Musik und gute Stimmung in den Weingütern. Die diesjährige Weintour Weinviertel wurde Corona-bedingt von April auf Ende Juni verschoben. Trotz Hitze sei die Tour im Pulkautal unglaublich gut gelaufen, so der einhellige Tenor der Winzer: „Man spürt, dass die Menschen endlich wieder rausgehen können!“

Von Romana Schuler und Sarah Marie Piskur. Erstellt am 06. Juli 2021 (13:06)

Das Bioweingut Christoph Bauer präsentierte seine Weine mit einer Außeninstallation der Künstlerin Ida Corell. Sie hat sieben Kleider, die sie zwischen 2016 und 2020 bei ihren Performances trug, im Garten des Winzers installiert. In Corells Arbeiten geht es darum, die Grenzbereiche zwischen Schönheit und dem Konsum- und Wegwerfverhalten der Menschen sichtbar zu machen.

Der Glaskünstler Michael Olschewski arbeitete vor Ort im Kitla-Presshaus. Die Besucher bekamen vom Künstler eine Einführung in die Glaskunst, der Winzer Florian Kitla steuerte den Wein im Glas bei.

Musik, Tanz und Wein in der Kellergasse und den Weingärten

In Hadres luden zwei Winzer in die Kellergasse bzw. direkt in die Weingärten ein. Beim Winzerhof Ernst gab es ein erstes Probekonzert der Musikband „Daxler“ nach der langen Coronapause. Michael Ernst, einer der beiden Brüder, ist der Schlagzeuger der Gruppe. Unter den schattenspendenden Bäumen fast am Ende der Kellergasse kam mit Wein und Musik eine perfekt gute Stimmung auf, die sogar zum Tanzen animierte.

1.100 Euro für Familie aus Tschechien gesammelt

Bei der beliebten „Siestahitt’n“ des Weinguts Reischl war der Andrang riesig. Die Gäste waren begeistert vom Platz an der Sonne, vom jungen Wein und der Kulinarik. Die großen und kleinen Fußballfans kamen durch die Public-Viewing-Bühne voll auf ihre Kosten. Ganz nebenbei wurde für eine junge tschechische Familie, die Opfer des Tornados geworden ist, gesammelt: 1.100 Euro kamen für das Ehepaar mit den drei Kindern zusammen.

Im Retzer Land war die Beteiligung an der Weintour ebenfalls groß, Interessierte nutzten die Möglichkeit, die Weinbetriebe in unserem Bezirk kennenzulernen und deren Weine zu verkosten.

Das Weingut von Franz Seidl in Unterretzbach hatte bei den hitzigen Temperaturen ebenfalls geöffnet und hielt kühlen Wein für die Gäste bereit. Die Töchter von Franz und Elisabeth Seidl kreierten einen eigenen Sommernachts-Drink, der bei der Weintour probiert werden konnte. Er ist einer klassischen Sangria nachempfunden, wird jedoch mit einem speziellen Blauburger zubereitet, den Winzer Seidl in seinem Sortiment hat. Er zeichnet sich durch seine fruchtigen Noten aus.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch im Schrattenthaler Weingut der Familie Zull. Hier kamen die Weindurstigen aus dem Tullnerfeld und aus Klosterneuburg angereist. Viele genossen bei der Hitze gerne ein Glas des hauseigenen Sektes, der mit den Eierschwammerln perfekt harmonierte, die bei Zull bestellt werden konnten.

Kleine Köstlichkeiten bei den Weintour-Winzern

Mit vielen jungen Weinen wurde man von den ebenso jungen Winzern in Platt verköstigt. Sophie Fidesser stellte im Rahmen der Weintour die neu kreierte Weinlinie „Orbis“ vor. „Wir wollten einen frischen Wein machen, bei dem man nicht viel Nachdenken muss. Deshalb haben wir bewusst auch keine Sortennamen auf das Etikett geschrieben“, erzählt Fidesser über die drei neuen Weine, die seit einem Jahr neben den Klassikern angeboten werden. Die Bilder auf den Flaschen sind Leonardo Da Vinci’s „Proportionen“ nachempfunden und spiegeln die Geschmacksvielfalt der Weine wider.

Ebenso lauschig war es bei Familie Holzschuh, die im Platter Nusswald ihre Türen öffnete. Martha Holzschuh bot neben ihren Weinen auch kleinere Köstlichkeiten an. Darunter ein Rotwein-Brot, das durch seine tiefrote Farbe auffiel und geschmacklich perfekt mit dem neuen Donauveltliner harmoniert. Dieser Veltliner ist eine relativ neue Sorte im Betrieb und zeichnet sich durch eine höhere Pilzbeständigkeit aus. Dadurch müssen die Weingärten weniger behandelt werden. Das kommt dem Weingut Holzschuh besonders zugute, da seine Weine biologisch produziert werden.