Erste Bank: Aus für Filiale in Pulkau. Selbstbedienungsbank im Pulkauer Rathaus wurde wenig genutzt und schließt vor Weihnachten.

Von Elisabeth Hess und Franz Enzmann. Erstellt am 18. November 2020 (04:31)
In der Selbstbedienungszone der Bankfiliale (v.r.): Vizebürgermeisterin Christina Ruisinger, Bankkundin Johanna Liedl und Gemeinderätin Claudia Geist.
Franz Enzmann

Auch die Bank muss sparen. Durch verändertes Kundenverhalten rentiert sich die Selbstbedienungsfiliale der Erste Bank in Pulkau nicht mehr.

„Viele Kunden kommen nicht mehr persönlich, sondern erledigen ihre Bankgeschäfte von zu Hause aus“, erzählt Karin Berger von der Pressestelle der Erste- Bank-Zentrale im NÖN-Gespräch. Durch die Corona-Krise habe die bargeldlose Bezahlung massiv zugenommen. Außerdem würden die Kunden in Zeiten von Kontaktreduzierungen den persönlichen Kontakt meiden und per Telefon oder Mail Kontakt zum Bankberater suchen.

„Diese Maßnahme trägt sicher nicht zum Erhalt der Lebens- qualität bei.“ Christina Ruisinger, Vize- bürgermeisterin in Pulkau

Sicherheitsvorkehrungen, Serveranbindung, Bargeldlogistik, Gerätewartung und Reinigung – all das kostet Geld. „Auch wir müssen auf unsere Kosten schauen und vorsichtig mit unseren Ressourcen umgehen“, erklärt Berger. Der Erhalt der Selbstbedienungsfiliale rentiere sich nicht mehr.

Die Erste-Bank-Filiale in Pulkau ist eine unbemannte Selbstbedienungsfiliale. Daher verliere kein Kunde seine Bankbetreuer, versichert die Pressesprecherin. Pulkau bleibe ein wichtiges Marktgebiet; die Filialen in Eggenburg, Retz und Hollabrunn bleiben bestehen. „Wir sind weiterhin eine Filialbank und wollen eine Bank für Menschen sein“, versichert Berger.

Schließung am 19. Dezember

Am 19. Dezember wird die Pulkauer Selbstbedienungsfiliale geschlossen – schon vor der Corona-Krise hätten diese nur wenige genutzt. „Tatsache ist, dass wir auch neue Filialen eröffnen“, bekräftigt Berger.

Der Slogan der Bank „#glaub an dich – was zählt, sind die Menschen“, veranlasste einen Pulkauer, der in der Filiale gerade Geld behob, zur Gegenfrage: „Aber glaubt ein Konzern wie die Erste Bank auch an uns? An die Bevölkerung der Gemeinden in den ländlichen Regionen?“

Für die Stadtführung um VP-Bürgermeister Leo Ramharter und VP-Vize Christina Ruisinger ist es ein schwerer Schlag für die Stadt hinsichtlich der Weiterentwicklung der Gemeinde. „Kunden müssen dann in die Filialen nach Eggenburg (8,5 Kilometer entfernt) oder ins elf Kilometer entfernte Retz ausweichen. Gerade in Zeiten wie der heurigen Pandemie sind die Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln beschwerlich, ist doch der Busverkehr hauptsächlich für den Schülertransport ausgerichtet. Diese Maßnahme trägt sicher nicht zum Erhalt der Lebensqualität bei“, sagt Ruisinger.

Die digitale Bankenwelt sei bei vielen Bürgern noch nicht angekommen und werde es auch nicht mehr, meint die langjährige Kundin Johanna Liedl und hat kein Verständnis für die Vorgangsweise ihrer Hausbank.

„Die Stadt Pulkau entwickelt sich ständig weiter. So werden bis 2022 rund 15 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert“, berichten Bürgermeister und Vizebürgermeisterin von guten Gründen, eine Bankfiliale in der Stadt zu erhalten.