Hardegg und Retzbach stiegen mit Plus aus. Hardegg und Retzbach hatten 2020 sogar mehr Nächtigungen. Minus 20 Prozent für Retz.

Von Elisabeth Hess und Franz Enzmann. Erstellt am 10. März 2021 (04:24)
Tourismusstatistik Hollabrunn
Statistik Austria; Foto: WAYHOME studio/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Wenn gerade keine Pandemie herrscht, darf sich das Retzer Land vor allem im Sommer von seiner besten Seite zeigen. Veranstaltungen wie das Weinlesefest locken zahlreiche Touristen an, dementsprechend sind die Pensionen und Hotels rappelvoll. Der NÖ Wirtschaftspressedienst lieferte nun die Nächtigungszahlen des CoronaJahres 2020. Wenig überraschend hatten die meisten Gemeinden einen Rückgang zu verzeichnen. Nicht so allerdings Hardegg und Retzbach.

Die NÖN fragte Verantwortliche in den Gemeinden nach ihrer persönlichen Analyse. In einem sind sich alle einig: Zu einer Normalität wird es auch diesen Sommer noch nicht kommen; man freut sich, wenn man zumindest die Zahlen von 2020 erreicht.

Hardeggs Bürgermeister Fritz Schechtner erklärt den Zuwachs an Nächtigungszahlen im Corona-Jahr 2020 so: „Die Villa Hardegg hat in diesem Jahr ihre Pforten für Gäste geöffnet und auch andere neue Zimmervermieter in der Großgemeinde haben ihre Quartiere angeboten.“ Die Stellplätze beim Campingplatz neben dem Nationalparkhaus waren ebenfalls sehr gut ausgelastet, „und dadurch ist der Zuwachs bei den Nächtigungszahlen entstanden“, resümiert Schechtner.

Der Retzbacher Bürgermeister Manfred Nigl ist gleichzeitig Obmann der Regionalvermarktung Retzer Land – Thayatal und freut sich über die steigende Gästezahl in seiner Gemeinde: Der Waldcampingplatz „Hubertus“ in Oberretzbach wurde im vergangenen Jahr sehr gut angenommen, was eine Erklärung für die elfprozentige Steigerung bei den Übernachtungen sei. „Leider fehlen im gesamten Retzer Land Gästezimmer. Ein dringender Nachholbedarf ist gegeben“, meint der Tourismusobmann.

Retz kam „mit einem blauen Auge“ davon

Der Retzer Tourismusstadtrat Daniel Wöhrer blickt zurück: „Nach einem massiven Einbruch im März und April 2020 ist Ende Mai die Kurve stark gestiegen. Von Juni bis August war die Zahl der Nächtigungen sogar höher als in manchen Jahren davor.“ Die Weinstadt Retz erlebte im Vergleich zum Jahr 2019 letztlich ein Minus von 20 Prozent. Wöhrer meint, dass das natürlich ein Einbruch sei, „wir aber noch mit einem blauen Auge davongekommen sind. Momentan hängen die Betriebe an den Hilfszahlungen, die sie retten.“

Für die kommende Saison erwarte er eine ähnliche Situation wie im Vorjahr, hofft aber auf einen unbürokratischen Zugang zu Ausflügen: „Wir rechnen schon mit Urlaubsgästen, da es Leute gibt, die wieder ein normales Leben führen und fortfahren wollen.“

Trotzdem könne sich der Tourismusstadtrat vorstellen, dass einige potenzielle Urlaubsgäste aufgrund der hohen Infektionszahlen den Hotelaufenthalt nicht riskieren wollen. Eine Normalität erwarte Wöhrer erst im nächsten Jahr.

Zellerndorf verzeichnete im Vergleich zu 2019 um 1.113 weniger Gäste. „Durch Corona hatten wir ein schwaches Frühjahr, der Sommer war aber dann rekordverdächtig, im Herbst stagnierten die Zahlen“, analysiert Bürgermeister Markus Baier. Wie blickt der Ortschef in die Zukunft? „Aus derzeitiger Sicht glaube ich nicht, dass es bis Ostern großartige Besserungen geben wird. Ich hoffe aber, dass nach Ostern eine gewisse Normalität einkehrt.“ Vor allem setzt Baier auf einheimische Urlaubsgäste, die schon 2020 die Gegend für sich entdeckten.

„Glaube an keine Öffnung zu Ostern“

Nachdem Pulkau 2019 ein Rekordjahr bei den Nächtigungszahlen erreichte, verlor man im darauffolgenden Jahr elf Prozent. Nichtsdestotrotz zeigt sich Bürgermeister Leo Ramharter zufrieden: „Dafür, dass wir erst am 29. Mai aufsperren durften und Kürbis- und Weinlesefest abgesagt wurden, war es eigentlich eine gute Saison.“ Den Höchststand aus 2019 erkläre sich Ramharter durch den Trend zum E-Bike: „Ich denke, dass deshalb die Gäste länger dableiben, um sich die Umgebung besser anzuschauen.“ Weniger optimistisch blickt der Pulkauer Bürgermeister auf die nächsten Wochen: „Ich glaube nicht, dass wir bei den wachsenden Infektionszahlen zu Ostern die Hotellerie aufsperren können.“ Wenn die Zahlen vom letzten Jahr wieder erreicht werden, wäre Ramharter schon zufrieden.