Wie die Kids ticken. Junge Bühne / In Oberfellabrunn ermöglicht man den jungen Ensemblemitgliedern ein Stück nach ihren Vorstellungen zu gestalten.

Erstellt am 23. Oktober 2012 (00:00)
NOEN
Von Christian Pfeiffer

OBERFELLABRUNN / Auf den ersten Blick ist alles beim Alten im Kulturstadl. Auf dem Spielplan steht Nestroys Burleske „Die schlimmen Buben in der Schule“. Damit bedient man durchaus bewusst die Erwartungshaltung des über die Jahre treuen Stammpublikums. Auf den zweiten Blick findet man Mutiges und Seltenes. Der zweite Teil des Abends wird, bis auf Franz Josef Weiss in der Rolle des Lehrers, ausschließlich von den Nachwuchstalenten der Theatergruppe bestritten.

“In hundert Jahren sind ganz andere Buben auf der Welt!“, ist Lehrer Wampl bei Nestroys „schlimmen Buben“ überzeugt. Dieser Satz war für Regisseur Andreas Erstling, den man sich als professionelle Unterstützung für die diesjährige Produktion geholt hat, die Brücke zum zweiten Schulstück des Abends.

„Vorsicht, die ist echt!“ heißt die Adaption einer Theatersensation aus dem Jahr 2010. Ein Lehrer bekommt eines Tages eine einzigartige Chance. Er versucht seinen disziplinlosen Schülern gerade Friedrich Schillers „Räuber“ und seine idealistischen Vorstellungen vom klassischen Theater nahe zu bringen, als ihm in einem Gerangel eine Pistole in die Hände fällt, eine echte. Kurz zögert er, dann nimmt er seine Schüler als Geiseln und zwingt sie mit vorgehaltener Waffe auf die Schulbühne zu treten und zu spielen. Denn allein Theater kann die Welt noch retten und heilen. Mit dieser Geiselnahme hebt ein abgründiger Tanz der Genres vom Thriller über Komödie zum Melodrama an.

Mit der Entscheidung diese konträren Stücke an einem Abend auf den Spielplan zu setzen leistet man in Oberfellabrunn Pionierarbeit. Man nimmt den Wunsch der jungen Ensemblemitglieder ernst und bietet ihnen die Chance, sich gleichberechtigt neben den „alten Haudegen“ der Theatergruppe zu präsentieren.

Franz Josef Weiss und Christoph Stich, die sich als Impulsgeber des Pilotprojektes „Junge Bühne“ sehen, sind beeindruckt, wie leicht es war Jugendliche zu finden. „Die sind Feuer und Flamme, dass sie dürfen“, so Weiss, dem man die eigene Begeisterung anmerkt. Und auch Regisseur Erstling streut den jungen Schauspielern Rosen. „Die Authentizität der Schulatmosphäre mussten wir nicht erst lange erarbeiten.“ Interessenten für Folgeprojekte können sich jederzeit bei Fabian Krempus unter der E-Mail: fbikrempus@gmx.at melden.