Windkraft-Befragung spaltet Schmidatal. Uneins / Gemeinden Heldenberg und Sitzendorf stimmten für, Hohenwarth-Mühlbach deutlich und Ziersdorf knapp gegen Windkraft.

Erstellt am 11. Juni 2013 (00:00)
NOEN, e Fotomontage Eva Grillitsch
Von Barbara Witzany

SCHMIDATAL / „Offensichtlich ist es den Gegnern des Windkraftprojektes besser gelungen, ihre Wähler zu mobilisieren“, meinte Bürgermeister Alfred Zeilinger über das Ergebnis der Volksbefragung in seiner Gemeinde Hohenwarth-Mühlbach. 63,3 Prozent der Wähler beantworteten die Frage: „Soll der Gemeinderat die Umwidmung von geeigneten Grundflächen in der Marktgemeinde Hohenwarth-Mühlbach a.M. auf Grünland-Windkraftanlagen beschließen?“ mit einem Nein. „Wir müssen das Ergebnis zur Kenntnis nehmen, erwartet habe ich es nicht“, so der Gemeindechef.

Peter Steinbach, Bürgermeister von Heldenberg, kann sich hingegen über ein positives Ergebnis freuen. Er befragte ebenfalls seine Bürger am vergangenen Sonntag, ob sie für oder gegen eine Errichtung von Windrädern auf Heldenberger Gemeindegebiet sind. Enttäuscht ist Steinbach von der niedrigen Wahlbeteiligung mit nur 41,6 Prozent. Die Stimmung sei im Vorfeld ruhig gewesen, beobachtete er: „Ich habe extra keinen Bürgermeisterbrief vor der Wahl in der Gemeinde verschickt, ich wollte keine Beeinflussung.“ Die Gegner jedoch seien von Haus zu Haus gegangen. Über eine spezielle Aussage der Windkraftgegner ärgerte sich der Gemeindechef: „Wir sind ja nicht grundsätzlich dagegen, aber nicht bei uns.“ So zum Thema Windenergie zu stehen, sei eigenartig, meint Steinbach.

Hauchdünn ging die Volksbefragung in Johann Gartners Gemeinde aus. 51,1 Prozent der Zierdorfer sprachen sich gegen die Errichtung von Windkraftanlagen aus. „Das Ergebnis ist so anzunehmen und zu akzeptieren, wie es ist“, kommentiert Gartner die Entscheidung. Der Gemeindechef hatte wie Steinbach mit einer höheren Beteiligung bei der Volksbefragung gerechnet, nämlich über 50 Prozent. Gekommen sind nicht einmal 46 Prozent.

Grundsätzlich zufrieden mit der Wahlbeteiligung von fast 52 Prozent und dem Ergebnis ist Leopold Hummer. Er war der Vierte im Bunde der Schmidatalbürgermeister, die am Sonntag ihre Gemeindebürger zum Thema Windpark befragten. Der Sitzendorfer Gemeindechef erklärt: „Es gibt ja noch die Nebenwohnsitzer, die ebenfalls zur Befragung gehen konnten – so sie überhaupt von der Befragung um das Windkraftprojekt wussten.“

Der weitere Vorgang sei nun, „wie es der Gesetzgeber vorschreibt“. Das heißt, die Entscheidung liege beim Land, ob das Schmidatal in einer Windkraftzone liegt oder nicht. Im Gegensatz zu den anderen Schmidatalgemeinden hat Sitzendorf von einigen Stellen eine Aussicht, die vielen zu denken gibt: das 28 Jahre alte Atomkraftwerk ohne Sicherheitsbehälter in Dukovany im benachbarten Tschechien. „Das hat bei der Befragung ein bisserl mitgespielt“, meint Hummer.

Großer Ärger über  Informationsblätter

Für Ärger bei einigen Bürgern sorgten zwei Informationsbroschüren. Bei einer war als Impressum bzw. als Absender ein „Bürgerkomitee für eine sinnvolle Energiewende“ verzeichnet, bei der zweiten eine „Bürgerinitiative gegen Windkraft-Wildwuchs in der Großgemeinde Sitzendorf an der Schmida und im Schmidatal in Verbindung mit IG Weinviertel“.

„Ich hätte gerne mit diesen Leuten gesprochen“, so eine verärgerte Goggendorferin, „aber da steht nirgends eine Kontaktadresse“. Sie rief beim Gemeindeamt und bei der BH Hollabrunn an, doch beide Behörden konnten ihr nicht helfen. Bezirkshauptmann Stefan Grusch: „Diese zwei Angaben stehen für ein Impressum, daher ist es rechtlich in Ordnung.“

Problematischer ist es mit dem Inhalt eines Infoblattes. Hier wurde unter anderem Maissaus Bürgermeister Josef Klepp zitiert. „Ich wurde mit dieser Einschaltung konfrontiert und hatte natürlich keine Ahnung davon.“ Niemand sei bei ihm vorstellig geworden. „Ich möchte schon festhalten, dass von mir sonst keine Kommentare oder Zitate über irgendjemand geäußert wurden. Ich werde wahrscheinlich hinterfragen, wer da dahintersteht“, ärgert sich Klepp und ergänzt: „Schad’ um die Zeit.“

Windkraftgegner kritisierten ebenfalls ein Infoblatt – und zwar jenes, das von Gemeinden und der Betreiberfirma WEB herausgegeben wurde. Hier wurden aus jeder Gemeinde, die ihre Bürger befragt hat, drei Personen um eine Stellungnahme gebeten. Es wurde kritisiert, dass bei einer dieser Wortspenden der Text ident mit dem eines Infoblattes aus einem anderen Bezirk sei.

Herbert Wanko, einer der Zitierten, erklärt: „Das Statement vom Informationsblatt aus Groß Siegharts hat mir aus der Seele gesprochen. Daher habe ich Bürgermeister Steinbach gebeten, diesen in meinem Namen für das Infoblatt im Schmidatal zu verwenden.“ Hätte er geahnt, dass es zu Unterstellungen kommen würde, „hätte ich mir eine eigene Textformulierung einfallen lassen“.

Das Ergebnis im Detail

HELDENBERG

Glaubendorf: Ja: 107, Nein 83

Großwetzdorf: Ja 83, Nein 49

Kleinwetzdorf: Ja 33, Nein 13

Unterthern: Ja 47, Nein 39

Oberthern: Ja 38, Nein: 59

Wahlbeteiligung insgesamt: 41,60%

HOHENWARTH-MÜHLBACH

Hohenwarth: Ja 87, Nein 167

Mühlbach: Ja 53, Nein 71

Ronthal: Ja 25, Nein 44

Bösendürnbach: Ja 12, Nein 22

Ebersbrunn: Ja 59, Nein 58

Zemling: Ja 35, Nein 124

Olbersdorf: Ja 20, Nein 16

Wahlbeteiligung insgesamt: 53,81%

SITZENDORF

Sitzendorf und Kleinkirchberg: Ja 192, Nein 127

Sitzenhart: Ja 29, Nein 47

Goggendorf: Ja 73, Nein 47

Braunsdorf: Ja 96, Nein 34

Roseldorf: Ja 102, Nein 27

Frauendorf: Ja 94, Nein 89

Niederschleinz: Ja 111, Nein 34

Pranhartsberg: Ja 9, Nein 24

Wahlbeteiligung insgesamt: 51,74%

ZIERSDORF

Ziersdorf I: Ja 157, Nein 121

Ziersdorf II: Ja 121, Nein 95

Gettsdorf: Ja 51, Nein 58

Hollenstein: Ja 27, Nein 33

Fahndorf: Ja 50, Nein 47

Kiblitz: Ja 6, Nein 122

Rohrbach: Ja 46, Nein 107

Dippersdorf: Ja 22, Nein 30

Radlbrunn: Ja 88, Nein 75

Großmeiseldorf: Ja 152, Nein 63

Wahlbeteiligung insgesamt: 45,73%