Schmidatal: Den Trappen auf der Spur. Bestand der gefährdeten Großtrappe wird im Schmidatal regelmäßig kontrolliert.

Von Barbara Witzany. Erstellt am 18. April 2021 (05:40)
Der Biologe Rainer Raab war den ganzen Tag im Schmidatal auf den Spuren der Trappen unterwegs.
Barbara Witzany

Am vergangenen Sonntag war der Koordinator für den Großtrappenschutz im Rahmen eines sogenannten LIFE-Projektes, Rainer Raab, auf der „Jagd“ in Schmidatal. Eine Zählung der Vögel stand an.

Der Biologe Rainer Raab war den ganzen Tag im Schmidatal auf den Spuren der Trappen unterwegs.
Barbara Witzany

14 Hähne sind schnell gefunden. „Ich war bereits in der Früh in der Gegend“, erzählt Raab, „da waren die Tiere noch in einer anderen Region.“ Während des Gespräches mit der NÖN steigen die scheuen Vögel auf und fliegen in nördliche Richtung. Suchend schaut sich Raab um: „Üblicherweise fliegen sie nur bei einer Störung oder Gefahr davon, ich schaue dann immer gleich nach oben, ob ein Adler in der Nähe ist“, schildert der Biologe.

Mit dem Fernglas verfolgt er die Flugroute, um den neuen Standort herauszufinden. Doch ausgerechnet jetzt tauchen Spaziergänger auf und der nächste Ortswechsel der Vögel – und des Biologen – findet statt. Wieder werden die Tiere schnell entdeckt. „Die Hähne haben schon mit der Balz begonnen, die Brut wird sich aber heuer witterungsbedingt verzögern“, meint Raab. Die Hennen sind noch nicht in der unmittelbaren Nähe.

„Insgesamt ist die Bevölkerung im Schmidatal sehr gut über das Trappenschutzgebiet und das erforderliche Verhalten zum Schutz dieser sehr scheuen Spezies informiert“, berichtet der Fachmann von seinen Erfahrungen. Einen in der Ferne auftauchenden Reiter kommentiert er mit den Worten: „Der ist sicher nicht aus der Region.“ Und tatsächlich scheint der mit dem Fernglas verfolgte Reiter die Gegend zu verlassen.

„Wir haben mit den Reitstall-Besitzern gesprochen und die Situation erklärt – das hat immer gut funktioniert“, freut sich Raab über die Rücksichtnahme: „Auch die Bauern, deren Felder in dem Gebiet sind, passen auf“, ist er dankbar. Besondere Gefahr besteht während der Brut. Die Hennen und dann auch die Küken sind am Boden fast nicht zu entdecken. Daher wird in dieser Zeit versucht, das Trappenschutzgebiet zu meiden.
Der Biologe setzt sich nicht nur für die Trappen ein.

„Wir besendern Adler und Rotmilane, um deren Lebensweise besser erforschen zu können“, führt er aus und erzählt von einem erschütternden Ergebnis: „Wir haben bei den Rotmilanen die Erfahrung gemacht, dass 40 Prozent der Population in Österreich, Tschechien und der Slowakei vorsätzlich vergiftet werden.“ Diesem Thema, der Vogelkriminalität, ist ein eigenes Kapitel auf der Homepage life-eurokite.eu gewidmet.

Dabei geht es um grenzüberschreitenden Schutz des Rotmilans. Auf seinem Handy zeigt Raab eine Landkarte von Europa: „Jeder rote Punkt sind Vögel mit Sendern. Wir haben auch Großtrappen mit Sendern ausgestattet.“ Viele rote Punkte sind in Spanien, Italien, Ostösterreich und den Nachbarländern zu sehen. Und es gibt auch viele weiße Punkte. „Das sind Vögel, die nicht mehr am Leben sind“, erklärt Raab.

Zwischendurch beobachtet er immer wieder die Hähne und spricht am Rand des Schutzgebietes mit Spaziergängern: „So bekomme ich wertvolle Informationen, wo die Tiere stehen.“ Zum Schluss verabschiedet sich Raab dann mit den Worten: „Ich werde jetzt auch noch nach den Hennen schauen.“ Und nach 20 Uhr abends kommt schließlich noch die Nachricht: „44 Großtrappen waren es heute.“ Bei den letzten Zählungen waren es insgesamt noch 46 Vögel, es besteht aber die große Hoffnung, dass die beiden fehlenden Exemplare wieder auftauchen.