein und gestalten diese abwechslungsreich unter Einbindung der Wünsche der Kinder.