Weltuntergangsstimmung: „Wir waren machtlos“. Hagel, Starkregen und Sturm rissen die Bewohner des Bezirks Hollabrunn gegen 2.30 Uhr in der Früh aus dem Schlaf. Genau dann begann für viele die Katastrophe.

Von Sandra Frank und Barbara Witzany. Erstellt am 06. Mai 2015 (12:39)
NOEN, Sandra Frank
Unwetter in Großstelzendorf
„Vor dem Feuer kannst du davon laufen, vor dem Wasser nicht“, sagt  Großstelzendorfs Feuerwehrkommandant Johann Reinbacher mit Blick auf die Schlammmengen im Dorf.  Obwohl seine Truppe leider schon hochwassererprobt ist  - 2013 schwamm Großstelzendorf zwei Mal –, „waren wir machtlos“.



Obwohl die Feuerwehr auf ein neues Hochwasser bestmöglich vorbereitet war, konnten sie die Häuser nicht vor den Wassermassen bewahren. „Die Sandsäcke waren gefüllt, aber wir sind nicht dazu gekommen.“ Denn das Feuerwehrhaus selbst war vom Hochwasser betroffen, da der Bach gegenüber des Hauses über die Ufer trat.

93-Jähriger „hat’s sogar mit seinem Bett verschoben“

Bürgermeister Josef Reinwein, ebenfalls Großstelzendorfer, ist die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Seit halb drei Uhr früh ist er, wie die meisten anderen Dorfbewohner, auf den Beinen.

„Es ist einfach ein Wahnsinn“, kann er das Unglück kaum begreifen. Denn nicht nur sein Heimatort, die ganze Gemeinde wurde vom Starkregen mitten in der Nacht in Mitleidenschaft gezogen.



Feuerwehren waren in Göllersdorf genauso im Einsatz, wie in Bergau („Das hat’s von den Feldern her erwischt.“), wie Porrau („Da hat’s das Auffangbecken geflutet.“) wie Furth.

Dort wurde ein 93-Jähriger vom Unwetter im Schlaf überrascht. „Ihn hat’s sogar mit seinem Bett verschoben“, berichtet eine Dorfbewohnerin.



Die S 3 Richtung Hollabrunn war ebenfalls betroffen, Schlamm bahnte sich seinen Weg von den Feldern auf die Fahrbahn.

Schäden: „Nur im 65er Jahr war es noch schlimmer“

„Wir mussten in der Nacht mit unserem Baby aus dem Haus“, erzählt eine junge Mutter. Das Wasser drang von der Ortsdurchfahrt in ihr Haus ein. „Wir sind um halb drei durch den Hagel wach geworden“, berichtet der Vater.

NOEN, Sandra Frank
x
Danach sei schon das Wasser ins Haus eingedrungen. „Wir wohnen erst seit September hier. Wir wollten das Haus herrichten …“, starrt er auf den Schlamm im Badezimmer. „Ich bin in der Nacht noch aus Niedersulz hergefahren“, berichtet die Großmutter des sieben Monate alten Babys.

Die Bewohner sind sich einig: Selbst die beiden Überschwemmungen im letzten Jahr waren nicht so schlimm wie die aktuelle Katastrophe. „Nur im 65er Jahr war es noch schlimmer“, erinnert sich ein älterer Dorfbewohner, „aber das war am Tag, da hat man es wenigstens gesehen“.

Baume wurden entwurzelt, fielen auf Dächer, rissen Mäuer um. „Wir mussten den Maibaum umschneiden, weil‘s ihm den Gipfel abgerissen hat“, berichtet Einsatzleiter Reinbach. Im Ort fanden sich auch Karpfen. „Die wurden vom Teich hereingespült“, wissen die Bewohner. „Der Teich ist ja zwei Kilometer vom Ort entfernt …“, staunt ein Feuerwehrmann.

Ortsvorsteher: „Es geht uns beschissen“

„Wir sind sicher noch bis am Abend mit den Aufräumarbeiten beschäftigt“, sagt Reinbacher. Eine Ortschaft weiter sind die Florianijünger ebenfalls mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.

„Es geht uns beschissen“, kann Ortsvorsteher Andreas Fischer keine anderen Worte finden. Auch er ist seit halb drei Uhr Früh auf den Beinen. „Es ist eine Katastrophe“, berichtet er von überfluteten Kellern und weggespülten Autos.

„Straßenverlauf nur noch an den Pflöcken erkennbar“

Heldenbergs Bürgermeister Peter Steinbach hat ebenfalls eine schlaflose Nacht hinter sich: „Um 2.29 Uhr bin ich losgefahren. Den Straßenverlauf konnte man wegen des Wassers nur an den Pflöcken erkennen“.

Kurz nach zwei in der Nacht kam das Gewitter am Heldenberg an. Waagrecht sei der Regen gegen die Scheiben geprasselt, so ein Ortsbewohner. In der Früh war Steinbach wieder unterwegs, um die Schäden aufzunehmen.

Am rechten Ortseingang von Unterthern waren die Feuerwehr und Helfer damit beschäftigt, den Schlamm von der Straße zu räumen. Ohne Unterbrechung fuhren Traktoren mit vollen Schaufeln um den Schlamm zu entsorgen.

Auf der linken Seite kämpfte Familie Schmid mit dem Gatsch. Das Wasser war in den Keller eingedrungen. Eiskasten, Waschmaschine und vieles mehr reinigte die Familie mit Helfern.

Enorme Schäden für die Landwirtschaft

In Oberthern (siehe auch Fotoserie ganz oben) wurden Brücken überspült. Die Feuerwehr hatte den Schlamm vor dem eigenen Haus.

In Ober- und Unterthern sah man an jeder Ecke Menschen, die den Gatsch wegschaufelten oder wegspritzen. Wägen der Straßenreinigung waren unterwegs. „Das muss jetzt schnell weggeräumt werden, sonst wird das hart wie Beton.“

Die neuen Hochwasserbecken entlang der Straße waren nur zum Teil befüllt, aber „Im Kreit oben sind die Becken voll“, weiß Steinbach.

Die Schäden in der Landwirtschaft sind zum Teil enorm. Vor Unterthern wurden die frisch gesetzten Erdäpfel aus einem Feld über die Straße gespült