Krankenschwester: „Menschen sind so dankbar“. Viki Krafek aus Unternalb arbeitete einige Monate in afrikanischen Krankenhäusern – eine bereichernde Zeit.

Von Sandra Frank. Erstellt am 12. September 2021 (05:10)

„Es war ein Wahnsinn: Vom Lockdown, in dem ich keine Menschen gesehen habe, zu den verrückten Afrikanern“, sagt Viktoria Krafek mit einem Lächeln im Gesicht. Sie reiste im Jänner nach Arusha, eine Stadt im ostafrikanischen Tansania, um dort bis Juni in zwei Krankenhäusern zu arbeiten.

Gerade in der Zeit der Pandemie war die Umstellung enorm: „In Afrika haben sie keine Angst vor Corona, darum gibt es auch keine Maßnahmen.“ Wer betet und fastet, wird von dem Virus verschont bleiben, so die allgemeine Meinung.

„Jeder kocht auf der Straße und isst mit den Fingern. Das ist dort einfach so.“ An eine kuriose Situation, gleich nach ihrer Ankunft erinnert sich die Unternalberin im NÖN-Gespräch: „Ich bin mit einem Dalla-Dalla, einem Neunsitzer-Bus, gefahren. In Österreich mussten wir zu der Zeit noch zwei Meter Abstand von anderen Menschen halten. In dem Dalla-Dalla saßen wir eng nebeneinander“, erzählt sie von bis zu 25 Personen in dem Fahrzeug.

„Wir leben im Überfluss und kaufen immer weiter ein. In Afrika gehst du arbeiten, um morgen Essen zu haben.“
Kinderkrankenschwester Viktoria Krafek

Für die Unternalberin war immer schon klar, dass sie Krankenschwester werden und einmal nach Afrika gehen will. Wenn sie nicht gerade in Bildungskarenz ist, arbeitet die 29-Jährige auf der Kinderstation im Wiener AKH. Die größte Umstellung waren die hygienischen Bedingungen. „Kaum jemand trägt dort Handschuhe.“ Auch, weil an Ressourcen gespart werden müsse.

Krafek reiste mit der Organisation „Viva Tanzania“ in das Land, zu dem der Kilimandscharo gehört. Geplant war, dass sie zunächst sechs Wochen in einem Dispensary, einem kleineren Krankenhaus, arbeitet und die restlichen Monate im größeren District Hospital aushilft. Gekommen ist es anders: „Ich wurde so herzlich aufgenommen und es hat mir so gut gefallen, dass ich vier Monate im Dispensary geblieben bin.“ Dieses sei vergleichbar mit einem Hausarzt in Österreich; im District Hospital bleiben die Patienten auch über Nacht, kleinere Eingriffe werden vorgenommen.

Wundstarrkrampf und Tollwut in Afrika

Ihre Kollegen in Arusha seien sehr interessiert gewesen, wollten Neues lernen und wissen, wie die Patienten in Österreich behandelt werden. Krafek selbst hatte mit Tollwut und Wundstarrkrampf-Fällen zu tun. Krankheiten, die man in österreichischen Spitälern nur sehr selten sieht. Menschlich habe sie sehr viel lernen können. Was war das Schönste an ihrer Arbeit in Afrika? „Die Dankbarkeit. Die Menschen dort sind für so wenig so dankbar.“ Was „definitiv anders“ als in Österreich sei: „Alle sind extrem hilfsbereit und schauen auf ihre Mitmenschen.“

Bevor Viki Krafek nach Tansania reiste, hatte sie Spenden gesammelt, um verschiedene Projekte von „Viva Tanzania“ zu unterstützen: So kann in einem Tierheim ein neuer Zwinger gebaut werden; auch eine alleinerziehende Mutter von einem behinderten Kind wird finanziell unterstützt. Und: Das Dispensary, in dem sie gearbeitet hat, bekommt einen neuen OP-Saal. Wenn dieser fertig ist, im November, will sie wieder nach Tansania fliegen, um bei der Eröffnung dabei zu sein. Spenden für dieses Projekt sind nach wie vor gefragt.

Als die 29-Jährige wieder zurück in Österreich war, sei sie auf der Mariahilfer Straße gesessen und habe die Menschen beobachtet. „Wir leben hier im Überfluss und kaufen immer weiter ein. In Afrika gehst du arbeiten, um morgen Essen zu haben“, beschreibt sie den wohl größten Unterschied zwischen den beiden Ländern.

Es sei schön, nach Hause zu kommen. Vor allem: „Man weiß das Gesundheitssystem mehr zu schätzen“, sagt Krafek. Ebenso verhalte es sich mit der Krankenversicherung. Eine solche gebe es zwar in Tansania, aber: „Die Leute glauben, wenn sie eine Krankenversicherung haben, dann brauchen sie sie irgendwann. Und wenn sie keine haben, dann brauchen sie sie nicht“, schmunzelt die Kinderkrankenschwester und erinnert sich an eine weitere Kuriosität ihres Abenteuers: „Es gibt zwar einen Krankenwagen, aber wenn du ihn brauchst, musst du erst einen Fahrer und Sprit suchen.“ Trotz dieser Umstände bleiben alle gelassen.