Wenn 12.000 Tonnen Gestein in die Luft gehen. Im Hengl-Steinbruch in Limberg gab es dieses Mal Publikum, als in einer Wand gesprengt wurde. Geschäftsführer Florian Hengl führte eine Delegation rund um Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger durch den Familienbetrieb.

Von Sandra Frank. Erstellt am 30. Juni 2021 (17:11)

„In 230 Millisekunden ist es vorbei“, erklärt Sprengmeister Josef Gratz, wie lange es dauert, bis 1.900 Kilo Sprengstoff neues Material – etwa 12.000 Tonnen Gestein – im Limberger Steinbruch des Unternehmens Hengl produzieren. Die Ladung wird auf 27 Bohrlöcher verteilt, die hintereinander detonieren. Und dann „macht’s wupp und es fällt runter“, beschreibt Gratz.

Dieses „Wupp“ ist für die Delegation, die mit Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger unterwegs war, natürlich das Highlight der Betriebsführung am Mittwoch (30.6.). Zuerst geht es aber - ausgestattet mit Helm und Warnweste - durch den Steinbruch. Chauffiert wird die Gruppe von Busunternehmer Josef Langthaler persönlich, der stolz ist, dass die beiden Betriebe seit 60 Jahren gut zusammenarbeiten.

Rohstoffe werden gewonnen, Baumaterial recycelt

Geschäftsführer Florian Hengl erklärt, was auf dem 70 Hektar großen Betriebsgebiet vor sich geht. Denn dort wird weit mehr als Bergbau zur Rohstoffgewinnung betrieben. Im zweiten großen Sektor werden Baumaterialien recycelt. Der Lagerplatz ist fünf Hektar groß, darauf ist Platz für 250.000 Kubikmeter Material. Neu im Sortiment sind Ziegel, die bei den Hengls recycelt werden, zum Großteil wird daraus Dachgranulat hergestellt.

Für den NÖ Fachgruppenobmann für Stein- und keramische Industrie ist klar: „Die Kreislaufwirtschaft muss man leben und nicht nur darüber sprechen.“ Die mineralischen Rohstoffe würden ja nicht einfach verschwinden, sagt Hengl, sie werden nur anders verbraucht. „In unserer Branche haben wir schon eine Recyclingquote von 80 bis 90 Prozent“, ist er froh.

Im Steinbruch: Der Uhu brütet, der Steinschmätzer sitzt auf der Pyramide

Am Firmengelände in Limberg zeigt sich, dass Bergbau und Naturschutz Hand in Hand gehen können. So arbeiten die Hengls etwa mit dem WWF und Birdlife zusammen, um die Tiere, die im Steinbruch leben, zu schützen. „Wir haben zwei Uhu-Brutpaare, weil wir im Steinbruch eine andere Biodiversität haben als am restlichen Manhartsberg“, erzählt Hengl. Jedes Jahr sucht das Unternehmen ein anderes Tier aus, für das etwas getan wird. Im Vorjahr stand der Steinschmätzer im Fokus. Weil dieser nicht auf Ästen, sondern auf Steinen sitzt, sind Steinpyramiden aufgestellt worden, damit der Vogel seine Beute besser beobachten kann.

Der Steinbruch darf aber nicht nur von Tieren genutzt werden: Wann immer es möglich ist, darf das Areal von Blaulichtorganisationen für Übungen genutzt werden, auch Events – wie im August ein 24-Stunden-Autorennen – gehen in Limberg über die Bühne. Und: „Der untere Teil des Steinbruchs dient als Retentionsbecken und ist auf ein 100-jährliches Hochwasser ausgerichtet“, informiert Hengl.

Asphaltmischanlage direkt im Steinbruch spart Transportwege

Die Gruppe beobachtet einen Bagger bei der Arbeit: Zunächst zerkleinert er den Granit mit einer etwa acht Tonnen schweren Stahlkugel. Dann lädt er das Material auf einen Muldenkipper. „Die Baggerschaufel wird etwa zwei Mal im Jahr ersetzt, weil der Granit so aggressiv ist“, erzählt Hengl über die Abnutzungserscheinungen der Geräte. 

Davon kann auch Leopold Leitner, Prokurist bei Held & Francke, ein Lied singen: Die Baugesellschaft errichtete im Limberger Steinbruch ein Asphaltmischwerk, das im vergangenen Jahr seinen Betrieb aufgenommen hat. „Im Winter sind Mechaniker zwei Monate nur mit den Reparaturen beschäftigt“, erklärt der Prokurist bei der Besichtigung der Anlage. 

Warum diese im Hengl-Steinbruch steht? „Das spart Transportwege“, sagt Florian Hengl, der von etwa 300 Lkw-Ein- und Ausfahrten pro Tag spricht. Etwa 100.000 Tonnen Asphalt werden am Limberger Standort produziert. „Wir können 20 bis 40 Prozent Recyclingasphalt beigeben“, wird auch bei Held & Francke auf Wiederverwertbarkeit geachtet.

Ein Blick in die Geschichte der Erde

Wer im Steinbruch genau hinsieht, der entdeckt über dem Granit, der etwa 580 Millionen Jahre alt ist, Sandstein. „Dort finden wir immer noch Seekühe oder andere Fossilien. Da schaut man in die Erdgeschichte“, berichtet Hengl, der den Familienbetrieb in vierter Generation führt. „Es gibt sogar Mitarbeiter, die schon in vierter Generation bei uns arbeiten“, weiß der Geschäftsführer, der um die 180 Mitarbeiter beschäftigt.

Wo findet sich der Granit wieder, der im Limberger Steinbruch abgebaut wird? Zum Beispiel als Bahnschotter. Hier ist Hengl österreichweit Marktführer. Aber auch Splitte, Unterbaumaterial, Recyclingbaustoffe oder Produkte für Garten- und Landschaftsbau werden hier hergestellt.

Nach all diesen Informationen geht’s an die Sprengung. Aus sicherer Entfernung beobachtet die Gruppe das Geschehen. Das Signal dazu gibt Gratz, der seit 23 Jahren für den Betrieb arbeitet, elf davon als Sprengmeister. „Unfälle bei Sprengungen hat es eigentlich noch nie gegeben“, berichtet er. Gespannt beobachten Landesrat Danninger, Maissaus Bürgermeister Josef Klepp & Co., wie die 12.000 Tonnen Gestein in die Luft fliegen.