Unterschriften gegen Saustall. Mastbetrieb regt auf / Außerhalb von Wilhelmsdorf soll ein Betrieb für 600 Schweine entstehen. Das Projekt ist genehmigt. Anrainerin will Unterschriften dagegen sammeln.

Von Sandra Frank. Erstellt am 01. Juli 2014 (08:36)
„Ich bin nicht gegen die Bauern, nur gegen die Agro-Industriebetriebe“: Ulrike Vojtisek-Stuntner.
NOEN
Im sonst idyllischen Wilhelmsdorf liegt Ärger in der Luft: Grund dafür ist ein Schweinestall, den Johannes Lembacher außerhalb des Ortes errichten will.

„Es handelt sich um ein genehmigtes Projekt“

600 Schweine sollen dort in der ersten Ausbauphase untergebracht werden. Den Standort wählte der Landwirt bewusst: „Ich gehe da raus, damit im Ort niemand belästigt wird.“ Derzeit ist Lembacher im Besitz von 500 Schweinen. Langfristig will er die Tierhaltung ganz aus dem Ort verlegen. „Es handelt sich um ein genehmigtes Projekt, es war ausgeschrieben, die Anrainer waren da“, sagt der Familienvater, dass „im Ort alles ruhig verlaufen“ sei.

Dies kann Maissaus Bürgermeister Josef Klepp bestätigen: „Es gab bereits eine Bauverhandlung. Dabei verlief alles ruhig.“ „Es kann ja nur ruhig verlaufen, wenn niemand etwas davon weiß“, kann Ulrike Vojtisek-Stuntner bei diesen Aussagen nur schmunzeln. Sie lebt in Maissau, genauer gesagt in der Weinbergsiedlung. „Von dort habe ich den direkten Ausblick auf den Schweinestall.“ Sie habe durch einen blanken Zufall von dem Großprojekt Lembachers erfahren.

Die Maissauerin spricht sich klar gegen diesen Maststall aus. Mit einer Unterschriftenliste will sie den Bau verhindern.

„Die Dimension ist nicht zu verstehen“

„Die Dimension ist einfach nicht zu verstehen, das ist ein riesen Projekt und ist dort völlig absurd.“ Sie stellt klar, dass sie nicht gegen die Bauern ist, sondern „gegen die Agro-Industriebetriebe“. Vojtisek-Stuntner sieht vor allem die „wunderschöne touristische Infrastruktur, die unsere Gemeinde geschaffen hat“, gefährdet.

Außerdem ist sie überzeugt, der einzige Grund, weshalb Lembacher den Schweinestall „mitten im Grünen“ bauen will, „sind die EU-Förderungen“.

„Ich glaube nicht, dass der Stall Touristen abschreckt. Ich bin überzeugt davon, dass es hier keine Probleme geben wird, darum habe ich den Standort ja gewählt“, kann Lembacher Vojtisek-Stuntners Bedenken nicht nachvollziehen.

EU-Förderung hat nichts mit Erweiterung zu tun 

„Das ist so was von lächerlich“, findet seine Mutter, die ehemalige Landtagsabgeordnete Marianne Lembacher, klare Worte. Bürgermeister Klepp stößt ins selbe Horn wie die Landwirte: „Er kriegt so viele Auflagen, eben damit die Gegend – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht versaut wird.“

Dass er nur aufgrund der EU-Förderungen den neuen Schweinestall außerhalb des Ortes errichten will, dementiert Lembacher: „Das hat damit gar nichts zu tun. Solche Förderungen gab es ja schon immer.“ Er betont in diesem Zusammenhang erneut, „dass ich nur da rausgehe, um niemanden zu belästigen“.

Für den Landwirt sind mit dem Neubau große Investitionen verbunden, denn „daheim hätte ich schon alles“, spricht er von einer Infrastruktur, die er neu errichten muss. „Es geht darum, dass der Betrieb Zukunft hat. Heute muss man entweder erweitern, oder es einfach sein lassen“, kann Marianne Lembacher nicht verstehen, dass ihrem Sohn durch „an den Haaren herbeigezogenen Argumenten“ Steine in den Weg gelegt werden.

Vojtisek-Stuntner ist überzeugt, dass die Anrainer die „idyllischen Wanderwege“ schützen wollen: „Wenn die Menschen einmal davon erfahren, dann werden sie sich ebenfalls gegen dieses riesengroße Projekt aussprechen.“