Erstellt am 02. April 2013, 00:00

Windräder bald auch beim Nationalpark?. „Windpark Nord“ / Die Gemeinden Hardegg, Langau und Weitersfeld wollen insgesamt 25 Windräder errichten. Thayatal-Direktor warnt.

Von Christoph Reiterer

HARDEGG, LANGAU, WEITERSFELD /  Bereits im Herbst hat sich der Hardegger Gemeinderat einstimmig für den Start des Projekts „Windpark Nord“ ausgesprochen. Dieses geht nun in eine vertiefte Prüfungsphase. Diesen Mittwoch, 3. April, findet von 15 bis 19 Uhr ein Informationstag in der Volksschule Pleißing statt. Gegenwind scheint vorprogrammiert, denn das Großprojekt streift den Nationalpark Thayatal.

Projektpartner sind die Österreichischen Bundesforste, die über große Flächen in den Gemeindegebieten verfügen. „In einer Studie des Landes wurden diese Flächen als sogenannte Potenzialflächen für Windkraft ausgewiesen“, schreibt Hardeggs Bürgermeister Heribert Donnerbauer in einer Aussendung und meint im NÖN-Gespräch, dass es positiv sei, mit den Bundesforsten den Grundstückseigentümer als Betreiber zu haben.

Nationalpark, Windpark: „Passt zusammen“ 

„Das ist nicht irgendein Konzern, sondern ein Unternehmen, das allen Österreichern gehört und das es gewohnt ist, mit Wald umzugehen“, betont Donnerbauer. Die Bundesforste wollen sich außerdem mit der Boku zusammenschließen, um das Projekt möglichst naturverträglich zu realisieren.

Laute Kritik, dass Windräder nahe dem Nationalpark Thayatal aufgestellt werden sollen, habe er nicht vernommen, sagt der Bürgermeister. „Ich finde, dass der Nationalpark-Gedanke und die Windkraft als Form der Erneuerbaren Energie sich sehr gut vereinbaren lassen.“

Er hoffe nicht, so Donnerbauer, dass das Projekt auf großen Widerstand trifft. Zwischen Betreiber und Nationalpark-Direktor soll es ein konstruktives Gespräch gegeben haben. Außerdem müssten ohnehin alle Bedenken in der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) berücksichtigt werden.

Donnerbauer bestätigt, dass in den drei Gemeinden bis zu 25 Windräder geplant sind. Diese sollen westlich an den Nationalpark Thayatal grenzen, zwischen Riegersburg und Weitersfeld und in Zukunft für saubere, erneuerbare Energie sorgen. Wichtig sei, dass diese geballt als Windpark errichtet werden und weitere Widmungen im restlichen Gemeindegebiet ausgeschlossen werden.

Robert Brunner, Direktor im Nationalpark Thayatal, ist unglücklich mit der Entwicklung. „Es sind zwei Fakten, die mir Sorge bereiten“, sagt er. Zum einen entstehe ein Windräder-Wildwuchs und ein Wettrennen zwischen den Gemeinden, weil es keine klar definierten Zonen gebe.

Zum anderen fürchtet er um die Artenvielfalt im so sensiblen Lebensraum des Nationalparks. Es sei nichts über die Auswirkung auf die Wildtiere bekannt. „Es gibt hier einen gesicherten Nachweis von fünf Seeadlern im Winter, welche die eisfreie Thaya nutzen. Die kommen dann bestimmt nicht mehr. Auch um Uhu oder Schwarzstorch bangt der Direktor, falls die Windräder in unmittelbarer Nähe tatsächlich errichtet werden.

Was die Windpark-Zone betrifft, so sei keinerlei Puffer zur Nationalpark-Grenze vorgesehen. „Wenn die Windräder mit einer Rotorspitze von 196 Meter so wie vorgesehen im Jahr 2015 tatsächlich in Betrieb gehen, dann brennt der Hut“, meint Brunner.

Mit der Vorgangsweise der Gemeinden ist er nicht zufrieden: „Es heißt: Kommen Sie und wir erzählen Ihnen was. Eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit eines solchen Projekts ist nicht angedacht.“ Dieses sei nicht ausgegoren: „Da gehört noch viel Gehirnschmalz reingesteckt“, hofft der Direktor auf „einige Korrekturen“.

Infotag:

MITTWOCH, 3. April, 15 bis 19 Uhr, Volksschule Pleißing:

Bürgermeister Heribert Donnerbauer, Vertreter der Gemeinde, technische Planer, Windenergie-Experten, Vertreter der Österreichischen Bundesforste sowie der Geschäftsstelle für Energiewirtschaft des Landes NÖ stehen in Pleißing jedermann für Informationen zur Verfügung.