Dornröschenschlaf soll mit Winzer-Plattform enden. Schmidataler Winzer bekommen einzigartige Plattform, um ihre Weine zu präsentieren.

Von Sandra Frank. Erstellt am 18. April 2018 (03:39)
Noch blicken Peter Steinbach (l.) und Georg Somloi vom Automobilmuseum auf die Glaskonstruktion der Vinothek. Ab 16. Mai können sie mit einem Gläschen Wein von der Vinothek aus auf die Autos blicken.
Sandra Frank

„Ich krieg’ die schönste Vinothek, die es gibt“, stellt sich Georg Somloi vor. Er wird den Weinladen am Heldenberg leiten, der gerade über dem Automobilmuseum errichtet wird.

„Du schaust in die Landschaft hinaus oder blickst auf wunderschöne Autos“, erzählt Somloi vom Ambiente, welches die Gäste erwartet. Die Bauarbeiten sind in vollem Gange, denn die Vinothek wird in knapp einem Monat (16. Mai) eröffnet.

30 Winzer präsentieren sich in der Vinothek

Von der Idee bis zum Baubeginn hat es etwa zwei Jahre gedauert, wie Heldenbergs Bürgermeister Peter Steinbach im NÖN-Gespräch erzählt. „Die Idee ist bei einer Weintaufe im Brandlhof entstanden“, erinnert sich der Gemeindechef. Eine Vinothek für Schmidataler Winzer hatte aber nur dann Sinn, wenn auch die Gemeinden Hohenwarth-Mühlbach und Maissau als Mitglieder der Kleinregion „Landschaftspark Schmidatal Manhartsberg“ angehören. „Das ist passiert“, so Steinbach.

Bislang haben sich 30 Weinbauern einen Platz gesichert, um ihre Weine in der Vinothek zu präsentieren, darunter zwei Gastwinzer aus der „bezirksfremden“ Nachbargemeinde Großweikersdorf. Die Vinothek ist auch auf 30 Winzer ausgelegt, es sei aber noch ein bisschen Luft nach oben: Plätze für zwei weitere Winzer wären momentan vorhanden.

Vorrang haben die Weinbauern aus dem Schmidatal. „Nach der Eröffnung wird die Einzahlung deutlich erhöht“, betont Steinbach.

Positive Überraschungen bei Weinkost

Der Bürgermeister war mit Somloi gemeinsam unterwegs, um die interessierten Winzer kennenzulernen und die Weine zu verkosten. Dabei erlebten die beiden Männer einige positive Überraschungen, vor allem bei noch unbekannten Weinbauern. „Das Schmidatal ist im Dornröschenschlaf und wir sollten es aufwecken“, meint Somloi, dass sich die Winzer unter ihrem Wert verkaufen.

Der 58-Jährige weiß, wovon er spricht. Er führte bis August 2017 die Weinbar „Wein und Genuss Plus“ in Wien. Nach einigen anonymen Anzeigen, weil das Lokal zu lange geöffnet hätte, musste das Lokal nach elf Jahren schließen. „Ich habe das Weinviertel immer schon hochgehalten“, erzählt der künftige Vinothek-Chef. Viele seiner damaligen Kunden aus der Wachau „stehen jetzt aufs Weinviertel“, sagt der Wiener.

Durch Hochzeit „zum Wirten mutiert und nie bereut“

Eigentlich hatte er Geschichte studiert, „durch die Hochzeit bin ich aber zum Wirten mutiert“, lacht er, „und ich hab’ es nie bereut“. Geheiratet hat er eine Hohenwartherin, darum kennt er sich dort weintechnisch gut aus und erfuhr, dass ein Leiter für die Heldenberger Vinothek gesucht wurde. Das Angebot kam ihm gelegen, denn die Nächte durcharbeiten, wie in Wien, das wolle er mit 58 Jahren nicht mehr. Steinbach ist froh, mit Somloi einen kompetenten Fachmann an seiner Seite zu haben.

Die Schmidataler Winzer sollen durch ihren Auftritt in der Vinothek bekannter werden, an Ansehen gewinnen. „Die Qualität in ganz Österreich steigt, die Schmidataler können da locker mithalten“, sagt Somloi. Vor allem in Wien will er die Region bekannter machen. Dort kenne man nur Weine aus der Retzer und Poysdorfer Gegend, der Rest des Weinviertels sei weitgehend unbekannt.

Vinothek und Attraktionen am Heldenberg sollen sich ergänzen

Die Weine können im heimeligen Ambiente der neuen Vinothek verkostet werden. „Nur wegen einer oder zwei Flaschen fährt man nicht zum Winzer“, weiß Steinbach, dass es hier eine Hemmschwelle gibt, die in der Vinothek nicht vorhanden ist.

Der Gemeindechef hofft, dass sich die Attraktionen am Heldenberg – das Koller Oldtimermuseum zählt jährlich zwischen 25.000 und 30.000 Besucher – und die Infrastruktur gegenseitig ergänzen.