Don’t drink & smoke: „Kein Weg vorbei“. Die Zahl der Unterstützer für ein totales Rauchverbot in Lokalen nähert sich 400.000, was die Befürworter hoffen lässt.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 01. März 2018 (05:48)
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Die Tschick zum Bier – das hätte ab Mai 2018 Geschichte sein sollen. Doch die neue Regierung kippte das generelle Rauchverbot. „Es mangelt anEntscheidungsfreudigkeit“, diagnostiziert Allgemeinmedizinerin KingaHalmagyi-Steinböck.

Es schien fast wie ein Naturgesetz, sich zum Kaffee oder zum Bier ein „Zigaretterl“ zu gönnen und gönnen zu dürfen. Seit einigen Jahren ist der Zug für Raucher in Lokalen aber europaweit abgefahren. Nur in Österreich tut man sich nach wie vor schwer, eine verbindliche Gesetzeslage zu schaffen.

„Es war bereits alles auf Schiene und die überwiegende Mehrzahl hatte sich mit den neuen Bestimmungen bereits abgefunden“, ärgert sich der Hollabrunner Sportmediziner Gunther Leeb über das Hin und Her der Legislative, „aber es gibt immer noch etwa 25 Prozent Raucher in Österreich und das ist natürlich eine große Wählergruppe“.

„Aufklärung ist nicht das Problem: Jeder Raucher weiß, dass Rauchen, auch Passiv-Rauchen, schädlich ist. Es ist eine Sucht.“Kinga Halmagyi-Steinböck

„Es mangelt leider an der Entscheidungsfreudigkeit und am Übernehmen der Verantwortung“, diagnostiziert die Hollabrunner Allgemeinmedizinerin Kinga Halmagyi-Steinböck die Lage. Und Leeb kommentiert: „Die Pläne der neuen Regierung im Hinblick auf das bereits beschlossene Rauchverbot sind aus präventivmedizinischer Sicht katastrophal.“

Das war auch der Anlass für die Wiener Ärztekammer und die Österreichischen Krebshilfe, das „Don’t Smoke“-Volksbegehren ins Leben zu rufen. „Die Initiative ist absolut notwendig, um diesen verantwortungslosen Rückschritt in der Gesundheitspolitik vielleicht doch noch abzuwenden“, sagt Leeb. Halmagyi-Steinböck befürwortet das Volksbegehren neben den medizinischen Gründen als „gelebte Demokratie“.

Laut Helmut Schneider, Zentralamts- und Abteilungsleiter im Rathaus, haben bisher 300 Unterstützer persönlich vor Ort im Rathaus unterschrieben. Wie groß die Beteiligung im Internet ist, vermag der Beamte nicht zu sagen, „weil wir die elektronischen Unterfertigungen nicht einsehen können“.

Halmagyi-Steinböck hat bereits unterschrieben und „ich werde natürlich auch das Volksbegehren unterschreiben“. Für Gunther Leeb stellt sich die Frage nach der Unterschrift nicht, für ihn ist sie selbstverständlich: „Ich sehe täglich in der Praxis, welches Leid durch Rauchen ausgelöst wird, nicht nur bei den betroffenen Patienten, sondern auch bei den Angehörigen.“

Der Sportmediziner ist sicher, dass sich Österreich einer konsequenten Neuregelung nicht entziehen wird können: „Das Volksbegehren wird die Menschen weiter sensibilisieren, sodass am Ende sicher ein absolutes Rauchverbot in Lokalen kommen wird. Daran führt in einer modernen Gesellschaft kein Weg vorbei.“

Für Kinga Halmagyi-Steinböck ist der Auftrag an die Verantwortlichen klar: „Die Politik muss die Rahmenbedingungen für effizienten Nichtraucherschutz schaffen.“ Aus ihrer Erfahrung weiß sie: „Die Aufklärung ist nicht das Problem: Jeder Raucher weiß, dass Rauchen, auch Passiv-Rauchen, sehr schädlich ist. Es ist eine Sucht.“