Hollabrunner SPÖ mit neuem Mut für EU-Wahlkampf. Kandidaten formulierten ihre Ziele. Hollabrunner Bezirksfunktionär verspürt Aufwind.

Von Christoph Reiterer. Erstellt am 16. Mai 2019 (05:51)

24,09 Prozent und fünf Mandate erreichte die SPÖ bei der EU-Wahl 2014. Dieser Wert soll nach oben geschraubt werden, wie NÖ-Spitzenkandidat Günther Sidl und Weinviertel-Kandidatin Patricia Katsuli erklärten. Wie das klappen sollen, legten sie vergangene Woche auch im Rahmen eines Pressegesprächs in der Mocca-Lounge dar.

Man setze bewusst auf ein sehr junges, EU-affines Team. Ein wichtiges Thema sei die Steuergerechtigkeit bei multinationalen Konzernen. „Da gehen 100 Milliarden Euro verloren. Wir brauchen dieses Geld für die Regionalentwicklung“, sagt Sidl.

Auch ein Verbot tödlicher Umweltgifte ist für den 44-jährigen Petzenkirchener unumgänglich. Dazu müsse ein generelles Umdenken in der Landwirtschaft erfolgen, für die derzeit ein hoher Anteil aller Förderungen aufgewendet werde. „Das ist kein Landwirtschaftsbashing, aber der Markt in Europa ist durch Förderungen verzerrt.“

„Ich will der Generation nach mir eine lebenswerte Welt hinterlassen.“Weinviertel-Kandidatin Patricia Katsulis (SPÖ)

Generell sei die Nachfrage nach Top-Lebensmitteln irrsinnig hoch, der Umgang mit Lebensmitteln werde immer mehr zum Thema. Man müsse über Parteigrenzen hinwegdenken und dürfe nicht mit der Keule agieren: „Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß.“

Was die hohe Qualität der Lebensmittel und das Wasser (im Eigentum der Bürger) betrifft, sollte die EU „österreichischer“ sein.

Der Kontakt in die Regionen ist Sidl, der als Nummer drei der SPÖ-Liste hinter Andreas Schieder und Evelyn Regner beste Chancen hat, ins EU-Parlament einzuziehen, besonders wichtig, denn: „Man kann Europa nicht von Brüssel aus kommunizieren.“

„Es braucht neue Visionen“, meint Patricia Katsulis (28), die „irrsinnig gerne“ Gemeinderätin in Korneuburg ist, aber: „Politik hört nicht an der Stadtgrenze auf.“ Dass Team habe größtes Vertrauen, dass Günther Sidl die Ideen mit nach Europa nimmt, so die JG-Frauensprecherin, die es für unzumutbar hält, dass der Frauenanteil im Europaparlament nur bei 36 Prozent liegt. Sie fürchtet: „Der Rechtsruck schränkt unsere Rechte als Frauen ein.“

„Es kann nicht sein, dass ich mehr Steuern zahle als Starbucks“, ist auch Katsulis die Steuergerechtigkeit ein Anliegen – ebenso wie fair bezahlte Austauschprogramme für jene, die auch einmal woanders in Europa leben und arbeiten wollen. „Europa darf kein Elitenprojekt sein. Darum braucht es mehr Erasmusgelder auch für Lehrlinge.“ Stark findet Katsulis die „Fridays for Future“-Bewegung für den Klimaschutz und meint: „Ich will der Generation nach mir eine lebenswerte Welt hinterlassen.“

Ebenfalls beim Treffen war Stefan Hinterberger, stellvertretender Bezirksvorsitzender der SPÖ. Er ist zuversichtlich für den 26. Mai: Er spüre, dass die Menschen mit der SPÖ-Kampagne etwas anfangen können. Die ganze Bewegung geben den Funktionären „wieder ein gutes Gefühl“.

„Wir wollen ein klarer Gegenpart zu zerstörerischen Kräften und Demagogen sein“, bekräftigte Sidl. Was waren eigentlich bei den bisherigen Schuldiskussionen die brennendsten Themen? „Der Brexit und Artikel 13 zum Urheberrecht.“ Mitbestimmung, um etwas zu bewegen, sei ein wichtiger Faktor. Das Dilemma der Briten sei auch deshalb entstanden, weil viele nicht zur Wahl gingen. „Wer die EU will, muss sie auch wählen“, meinte Hinterberger. „Man darf die EU nicht als selbstverständlich erachten“, betonte Katsulis.