Versuchter Bankomat-Einbruch: 3,5 Jahre Haft für Rädelsführer

Ein schwarzes Schaf und zwei Unschuldslämmer: Weil sie im Juli den Bankomaten in Schöngrabern knacken wollten, mussten sich nun drei Serben am Landesgericht Korneuburg verantworten. Zwei von ihnen ein Geständnis herauszulocken, war für Richter Rainer Klebermaß kein Leichtes.

Erstellt am 24. November 2021 | 20:09
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Der Bankomat in Schöngrabern hat nicht erst einmal die Ermittler auf den Plan gerufen. Hier ein Archivbild aus 2015.
Foto: Franz Enzmann

Körperlich machten die zwei 31 und 35 Jahre alten Serben keineswegs den Eindruck von Unschuldslämmern. Aber das war die selbst gewählte Rolle, die sie über weite Strecken in dem Schöffenverfahren am Landesgericht Korneuburg einnahmen. Der dritte Angeklagte (40) spielte dafür das schwarze Schaf. Staatsanwalt Ronald Schaffer klagte das Trio wegen eines versuchten Einbruchdiebstahls am 22. Juli dieses Jahres in Schöngrabern an.

Der 40-Jährige soll den Container, in dem sich der Geldautomat befindet, aufgebrochen haben, sei aber am Bankomat gescheitert, sodass die drei ohne Beute wieder abzogen und kurz darauf von der Polizei - stiller Alarm war ausgelöst worden - festgenommen wurden. Das alles habe er allein gemacht, erklärte der 40-Jährige, und gestand auch gleich einen ebenfalls ihm angelasteten versuchten Einbruchdiebstahl im 15. Wiener Bezirk eine Woche vor der Tat in Schöngrabern: „Weil mir eh keiner glaubt, dass ich es nicht war.“

"Werkzeug-DNA" schürte den Verdacht

Belastend war allerdings, dass bei beiden Bankomaten die „identen Werkzeugspuren“ sichergestellt werden konnten, wie eine Polizeibeamtin (36) als Zeugin formulierte. Jedes Gerät habe seine ganz eigene „Werkzeug-DNA“ , sozusagen einen „Fingerabdruck", den nur dieses Werkzeug setzt. Im Prozess unter dem Vorsitz von Rainer Klebermaß ging es dann vorrangig um den Versuch in Schöngrabern. Und der Richter hatte nach Studium der Akten, die viele Ungereimtheiten zu Tage förderten, eine Menge Fragen an die Angeklagten.

Ihm schwante offenbar, wie variantenreich sich die Aussagen des Trios gestalten würden, und er ordnete eine abgesonderte Vernehmung an. Den Anfang machte er mit dem geständigen „schwarzen Schaf“ und fragte rundheraus: „Sind Sie ein Berufsverbrecher?“ „Nein“, entgegnete der 40-Jährige mit einem Schmunzeln. Grund der Frage waren zwei einschlägige Vorverurteilungen wegen insgesamt sechs Bankomat-Einbrüchen. Aber: Am 22. Juli habe er nur einen Freund, den 31-Jährigen, gebeten, ihn nach Tschechien zu fahren. Da der aber über kein Fahrzeug verfügte, habe er den 35-Jährigen darum gebeten.

Richter fand Erklärungen hanebüchen

„Ohne Handy?“, fragte Klebermaß nach, denn der 40-Jährige hatte die beiden anderen aufgefordert, bei dieser Fahrt ihre Handys zu Hause zu lassen. Die Erklärungen dafür, sollte der Richter später als „hanebüchen“ bezeichnen. Beim 31-jährigen Küchenmonteur soll es am leeren Akku gescheitert sein. Der 35-jährige Angestellte wollte schlicht seine Ruhe von den ständigen Nachrichten seiner Frau, weil die ihn immer so nervös machten.

Besonders verwundert zeigte sich Klebermaß darüber, dass der 35-jährige Chauffeur keinerlei Fragen stellte. Er fragte nicht wohin, warum und auch nicht, was der 40-Jährige mit der großen Tasche wollte, die er auf diese Ausfahrt mitnahm. Der 31-Jährige verwickelte sich indes zusehends in Widersprüche. 

"Ihr Leben geht g'rade den Bach runter"

Den Vogel schoss der Jüngste in der Runde mit der Aussage ab, er habe vom 40-Jährigen den Screenshot bekommen, auf dem per GPS ein Ort gekennzeichnet war: die Tankstelle in Schöngrabern. Auch, dass die beiden Unschuldslämmer am Nachmittag desselben Tages bereits einmal in Schöngrabern beobachtet worden waren, veranlasste Klebermaß zu dem Satz: „Ihr Leben geht g'rade den Bach runter.“ Die erdrückende Beweislage veranlasste die zwei dann doch noch zu einem späten Geständnis, was zumindest einem eine unbedingte Strafe ersparen sollte.

Die unvermeidlichen Schuldsprüche des Schöffensenats mussten natürlich die unterschiedliche Tatbeteiligung und das Vorleben der Angeklagten berücksichtigen: Der 40-jährige „Profi“ fasste dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe aus. Der „Chauffeur“ kam mit neun Monaten bedingt glimpflich davon, was nicht zuletzt an seiner bisherigen Unbescholtenheit lag. Der 31-Jährige wurde zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, davon neun Monate bedingt. Der Grund für den unbedingten Teil der Strafe lag in einer einschlägigen Verurteilung vom 15. Juli dieses Jahres – übrigens zu einer Geldstrafe.

Die Urteile sind rechtskräftig.