Ziersdorf feierte mit deutschen Freunden. Das Rathaus erstrahlt in neuem Glanz, daneben ziehen im betreubaren Wohnen bald die ersten Mieter ein - da kam die Partnergemeinde Kürnbach gern, um die 35-jährige Freundschaft ebenfalls zu feiern.

Von Barbara Witzany. Erstellt am 03. September 2019 (11:12)

Gründe zu feiern gab es zuletzt in Ziersdorf genug. Das sanierte Rathaus wurde offiziell eröffnet, seit 35 Jahren besteht die Gemeindepartnerschaft mit Kürnbach (D) und das betreubare Wohnen neben dem Gemeindeamt bekommt ab Oktober die ersten Mieter. 

Bürgermeister Johann Gartner – ihm wurde unter Applaus die Ehrenbürgerschaft verliehen - empfing die Freunde aus Deutschland, für die eine „Rundreise“ durch die Großgemeinde organisiert worden war.

Die große Rathaus-Eröffnung fand schließlich vor dem Amt auf der gesperrten Straße statt. Der Bürgermeister gab einen Überblick über den Ablauf des Umbaus: „Wir haben sehr lange überlegt, seit 2015, wie wir das Haus sanieren und auf die zukünftigen Bedürfnisse umbauen können. Es war aus verschiedenen Gründen nicht einfach. Die Fassade und Teile im Inneren des Hauses sind denkmalgeschützt. Darunter waren die Bodenfliesen, eine Türe und die Wendeltreppe in den ersten Stock.“

Rathaus hielt eine Fülle an Herausforderungen bereit

In der Mitte des Hauses gab es eine Einfahrt. Da das Nachbargebäude zum Verkauf stand, konnte mit dem Käufer, der Waldviertler Siedlungsgenossenschaft, und dem Architekten Werner Zita eine Lösung gefunden werden. Die Einfahrt zum Hof liegt nun im neugebauten betreubaren Wohnen.  

Doch im Haus gab es ebenfalls eine Fülle von Herausforderungen: Die Räume waren auf unterschiedlichen Ebenen, das Haus war nicht gedämmt, die Fenster undicht, geheizt wurde elektrisch – im Winter wurden maximal 18 Grad erreicht –, die Decken brauchten eine Versteifung und ein Einbau eines Liftes war nötig. Alle Schwierigkeiten wurden gelöst. 

Geheizt wird nun mit Biogas, die Kastenfenster sind neu und nicht nur mit dem Lift ist das Haus komplett barrierefrei. Fast im ganzen Haus wird das Licht mit Bewegungsmeldern bedient. Es gibt eine Solaranlage am Dach. Das Haus ist hell und freundlich.

Großer Saal mit bester Ausstattung

Die Besucher waren beeindruckt. Es gibt einen hellen großen Raum für das Bürgerservice. Dieser wurde ein Stück in den Hof gebaut, so entstand eine Terrasse im ersten Stock. Dort befindet sich der teilbare Sitzungs-, Trauungs- und Bildungssaal. 

Die erste Gemeinderatssitzung fand hier bereits statt. Mit dem neuen ActivBoard konnte Gemeinderat Anton Ehrentraud passend zu den jeweiligen Grundstücksthemen die gewünschten Änderungen anschaulich präsentieren.  

Zur weiteren Ausstattung des 84 Quadratmeter großen Raumes gehören ein Beamer, Flatscreen, Medienplayer, Lautsprecher und Wlan – alles über Laptop bedienbar. Diese Geräte werden im Sinne des neu entstandenen Bildungszentrums genutzt. Natürlich ist auch eine kleine Teeküche angeschlossen. Derzeit gibt es eine Befragung in der Bevölkerung, welche Themen von Interesse sind. Vor dem Eingang zum Bildungsraum wurde eine Wand mit den Partnerschaftsurkunden und Erinnerungsfotos von den Besuchen mit Kürnbach geschmückt.

"Kein Vergleich zu vorher!"

Die Mitarbeiter der Gemeinde sind sich einig: „Es ist kein Vergleich zu vorher.“

Neben den zweckmäßig eingerichteten Büros, gibt es nun auch ein Archiv. Schmunzelnd wies Vizebürgermeister Hermann Fischer bei der Führung für die NÖN auf ein Detail am Rande hin: „Unsere Toiletten sind nicht mehr beschriftet – also geschlechtsneutral.“  

Das Problem der Dämmung konnte ebenfalls gelöst werden: „An der Fassade außen war das ja durch den Denkmalschutz nicht möglich, daher haben wir innen einen Blähton aufgebracht.“ Der feucht-nasse Keller wurde um 60 Prozent verkleinert. „Dieser war auf zwei Ebenen, im unteren Bereich stand häufig Wasser. Dieser Teil wurde nun verfüllt.“ 

Und zu guter Letzt: Die Uhr am Rathaus läuft wieder und die Sirene funktioniert stromunabhängig. Die Kosten für das Gesamtprojekt mit insgesamt 1,5 Millionen Euro entsprachen der Planung.

Betreubares Wohnen mit 15 Wohnungen

WAV-Direktor Manfred Damberger stellte das betreubare Wohnen vor. Von den 15 Wohnungen, sie haben 55 bis 60 Quadratmeter, sind bereits zehn vergeben. Schmunzelnd meinte er am Beginn seiner Ausführungen: „Wir nehmen die Eröffnung unseres Hauses gleich bei diesem Fest im Pfusch mit.“

„Heimat hat für viele eine unterschiedliche Bedeutung. Für viele Kürnbacher ist Ziersdorf zu einer Heimat geworden. Die Partnerschaft kann nur weitergehen, wenn wir das an unsere Jugend weitergeben“, meinte Kürnbachs Bürgermeister Armin Ebhart. Die Volksschulkinder sagten ein Gedicht auf. Danach durften sie das Gastgeschenk – ein „Partnerschaftsbänkle“ – auspacken. 

Die Feuerwehr brachte einen historischen Helm und ein Stück Schlauch mit. Dieser war mit Geld gefüllt, pro Partnerschaftsjahr zehn Euro, eine Spende für die Feuerwehrjugend.  

Festlicher Rahmen für Auszeichnungen genutzt

Im Rahmen des Festes wurden auch Dank und Anerkennungsurkunden, eine Goldene Ehrennadel und eine Ehrenbürgerschaft verliehen: Dank und Anerkennung ergingen an Josef Nestreba, Günter Wendl, den ehemaligen Ziersdorfer Postenkommandanten Friedrich Spitzer und an die ehemaligen Gemeindemitarbeiterinnen Herta Ehrentraud (Ziersdorf) und Elke Dörlich (Kürnbach). Hier wurde die besonders gute Zusammenarbeit der Damen hervorgehoben.

Nicht anwesend waren die ehemaligen Ortsvorsteher von Radlbrunn, Otto Obenaus und Josef Wenzl aus Großmeiseldorf. ARTS-Obmann Friedrich Damköhler bekam für seine Verdienste für die Gemeinde Ziersdorf die Goldene Ehrennadel überreicht. Zum Abschluss wurde Bürgermeister Johann Gartner die Ehrenbürgerschaft verliehen - unter Standing Ovations der Zuschauer. 

Musikalisch umrahmt wurde das Fest von der Trachtenkapelle Ziersdorf und Umgebung, das Fest wurde von der Gemeinde mit all ihren Mitarbeitern ausgerichtet.