Weder Held noch Vorbild. Die Bühne Weinviertel hebt sich wohltuend von der Dauerbespaßung während der Freiluftsaison ab und geht mit Felix Mitterers „Jägerstätter“ ein spannendes Risiko ein.

Erstellt am 17. Juni 2014 (10:45)
NOEN, Bühne Weinviertel
Ensemble mit einem wesentlichen Element des Bühnenbilds. Foto: Bühne Weinviertel

Franz Jägerstätter sah sich in seinem Widerstand gegen die Naziherrschaft weder als Held noch als Galionsfigur. Sein Wahlspruch lautete so simpel wie bestechend: „Besser die Hände gefesselt als der Wille!“

Jägerstätter hatte Familie und ein Gewissen

Und lange bestand auch keine Gefahr, dass das offizielle Österreich Jägerstätter in die Liste der großen Söhne des Landes aufnahm. Kriegsdienstverweigerung galt auch im Nachkriegsösterreich nicht als Widerstand. Ganz im Gegenteil, die Witwe Franziska Jägerstätter musste um jedes kleine Stück Ehre für ihren Mann kämpfen.

Doch selig gesprochen von Papst Benedikt geht er nun den Weg, der vielen Heiligen nach ihrem Tod aufgezwungen wird – den Weg der Verherrlichung und der Erhöhung.

Franz Jägerstätter lebte, liebte und zweifelte wie jeder andere, der mit Lebensfreude und einem wachen Hausverstand ausgestattet ist. Er hatte Familie und ein Gewissen. Aber er hatte auch seinen Glauben, seinen, zuletzt von allen kirchlichen Zwängen freigeschaufelten, reinen Glauben an eine höhere Instanz, an Gott.

Nichts passt wohl besser als Kulisse für das Stück

Diese Geschichte einer großen Katharsis hat der Dramatiker Felix Mitterer in ein faszinierendes Theaterstück gegossen, das im Vorjahr mit großem Erfolg im Theater in der Josefstadt uraufgeführt wurde.

Die ‚Bühne Weinviertel‘ ist stolz darauf, dieses Stück als zweite Bühne vom Autor persönlich überantwortet bekommen zu haben. Sicherlich hat auch der Spielort diese Entscheidung mit beeinflusst.

Nichts passt wohl besser als Kulisse für dieses exakt recherchierte Stück über den Bauern Jägerstätter als der Brandlhof in Radlbrunn, dieses Juwel einer bäuerlichen Vergangenheit. Premiere ist am 11. Juli.