Triumph der Frauen. Angesichts der politischen Entwicklungen auch an den Grenzen Europas, ist die heurige Programmierung von höchster Aktualität und zeugt von Gespür für den Moment.

Erstellt am 17. Juni 2014 (10:47)
NOEN, Tabocchini
Szenefoto einer Aufführung von „Judiths triumphans“ beim Opernfestival in Macerata 2010. Foto: Tabocchini

Explizit die spezifisch weibliche Perspektive von Krieg und Repression war es, die Intendant Alexander Löffler im Sinn hatte, als er das Programm für 2014 zusammenstellte.

Im Gegensatz zu programmatischen Ankündigungen Anderer ist Löfflers Konzeption mit Leben erfüllt. Da wäre zum Beispiel Maxi Blaha, die mit ihrem viel beachteten Abend „Feuerseele“ über die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner die persönlichen Facetten dieser Frau beleuchtet.

Der Krieg hat auch ein weibliches Gesicht

Oder die Lesung aus dem „Tagebuch der Anne Frank“, die mit den Erzählungen des letzten lebenden Verwandten von Anne Frank, Buddy Elias verwoben wird. Svetlana Alexijewitsch und Julya Rabinowich, die bereits beim Festival Retz zu Gast waren, legen bei ihrer Lesung ihr Augenmerk auf das Schicksal russischer Frauen.

Als Ausrufezeichen über dem gesamten Programm steht symbolisch die heurige Kirchenoper „Juditha triumphans“ von Antonio Vivaldi aus dem Jahr 1716, die am 3. Juli in der Stadtpfarrkirche Premiere feiern wird.

König Nebukadnezar schickt eine Armee unter General Holofernes nach Israel, um überfällige Tribute einzutreiben. Diese belagert die Stadt Bethulien und ist im Zuge, sie zu erobern. Die junge Witwe Judith geht zu ihm, um Gnade zu erflehen.

Geschichte der Judith als Allegorie des Sieges

Holofernes verliebt sich in sie, und sie gibt zum Schein seinem Drängen nach. Nach reichlichem Essen und dem Genuss von viel Wein schläft Holofernes ein. Judith schneidet ihm den Kopf ab und kehrt siegreich nach Bethulien zurück.

„Juditha triumphans“ ist ein Oratorium von Antonio Vivaldi, übrigens das einzig erhaltene von insgesamt Vier. Das Werk wurde von der Republik Venedig in Auftrag gegeben, um den Sieg gegen die Türken bei der Belagerung von Korfu 1716 zu feiern. Die Geschichte der Judith, die den ihre Stadt belagernden Feldherrn Holofernes besiegt, wurde daher als Allegorie der über die Türken siegreichen Venezianer gesehen.


Programm 2014

3. Juli: 20 Uhr Premiere Kirchenoper „Juditha triumphans“; 22.30 Uhr „Federspiel“ im Festivalgarten

4. Juli: 18 Uhr Lesung Buddy Elias „Tagebuch der Anne Frank“; 20 Uhr Konzert Hans Tschiritsch „Tropfen des Seins“; 22.30 Uhr „Bleu“ im Festivalgarten

5. Juli: 18 Uhr Lesung Christiane Mudra „InSight-OutLook“; 20 Uhr Lesung & Konzert Merlin Ensemble „Esther“; 22.30 Uhr Konzert Ensemble Continuum „La Serenissima“

6. Juli: 19 Uhr Vortrag Clemens Beirer „Judith - Figur ohne Grenzen“; 20 Uhr Kirchenoper „Juditha triumphans“

10. Juli: 20 Uhr Kirchenoper „Juditha triumphans“

11. Juli: 18 Uhr Szenischer Abend Maxi Blaha „Feuerseele“; 20 Uhr Kirchenoper „Juditha triumphans“; 22.30 Uhr „GMH Salon Orkestar“ im Festivalgarten

12. Juli: 11 Uhr Ensemble Antonin Stehlík „Konzert am Hl. Stein“; 18 Uhr S. Alexijewitsch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“; 20 Uhr Lesung für ein junges Publikum „Johanna“; 22.30 Uhr „Madame Baheux“ im Festivalgarten

13. Juli: 10 Uhr Festgottesdienst gestaltet vom Gesangsverein Retz, 18 Uhr Lesung M. Müller „Ein Garten Eden inmitten der Hölle“; 20 Uhr Kirchenoper „Juditha triumphans“; 22.30 Uhr A. Heginger & G. Breinschmid im Festivalgarten

Infos &Karten: Mo. bis Fr. 9 bis 13 Uhr Hauptplatz 30, Retz;

office@festivalretz.at oder 02942 /22 23-52